Überschwemmungen in Pölling: Versagt das Schutzkonzept der Stadt Neumarkt?

Von Peter Romir · 8. Juli 2024 um 15:00

Versagt ein wichtiges Instrument beim Hochwasserschutz? Während der starken Regenfälle in den vergangenen Wochen in Neumarkt blieben die Regenrückhaltebecken bei Pölling leer – während die Straßen und Keller teilweise unter Wasser standen.

„Wozu haben wir dann diese großen Becken, die für teures Geld gebaut wurden – wenn sie bei einer Flut nicht zum Einsatz kommen?“, wundert sich FLitZ-Stadtrat Dieter Ries, der selbst in Pölling wohnt.

Tatsächlich musste die Freiwillige Feuerwehr Pölling in zwei Nächten im Juni insgesamt 16 Mal ausrücken: „Es hat schon früher Hochwasser gegeben“, sagt Kommandant Marcus Mertl. „Aber so viele Einsätze innerhalb von vier Wochen, das ist neu.“ Überschwemmte Straßen, geflutete Keller und nasse Treppenhäuser beschäftigten die Feuerwehrleute aus Pölling, Neumarkt, Stauf, Rittershof und Woffenbach in diesen zwei Nächten: „Von Abends um fünf bis in die Morgenstunden waren wir unterwegs“, erinnert sich Mertl. „Und das alles ehrenamtlich.“

Regenrückhaltebecken ungenutzt?

Dabei sollte die Stadt eigentlich gut vor Fluten geschützt sein: Acht Hochwasser-Becken mit insgesamt 100.000 Kubikmetern Stauraum, sowie 37 kleinere Regenrückhaltebecken und Ableitungs-Kanäle umgeben Neumarkt. Nun beobachteten Ries und andere Anwohner aber, dass verschiedene Becken während des Starkregens leer blieben. Warum? Laut Stadtbaumeister Matthias Seemann sind die beiden Becken am Höllbach und am Reiterbach gefüllt gewesen, das große Rückhaltebecken Flussgraben aber nicht – und zwar aus gutem Grund: „Es wurde für ein 100-jähriges Ereignis bemessen“, so Seemann. Deshalb springe es erst bei extremen Unwettern an.

Kein Jahrhundert- Ereignis

Nur für ein solches Ereignis, das statistisch einmal in 100 Jahren auftritt, seien die großen Becken geeignet. Wenn sie sich schon bei kleineren Regengüssen füllen würden, „könnten die darauf folgenden Wassermassen nicht mehr aufgenommen werden“, so Werner Schütt, Leiter des Umweltamtes der Stadt Neumarkt. Bei den Überschwemmungen in Pölling hätte es sich lediglich um „heftige, lokal begrenzte“ Regengüsse gehandelt, bei denen eigentlich der Maierbach ausreichend sein müsste, um das Wasser abzutransportieren.

Neumarkter Kanalisation ist veraltet

Dass es dennoch zu einer Überschwemmung kam, lag laut Schütt in diesem Fall an der Kanalisation: Einige Ausgänge hatte Gras verstopft, sie liefen voll und das Wasser kam aus den Gullideckeln nach oben. „Der Bau der Kanalisation begann im Jahre 1926“, sagt Schütt. Natürlich arbeite die Stadt daran, sie den jetzigen Gegebenheiten und dem Klimawandel anzupassen, „aber das ist eine Generationen-Aufgabe mit gigantischen Investitionen“. Überflutungen wie in Pölling und anderen Stadtteilen können deshalb aus Schütts Sicht immer wieder vorkommen: „Da gibt es keinen hundertprozentigen Schutz, denn wir sind nicht die Herren der Natur.“

Häuser vor Hochwasser schützen

Sinnvoll sei es daher, „dass Hausbesitzer ihre Gebäude einer genauen Prüfung hinsichtlich möglicher Überschwemmungen oder Überflutungen unterziehen“, sagt Schütt. Er empfiehlt dafür den „Leitfaden Starkregen“ des Bundesinstituts für Bau-, Stadt und Raumforschung, welcher auf der Internetseite www.bbsr.bund.de erhältlich ist.

„Heftiger, aber lokal begrenzter Regen“ Foto: Eva Gaupp
16 Einsätze wegen Hochwassers hatte die Freiwillige Feuerwehr Pölling im Juni zu bewältigen. Foto: Gaupp