Flut, Sturm, Dürre: Wie gut ist Neumarkt auf Umweltkatastrophen vorbereitet?

Überschwemmungen, Stürme, Trockenheit: Laut Untersuchungen des Deutschen Wetterdienstes werden extreme Naturphänomene sowohl häufiger, als auch heftiger. Ist Neumarkt wir bereit für den Fall einer Katastrophe?
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„Bayern ist hier auf sehr gutem Weg“, sagt Benedikt Aurbach, Ortsbeauftragter des Technischen Hilfswerks (THW) in Neumarkt. „Die Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Diensten hat sich in den letzten Jahren massiv verbessert.“
Tagelanger Einsatz
Neben dem THW sind es Feuerwehr, Polizei, Bundeswehr und die Rettungsdiensten, die im Notfall gemeinsam aktiv werden. „Die andern sind dabei die Sprinter, die schnell vor Ort helfen“, sagt Aurbach. „Wir sind die Langstreckenläufer. Bei uns gehen Einsätze oft über mehrere Tage.“
Und sie führen dabei nach ganz Deutschland. Damit das funktioniert, hat das THW ein System mit über 600 Ortsverbänden, die alle gleich ausgestattet sind: „Ich kann in Hamburg ein Fahrzeug öffnen und weiß genau, wo eine bestimmte Zange liegt“, sagt Aurbach. Zudem hat jeder Ortsverband einen eigenen Schwerpunkt, wie Elektronik, Brückenbau oder Rettungshunde. In Neumarkt ist es das schnelle Abpumpen großer Wassermengen, was zuletzt bei der Sturzflut in Kastl zum Einsatz kam. Aber auch bei der Flut im Ahrtal 2021 waren die Neumarkter tagelang vor Ort. Und das ehrenamtlich. Denn beim THW sind nur eine Handvoll Verwaltungskräfte fest angestellt. Der Rest hat „Retten als Hobby mit Mehrwert“, sagt Aurbach.
Landrat ist oberster Katastrophenschützer
Koordiniert und dokumentiert werden die Einsätze der Helfer vom Landratsamt aus. Dort werden auch Übungen geplant und langfristige Pläne entworfen, was in Notfällen zu tun ist. „Landrat Willibald Gailler ist der oberste Katastrophenschützer in Neumarkt“, sagt Stefan Berner, Leiter der Unteren Katastrophenschutzbehörde. „Er würde im Ernstfall eine Führungsgruppe mit etwa zehn Personen einrichten, welche die Helfer vor Ort anleitet.“
Aber was ist, wenn ein Unglück an einem Wochenende geschieht und die Verwaltung geschlossen hat? „Die Führungsgruppe kann im Ernstfall stets innerhalb von etwa zwei Stunden zusammenkommen“, sagt Berner. Das sei ausreichend, da Katastrophen in der Regel nicht von einem Augenblick auf den nächsten entstünden, sondern sich langsam entwickeln würden.
Wo beginnt die Katastrophe?
Wann genau ein Ereignis als Katastrophe gilt, ist dabei je nach Bundesland unterschiedlich. In Bayern ist es laut Gesetz „ein Geschehen, bei dem Leben oder Gesundheit einer Vielzahl von Menschen (...) gefährdet oder geschädigt werden“. Nach dieser Definition gab es im Landkreis Neumarkt bisher nur eine offizielle Katastrophe: Die Corona-Pandemie. Denn nur diese habe laut Berner langfristig zahllose Menschenleben bedroht. „Die Sturzflut in Kastl war dagegen keine Katastrophe, sondern lediglich ein koordinierungsbedürftiges Ereignis.“
Keine Bunker, keine Sirenen
Den Betroffenen mag das egal sein. Für die Helfer macht es aber einen Unterschied. Bei der Klärung der Zuständigkeiten – und bei der Abrechnung: „Einen Hubschrauber der Bundeswehr anzufordern kostet sehr viel Geld“, so Aurbach. „Im Katastrophenfall kommt er aber kostenlos.“ Denn Geld spielt natürlich auch beim Katastrophenschutz eine zentrale Rolle. In den letzten Jahren wurden viele Strukturen zurückgebaut, um Kosten zu sparen: Berner erzählt, dass Luftschutzbunker und Notkrankenhäuser im Landkreis geschlossen wurden. Auch Zivilschutzsirenen, welche die Bevölkerung zur Flucht aufrufen, gibt es keine mehr. Lediglich die Feuerwehr verwende noch Sirenen.
Zivilschutz soll gestärkt werden
Angesichts der zunehmenden Gefahren, sieht auch Aurbach den Abbau des Zivilschutzes kritisch. Er wünscht sich, dass das richtige Verhalten im Katastrophenfall Teil des Schulunterrichts würde, wie es in anderen Ländern der Fall sei: „Da geht es weder um Panikmache, noch um Weltuntergangsszenarien“, sagt er. „Sondern darum, bereit zu sein, statt den Kopf in den Sand zu stecken.“
Auch Amtsleiter Berner wünscht sich mehr Unterstützung. Immerhin kümmert sich seine Abteilung neben dem Katastrophenschutz auch um Jagdrecht, Fischerei und andere Aufgaben. Im Bayerischen Innenministerium ist man dennoch überzeugt, dass der Katastrophenschutz an den Landratsämtern gut aufgehoben ist: Dort seien eingespielte Teams, die über die nötigen Ortskenntnisse verfügen.

