Mammut-Prozess um Mordversuch an Tankstelle in Hemau wird mühsame Suche nach der Wahrheit

Von André Baumgarten · 2. April 2025 um 19:00

Ermittler haben im Prozess um die als versuchter Mord angeklagte Attacke an einer Tankstelle in Hemau (Landkreis Regensburg) das Wort. Ein Standbild der Überwachungsvideos jener Nacht bringt eine Beamtin vor Gericht allerdings in Erklärungsnot.

Die Suche nach der Wahrheit gestaltet sich auch für die Justiz mitunter schwierig. Der Prozess gegen elf Männer, die sich wegen versuchten Mordes vor Gericht verantworten müssen, könnte als Paradebeispiel dafür dienen: Die Angeklagten sollen ein Brüderpaar am 6. November 2023 an einer Hemauer Tankstelle fast totgeprügelt haben. Worauf genau die Vorwürfe, auf die laut Gesetz lebenslängliche Haft steht, gründen, lässt sich aber auch an Tag acht nur erahnen. Der Mammut-Prozess wird zur Schlacht um zahllose Indizien.

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Was die Jugendkammer des Regensburger Landgerichts in dem Fall aufzuklären versucht, fasste die Kripo so zusammen: Weil sie einem Arbeitskollegen wohl eine Abreibung verpassen wollten, soll es an besagtem Abend zur ersten Konfrontation gekommen sein. Dabei sollen dem Mann zwei Bekannte beigesprungen sein – dann verabredete man sich telefonisch zu späterer Stunde wieder an der Tankstelle, wo dann offenbar die Waffen sprechen sollten. Davon geht die Staatsanwaltschaft aus.

Mit Eisenstangen und Baseballschlägern

Laut Anklage sollten die Helfer getötet werden, was laut dokumentierten Verletzungen der Brüder fast gelang. In drei Autos sollen die elf Männer angerückt sein, sich davor verabredet haben. Mit Eisenstange oder Baseballschlägern bewaffnet, sollen die Angeklagten brutal auf einen der Brüder eingeschlagen haben – als der andere Bruder helfend eingreifen wollte, auch auf diesen. Beiden landeten im Krankenhaus, trugen bleibende Schäden davon.

Nach nunmehr acht der bislang 34 geplanten Prozesstage in dem Fall wird die Beweisaufnahmen mehr und mehr zum Puzzle. Welche Einzelteile der akribischen Ermittlungsarbeit der Kripo gerade auf den Tisch gelegt werden, ist für Beobachter und wohl auch Zuhörer teils kaum nachzuvollziehen. Die Jugendkammer verifiziert Details, deren Kontext in der Gesamtbetrachtung der Attacke an der Hemauer Tankstelle aber immer wieder offen bleibt. Welchen konkreten Beitrag die jeweiligen Angeklagten zur Tat geleistet haben sollen, bleibt weiter völlig unklar.

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Mehrfach schickt Vorsitzende Richterin Knott den Aussagen von Ermittlern am Mittwoch voraus, dass man sie „recht punktuell vernehmen“ oder „nur zu bestimmten Einzelkomplexen“ befragen wolle. Wie beispielsweise zu mehreren Eisenstangen, die einst in der verlassenen Wohnung eines der Angeklagten oder im Auto eines weiteren sichergestellt wurden. Ob sich darauf Spuren zur Tat, zu den Geschädigten oder zu den Angeklagten fanden, wird nicht gesagt. Endlos lang werden Anruflisten, dann Versand- und Empfangsdaten zu Chats auf einem Handy verlesen. Was geschrieben wurde, wird später übersetzt, doch auch das lässt keine Rückschlüsse zu.

Keine Waffe in der Hand, sondern eine Spiegelung

Auch Videos der Tankstelle, auf denen zumindest einer der Angeklagten zu erkennen war, wurden am Mittwoch erneut Thema. Allerdings mit einem bemerkenswerten Detail: Ein Standbild, auf dem eine Ermittlerin einen länglichen Gegenstand erkannt haben will, stellt sich als falsch heraus. In Super-Zeitlupe sieht man, dass die vermeintliche Eisenstange in der linken Hand nur eine Spiegelung für Bruchteile von Sekunden sein könnte – just, als das Standbild erstellt wurde. Eingeordnet aber wird das nicht.

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Fest steht jedoch: Am 17. April wird der Mammut-Prozess am Landgericht fortgesetzt. Erneut soll dabei eine Vielzahl von Zeugen angehört werden. Terminiert ist das Verfahren bis in den Sommer hinein. Dafür verwandelt sich das Landgericht jeden Sitzungstag zu einem Hochsicherheitstrakt.