Das Jahr 2024 in der Stadt Neumarkt und seine Schlagzeilen

Von Nicole Selendt · 27. Dezember 2024 um 11:00

Demonstrationen gegen Rechts, die Bauernproteste und ein neuer Hubschrauberlandeplatz: Das erste Halbjahr 2024 hat in Neumarkt viele spannende Schlagzeilen produziert. Die wichtigsten Nachrichten von Januar bis Juni.

Januar: Die Menschen treibt es auf die Straßen

Der Januar in Neumarkt steht im Zeichen des Protests. Hunderte Landwirte fahren mit ihren Traktoren durch Neumarkts Straßen und die Innenstadt und machen ihrem Ärger über die Sparpläne der Ampelregierung Luft.

Lautstark fallen auch die Proteste gegen die AfD und Rechtsextremismus aus, an denen sich in Neumarkt Menschen aller Altersgruppen, aller demokratischen Gruppierungen und Parteien und aller sozialen Schichten beteiligen. Ruhig ist es im Januar dagegen im Klinikum Neumarkt. Im Januar kündigt der Vorstand an, sich der Sorgen in der Belegschaft anzunehmen und verlorenes Vertrauen wieder zurückgewinnen zu wollen.

So viele Menschen sich bei den Protesten auf den Straßen Neumarkts zeigen, so ruhig wird es an einigen Tagen Mitte Januar, als der Winter Neumarkt mit voller Wucht trifft. Die Straßen sind so glatt, dass die Schulen für einen Tag auf Distanzunterricht umstellen und der Busverkehr für einige Stunden ausgesetzt werden muss.

Apropos öffentlicher Nahverkehr: Ebenso wie die Eisesglätte beeinträchtigen zwei Lokführerstreiks den Berufsverkehr. Kleiner Lichtblick: Agilis-Mitarbeiter beteiligen sich nicht an dem Streik, die Züge zwischen Neumarkt und Regensburg fahren weiter.

Februar: Unbequeme Entscheidungen und eine Bluttat

Der Februar hält für Freystadts dritten Bürgermeister Mathias Penkala keine guten Nachrichten bereit. Der Strafsenat des Oberlandesgerichts Nürnberg hat entschieden, das Hauptverfahren gegen den Lokalpolitiker wegen Betrugsverdachts bei Corona-Masken nun doch zuzulassen.

Der Stadtrat beschäftigt sich mit mehreren Großprojekten. So stimmt er erst der Erweiterung des Werks von Fuchs Europoles und umfangreichen Waldrodungen zu – die dann auch prompt Ende Februar abgeschlossen sind. Dann vermeldet das Bauamt, dass die Kosten für die Feuerwache doch wieder steigen. Der Grund: Das Gebäude braucht eine eigene Heizung und wird nicht – wie geplant – an eine Energiezentrale für mehrere Gebäude angeschlossen.

Zweimal sind rund 500 Haushalte im Stadtteil Woffenbach ohne Strom, die Kinderarztpraxen können sich aufgrund überdurchschnittlich vieler Influenzafälle vor Patienten kaum noch retten und eine Junge Tafel im Leb-mit-Laden wird gegründet. Ende Februar erschüttert ein Gewaltverbrechen das Dorf Pelchenhofen: Eine Frau wird schwer verletzt aufgefunden, als tatverdächtig gilt ihr Ehemann.

März: Blicke der Bürger richten sich gen Himmel

Der Plan der Regierung der Oberpfalz, in Neumarkt eine zentrale Flüchtlingsunterkunft im ehemaligen Europolesgebäude an der Ingolstädter Straße einzurichten, sorgt in Neumarkt für Stirnrunzeln. Im April werden die Pläne dann wieder einkassiert. Für Zähneknirschen sorgt auch die Ankündigung, dass in Neumarkt weitere Windräder entstehen sollen.

Mehr Freude bei den Neumarktern ruft da die Nachricht hervor, dass sich im Turm des Münsters ein Wanderfalkenpaar eingenistet hat. Lisa und Zacherl heißen die beiden Raubvögel und schnell wird über die Webcams in ihrem Nest klar: Sie sind guter Hoffnung. Lisa legt mehrere Eier.

Der März ist auch der Monat der Zahlenwerke: Die Feuerwehr Neumarkt legt ihre Bilanz für 2023 vor und vermeldet 600 Einsätze. Die Polizei legt die Verkehrs- und Kriminalitätsstatistik 2023 vor, die mehr Unfälle und mehr geklaute Räder als im Vorjahr verzeichnet, und die Stadt Neumarkt verabschiedet ihren Haushalt. Wenig überraschend: Es ist mit einem Volumen von 172 Millionen Euro erneut ein Rekord-Haushalt.

Nicht zum ersten Mal spricht ein Unbekannter ein Schulkind auf der Straße an, ein Umweltbeirat wird gegründet, die Vorbereitungen für die nächsten Passionsspiele 2029 beginnen und die Aktion Nette Toilette startet in der Innenstadt.

April: Verbrechen auf den Gleisen schockt Neumarkt

Ein Mann wird nicht weit vom Bahnhof in Neumarkt von einem Zug überrollt und schnell ist klar: Das war kein Unfall. Die Polizei verhaftet wenige Zeit später drei Männer, die kurz vor dem Unfall im Bereich der Gleise gesichtet worden sein sollen und den Mann auf die Gleise gelegt haben sollen. Die Ermittlungen zu dem Tötungsdelikt sollen Monate in Anspruch nehmen, an ihrem Ende steht eine Mordanklage. Neben dem Motiv geht es um die Frage: Hat der Mann noch gelebt, als er auf die Gleise gelegt worden ist oder war er schon tot?

Der April bietet mehr oder weniger tierische Neuigkeiten: Störche lassen sich auf den Dächern Neumarkts nieder, die Falkenfamilie im Münsterturm ist im Babyglück, Tierheimmitarbeiter finden halb erfrorene Katzenbabys vor der Eingangstüre – und die „Eule“-Orgel der evangelischen Christuskirche kehrt nach erfolgreicher Restaurierung wieder nach Neumarkt zurück.

Ein Social-Media-Video von einem Einkaufswagen-Diebstahl im Landkreis Neumarkt stellt sich als Werbekampagne einer Neumarkter Firma heraus und bei Pfleiderer gibt es Ärger: Einige Mitarbeiter sind offenbar mit dem von den Tarifpartnern ausgehandelten Haustarifvertrag nicht einverstanden.

Die Neumarkter Politik beschäftigt sich mit einem „autoarmen“ Entwurf für den neuen Stadtteil auf dem Flugfeld, beschließt den Neubau der Grundschule Woffenbach und die Zusammensetzung des neuen Umweltbeirats . Mittlerweile formiert sich auch in Holzheim mit einer weiteren Bürgerinitiative Widerstand gegen den geplanten Ausbau der B299.

Mai: Per Hubschrauber direkt in die Notaufnahme

Die Jugend soll in Neumarkt mehr in politische Entscheidungsprozesse eingebunden werden. Dafür geht die Stadt Neumarkt im Mai weitere Schritte und plant eine erste Jugendkonferenz, Ergebnisse von „digitalen Zukunftsnächten“ in Neumarkter Schulen werden präsentiert und eine neue Streetworkerin wird eingestellt. Eine Elterninitiative macht sich für zwei Montessorischulen in Postbauer-Heng und Neumarkt stark und stößt auf großes Interesse. Die schon traditionellen Feiern nach dem Schulabschluss am Böglweiher finden heuer kaum statt: Das Wetter ist zu schlecht.

Außerdem landet nach mehreren Monaten Bauzeit der erste Rettungshubschrauber auf dem Dach des Neumarkter Klinikums. Eigentlich hätte es zum Jahreswechsel schon soweit sein sollen. Jedoch hatten Lieferschwierigkeiten und ein Baumangel, durch den Kerosin hätte auslaufen können, die Inbetriebnahme um einige Monate verzögert.

Juni: Überschwemmungen und ein letztes Mal G8

Der Monat beginnt für viele Neumarkter nicht erfreulich. Schwere Unwetter und Regenfälle überfluten die Straßen und Keller. Zwar sind keine Verletzten zu beklagen und im Gegensatz zu anderen Regionen Bayerns kommt Neumarkt glimpflich davon. Viele Neumarkter sind dennoch verärgert. Denn während sie noch ihre vollgelaufenen Keller auspumpen, fragen sie sich, warum einige Regenrückhaltebecken im Stadtgebiet leer geblieben sind.

Der neue Oberbürgermeister hält seine erste Bürgerversammlung ab und neben Flüchtlingen in Neumarkt sind dort vor allem die Bahnhofstraße und das Stadtbussystem Thema. Für Letztere werden zeitnah im Juli und August Veränderungen angestoßen. In Neumarkt eröffnen der neue Eine-Welt-Laden mit dem Namen „Welt Winkel 360“ und das Queercafé „Sternchen“, was tausende positiver Reaktionen auf den Social-Media-Kanälen unseres Medienhauses hervorruft.

Negative Reaktionen dagegen erntet das Klinikum: mit einer geplanten Bettenreduzierung und dem Wegfall der Gehälter für Servicekräfte. Es sollte sich jedoch zeigen: Die Sache ist komplexer, als es auf den ersten Blick den Anschein hat.

Ende des Monats werden die G8-Jahrgänge der beiden Neumarkter Gymnasien verabschiedet. Das bedeutet: Im kommenden Schuljahr wird es keinen Abi-Jahrgang geben. Diejenigen, die dieses Jahr durchgefallen sind, können eine zweite Chance in Parsberg nutzen.

Der Hubschrauberlandeplatz auf dem Dach des Klinikums wird in Betrieb genommen. Foto: Oliver Schwindl
In Pelchenhofen kommt es zu einer Bluttat: Eine Frau wird schwer verletzt aufgefunden. Foto: vifogra/eberlein
Landwirte protestieren und legen für einige Zeit die Neumarkter Innenstadt lahm. Foto: Wolfgang Endlein
Im Turm des Münsters hat sich ein Falkenpaar eingenistet – und erwartet schon bald Nachwuchs. Foto: Schraml