Mammut-Prozess um Attacke in Hemau: Ein Zeuge in der Psychiatrie, einer auf der Flucht

Begleiter der geschädigten Brüder hätten aussagen sollen, wen sie am 6. November 2023 sahen. Doch es kam anders: Der sechste Verhandlungstag um versuchten Mord an einer Tankstelle in Hemau endete nach wenigen Minuten.
Die geschädigten Brüder der als versuchter Mord angeklagten Attacke an einer Hemauer Tankstelle konnten keinen Angreifer identifizieren. Womöglich könnten das zwei Männer, die gestern hätten aussagen sollen. Doch dazu kam es nicht: Einer der beiden Zeugen ist in die USA geflüchtet, der andere in der Psychiatrie. Der Mammut-Prozess am Landgericht war nach gut 15 Minuten wieder vorbei – zuvor erhoben Verteidiger erneut Widerspruch.
Elf Männer, der jüngste gerade 19, der älteste 37 Jahre alt, stehen wegen versuchten Mordes in Regensburg vor Gericht. Am 6. November 2023 sollen sie mit Eisenstangen und Baseballschlägern auf zwei Brüder eingeschlagen haben. Auch, als die längst zu Boden gegangen waren. So steht es in der Anklage. Tatort war eine Tankstelle in Hemau, wo gut zwei Wochen später bei einer Razzia erste Verdächtige verhaftet worden waren. Einige weitere mussten aus dem osteuropäischen Ausland ausgeliefert werden.
Brüder bei Attacke lebensgefährlich verletzt
Die Angeklagten schweigen im Prozess bislang zu allen Vorwürfen. Durch Zeugenaussagen konnte die Jugendkammer rekonstruieren, dass der Auslöser für die beispiellose Eskalation der Gewalt fast nichtig erscheint: Es soll ein Streit um zu schnelles Fahren auf einem Firmengelände in Hemau gewesen sein, wo mehrere Angeklagte arbeiteten. Die Brüder, die teils lebensgefährlich verletzt wurden, hatten damit allerdings nichts zu tun. Sie kamen einem Bekannten zu Hilfe, dem womöglich eine Abreibung verpasst werden sollte.
Zum Treffen an der Tankstelle, für das man sich telefonisch verabredet hatte, kamen auch die Geschädigten nicht unvorbereitet. Wie die Männer, die bis heute unter den Folgen der Attacken leiden, als Zeugen angaben, warteten der Bekannten und ein Freund in sicherer Entfernung. Statt den anderen zu Hilfe zu kommen, liefen sie davon.
Das könnte Sie ebenfalls interessieren: Wilde Prügelorgie an Regensburger Jugendzentrum – Gericht hat Urteile verkündet
Strafverteidiger sehen Widersprüche in Aussagen der Brüder
Keiner der beiden konnte nun aussagen: Der Mann, den die Brüder schützen wollten, ist in die USA ausgereist und da als Flüchtling registriert. Er ließ laut der Richterin über seinen Bruder mitteilen, dass er nicht anreisen könne, weil er sonst in den Vereinigten Staaten seinen Status verliere. Der andere Mann könne laut seinen behandelnden Ärzten nicht aussagen. Er wurde ins BKH eingewiesen.
An Tag 6 im Mammut-Prozess um die Gewalttat an der Tankstelle gab es Kritik von den Strafverteidigern Prabhlin Sidhu und Dr. Johannes Makepeace. Sie sahen Widersprüche in den Aussagen der Brüder: Die hätten sich konkret auf eine Auseinandersetzung vorbereitet. Ein Messer mit Blutanhaftungen, das einer der beiden angeblich nur zum Pizzaschneiden genutzt haben will, könnte auch bei der Tat eingesetzt worden und danach zurück ins Auto gelegt worden sein, wo es sichergestellt wurde. Die Anwälte zogen den Tatverdacht gegen ihren Mandanten, den ältesten der elf Angeklagten, daher grundlegend in Zweifel.
Belasteten die Männer sich bei Polizei gegenseitig?
Eine Reaktion des Gerichts darauf gab es nicht. Die Vorsitzende Richterin vertagte den Prozess auf nächsten Montag. Dann sollen erneut Polizeibeamte und Ermittler zu Wort kommen – was womöglich etwas mehr Aufklärung bringen könnte, als Überwachungsvideos von den Tankstelle. Denn einige der Angeklagten hatte nach ihrer Festnahme wohl geplaudert.