Versuchter Mord an Tankstelle: Sind DNA-Treffer im Fall Hemau nicht verwertbar?

Gutachten der Rechtsmedizin belastet einige der elf Angeklagten schwer – ihre Spuren fanden sich an einer Eisenstange und auf Bekleidung der Geschädigten. Weil die angeklagten Männer aber teils miteinander verwandt sind, steht hinter den Ergebnissen nun wohl ein Fragezeichen.
An und in Autos, an Hosen, an den Geschädigten und an mutmaßlichen Tatwerkzeugen hatte die Rechtsmedizin die DNA mehrerer Angeklagter nachgewiesen. Am Montag war das Gutachten im Prozess um die Bluttat an einer Hemauer Tankstelle erstmals Thema geworden. Einziges Problem: Ob die akribische Arbeit der Sachverständigen in dem Fall am Ende verwertbar ist, bleibt offen. Denn es gibt einen womöglich nicht ganz unerheblichen Fallstrick. Bei der Verteidigung regte sich erster Widerstand.
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Mehr als drei Monate sind vergangen, seit am Regensburger Landgericht die juristische Aufarbeitung des Vorfalls vom 6. November 2023 gestartet ist. Elf Männer im Alter zwischen 19 und 37 Jahren sitzen auf der Anklagebank. Ihnen liegt versuchter Mord an zwei Brüdern zur Last, die an jenem Abend mit Eisenstangen und Baseballschlägern malträtiert worden sein sollen. Bis heute leiden die beiden Geschädigten unter Folgen der teils lebensgefährlichen Verletzungen. Ein nahes Ende des Prozesses, der unter verschärften Sicherheitsbedingungen läuft, zeichnet sich bislang eher nicht ab.
Anwälte beantragen Aussetzung des Verfahren
Denn: Zuletzt fiel auf, dass die Verteidiger Teile der Akten nie erhalten hatten – vor allem Mitschnitte von Vernehmungen, darunter auch die eines Angeklagten, der einst ausgepackt und Namen genannt haben soll. Eine von den Anwälten gestern beantragte Aussetzung des Verfahrens lehnte die Jugendkammer ab. Allerdings muss die Beweisaufnahme ein weiteres Mal angepasst werden: Zwei Prozesstage werden verkürzt, drei entfallen, damit die Videos und Tonaufnahmen gesichtet werden können. Was der 19 Jahre alte Bulgare einst über seine Mitangeklagten sagte und wen er belastete, bleibt vorerst sein Geheimnis. Alle elf Männer schweigen zu den harten Vorwürfen, die sie lebenslang in Haft bringen könnten.
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Etwas mehr Aufschluss bot hingegen die Auswertung gesicherter Spuren: Auf einem langen Eisenrohr, das sichergestellt werden konnte, fand sich neben der DNA der Geschädigten auch die eines anderen 19-Jährigen. Vom selben Angeklagten fand sich an einem der Brüder ein Haar. Auch ein Stemmeisen, das einst auf dem Dach einer Garage gefunden worden war, trug laut der Sachverständigen die DNA eines der Geschädigten. Auch in den Fahrzeugen, die bis heute der Kripo verwahrt sind, fanden sie Nachweise. Doch nicht jede Spur war laut der Sachverständigen zuordenbar, wie beispielsweise die im BMW eines Angeklagten, der eigentlich abseits des Tatorts gestanden und nie mitgemischt haben wollte.
DNA-Spuren nicht so eindeutig, wie es scheint?
Doch: Mehrere Angeklagte, denen teils Spuren klar zugeordnet wurden, sind miteinander verwandt – was laut der Gutachterin nicht bekannt war. Das bedeute, dass die Ergebnisse dann so nicht haltbar seien, weil die Software die DNA nicht eindeutig zuordnen könne. Wie die Große Jugendkammer unter dem Vorsitz von Richterin Knott mit dem von Verteidigern bereits erhobenen Widerspruch zur Verwertung des Gutachtens umgeht, blieb zunächst offen.
Am Dienstag soll es im Prozess zum Fall Hemau erneut mit der Aussage des Ermittlungsrichters weitergehen, tags darauf sollen weitere Polizisten aussagen und am Donnerstag wird dann erneut der IT-Sachverständige angehört.