Mordversuch an Tankstelle in Hemau: Gericht zeigt erstmals Videos aus der Tatnacht

Von André Baumgarten · 24. März 2025 um 19:00

Einer der elf Angeklagten im Mordversuchs-Fall von Hemau (Landkreis Regensburg) ist auf den Aufnahmen zu erkennen – samt Eisenstange in der Hand. Neuigkeiten gab es an Tag sieben im Prozess auch zum Befangenheitsantrag gegen die Vorsitzende Richterin.

Nur ganz selten wird in einem Gerichtssaal so wenig gesprochen, wie zuletzt im Prozess um einen versuchten Mord in Hemau. Der Grund: Die Jugendkammer sichtete mehrere Stunden lang Überwachungsaufnahmen jenes Abends. Diese hatten zu Prozessbeginn für Ärger gesorgt, weil darauf eine Tatrekonstruktion des Landeskriminalamts in München beruhen soll, an der die Verteidigung aber Zweifel hegt. Zu einem Befangenheitsantrag gegen die Vorsitzende Richterin gibt es eine Entscheidung – doch dagegen könnte es Widerspruch geben.

Der Vorfall an einer Hemauer Tankstelle vom 6. November 2023, beidem zwei Brüder teils bleibende Schäden davontrugen, sorgt weiter für Aufsehen: Elf Männer stehen wegen versuchten Mordes vor Gericht. Sie sollen die Brüder mit Eisenstangen oder auch Baseballschlägern übel zugerichtet haben, selbst dann noch auf sie eingeschlagen haben, als sie zu Boden gegangen waren. So ist es in der Anklage zusammengefasst. Auslöser der Attacke soll ein Streit unter Kollegen gewesen sein, mit dem die Geschädigten nichts zu tun hatten. Sie sollen einem Bekannten lediglich geholfen haben. Allerdings sollen auch sie nicht unbewaffnet zu dem vorab vereinbarten Treffen erschienen sein.

Video: Mann mit Eisenstange steigt in Skoda

Zu den Vorwürfen schweigen alle elf Angeklagten seit Tag eins vor Gericht – für den Mammut-Prozess gegen sie, aktuell mit Terminen bis in den Sommer durchgeplant, verwandelt sich das Justizgebäude an jedem Verhandlungstag in einen Hochsicherheitstrakt. Erstmals wurde aber offenkundig, worauf die Anklage gegen zumindest einen der Männer beruhen könnte. Auf einem Video der Überwachungskameras, das nun gezeigt wurde, war ein Angeklagter doch recht gut zu erkennen. In seiner Hand hatte er eine Eisenstange. Weiter Aufnahmen legten Ähnlichkeiten mit anderen Mitangeklagten nahe. Identifizierbar waren diese – zumindest aus den Zuhörerreihen – nicht eindeutig.

Attacke selbst ist auf Überwachungsvideos nicht zu sehen

Klar wurde am siebten Prozesstag auch, welche Aufnahmen auf eine Mahnung von Anwälten hin nachgereicht wurden. Zunächst hatten die Verteidiger mit den Akten offenbar nur sechs Perspektiven erhalten. Weitere Kamerabilder, die das Innere der Tankstelle und weitere Außenaufnahmen zeigten, waren am Montag Teil der Beweisaufnahme. Mehr Aufschluss darüber, was an jenem Montagabend im November 2023 geschah, boten sie auf den ersten Blick allerdings nicht. Fakt ist: Die Attacke ist auf den Videos nicht zu erkennen – nur der Beginn. Danach verlagert sich das Geschehen in den verpixelten Bereich auf der Straße, wo nur noch die Schuhe zu sehen sind.

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Deutlich mehr Klarheit gibt es derweil zu einem Befangenheitsantrag gegen die Vorsitzende Richterin der Jugendkammer. Den hatten die Verteidiger gestellt, weil die Juristin in einem anderen Prozess davon berichtet hatte, dass sich „irgendwelche Idioten verabreden und schlagen und immer irgendwelche Waffen dabei haben“. Immer häufiger müsse sich ihre Kammer mit solcherlei Fällen auseinandersetzen. Strafverteidiger Prof. Dr. Jan Bockemühl nannte das „grob unsachlich und beleidigend“, die Richterin sei daher nicht mehr unvoreingenommen. Alle anderen Anwälte schlossen sich dem an.

Anwälten steht der Weg in die Revision frei

Der Antrag wurde nun abgelehnt, wie am Rande des Prozesses bekannt wurde. Entschieden haben das die zwei weiteren Berufsrichterinnen derselben Kammer – so ist es üblich. Diese Entscheidung könne aber „mit dem Urteil angefochten werden“, so der stellvertretende Landgerichtssprecher Dirk Schulz auf Anfrage. Die „Rüge einer ablehnenden Entscheidung“ könne demnach Teil einer Revision sein.