700 hupende Traktoren: Wie der große Bauernprotest in Neumarkt ablief

Frostige Temperaturen, hitzige Stimmung: Landwirte brachten in Neumarkt ihren Unmut über die geplanten Kürzungen der Bundesregierung zum Ausdruck. Wie groß er ist, verdeutlichten die Bauern durch ihre schiere Zahl. Kolonnen von Traktoren rollten hupend in die Stadt. Die Sorge vor einem Verkehrschaos war groß.
Angemeldet hatten die Veranstalter aus Bauernverband, dem Verein Landwirtschaft verbindet (LSV) und der Arbeitsgemeinschaft für Ernährung Landwirtschaft und Forsten der CSU 300 Teilnehmer. Schon am Vormittag meldete die Polizei aber 700 Traktoren und Lastwagen, die sich gegen 8 Uhr von Velburg, Berching und Dietfurt aus zu einer Sternfahrt durch den Landkreis in Bewegung gesetzt hatten. Die Veranstalter sprachen von annähernd 1000 Teilnehmern. Neben Landwirten waren auch Transportunternehmer, Handwerker und andere Berufe unter den Teilnehmern.
Die Fahrt nach Neumarkt lief geordnet ab. Laut Polizei kam es zu keinen besonderen Vorkommnissen. In Neumarkt, wo die drei Konvois über die Nürnberger Straße beziehungsweise den Kurt-Romstöck-Ring den Volksfestplatz ansteuerten, kam es zu leichten Verkehrsbehinderungen. Von einem Chaos, das im Vorfeld teils befürchtet worden war, konnte keine Rede sein. Auch jenseits des Verkehrs hielten sich die Beeinträchtigungen beispielsweise bei Schulen in Grenzen.
Neumarkter Passanten äußern Verständnis für Bauern-Protest
Zwischen elf und 13 Uhr lag Dieselduft über der Stadt, als sukzessive Hunderte Traktoren und Lastwagen eintrafen. Unter lautem Hupen ging es zum Volksfestplatz. Neugierige Blicke von Passanten waren den Landwirten gewiss.
Unter ihnen waren Gudrun und Hans-Dieter Bethlehem. Sie äußerten Verständnis für die Bauern-Proteste: „Von ihnen bekommen wir unser Essen. Außerdem pflegen sie unsere Natur.“ Ein weiterer Zuschauer meinte: „Es müssten sie noch viel mehr Leute unterstützen“.
Hier wie später am Volksfestplatz war zu spüren, dass der Protest für viele Demonstranten weiter gefasst war, und über die teils von der Ampelkoalition bereits wieder rückgängig gemachten Kürzungen bei Steuervergünstigungen für Agrardiesel und Kfz-Steuer hinausging. „Die Ampel muss weg“, drückten diverse Plakate eine grundlegende Haltung unter etlichen Teilnehmern der Versammlung aus. Darunter auch solche, die beruflich nichts mit der Landwirtschaft zu tun haben.
Bauern bemängeln fehlende Wertschätzung
Bereits am Sonntag hatte es an anderer Stelle in Neumarkt eine Demonstration gegeben, die sich ebenfalls gegen die Politik der Ampelkoalition richtete. Beim Rathaus hatten sich rund 200 Menschen versammelt. Es kam zu keinen besonderen Vorkommnissen, wie die Polizei berichtete.
Auch am Tag danach war dies so auf dem Volksfestplatz. Alles blieb friedlich. An harschen Worten in Richtung Berlin fehlte es jedoch nicht. Der Kreisobmann des Bauernverbands, Michael Gruber, sprach von einer unsäglichen Bundesregierung. Er forderte die Kürzungen komplett zurückzunehmen. „Dann geben wir Ruhe.“
Mit der Diskussion über Agrardiesel und Kfz-Steuer sah der Bauernvertreter allerdings auch ein grundlegendes Thema verbunden: Es fehlt ihm die Wertschätzung für die Landwirtschaft. Es seien die Bauern, die eine stabile, regionale Versorgung mit Nahrungsmitteln gewährleisteten. Andere Redner wiesen auf die Leistungen der Landwirte beispielsweise bei der Landschaftspflege und dem Naturschutz hin.
FDP-Mann auf dem Neumarkter Volksfestplatz ausgebuht
All dies sehen viele Landwirte gefährdet, wie sie sich in ihrer Existenz bedroht sehen. Es gebe immer mehr Vorschriften und Auflagen in der Landwirtschaft. „Die schikanieren und drangsalieren uns“, sagte Landwirt Josef Seitz.
Sein Kollege Michael Gruber befürchtet, dass immer mehr der jungen Generationen nicht mehr die Betriebe übernehmen werden. Die Folge wäre aus seiner Sicht, dass Deutschland immer mehr Nahrungsmittel importieren müsste. Für den Klimaschutz wäre dies sicherlich auch nicht förderlich, argumentierte Gruber.
Die Landwirte fordern von der Politik eine Unterstützung, die es ihnen möglich mache, mit der internationalen Konkurrenz mithalten zu können. Stattdessen geschehe aktuell genau das Gegenteil. „Wenn sie uns nicht mehr haben wollen, sollen sie es doch einfach sagen“, sagte der BBV-Kreisobmann. Der Applaus war ihm sicher.
Buh-Rufe erhielt hingegen der einzige Politiker aus einer der Parteien der Ampelkoalition. FDP-Kreischef Sascha Renner wagte sich auf den Volksfestplatz. In seiner Rede reichte er den schwarzen Peter weiter an SPD und Grüne. „Wir sind es auch leid, hinter SPD und Grünen aufzuräumen“, sagte Renner. Er erklärte, dass die FDP an der Seite der Landwirte stehe und deren Arbeit wertschätze. Pfiffe und Buh-Rufe waren ihm dennoch gewiss. „Wenn Sie mich mit Eiern bewerfen wollen, ich gebe ein gutes Ziel ab“, nahm es Renner mit Humor.
Nach mehreren Stunden bei eisigen Temperaturen rückten die Landwirte dann einzeln oder in Gruppen ab. Auch hierbei verlief alles geordnet und es kam zu keinen größeren Beeinträchtigungen.







