Hoffen auf das erste Falkenbaby: Wanderfalkenpaar im Neumarkter Münster ist zurück

Von Josef Wittmann · 4. März 2024 um 15:00

Die Tauben haben es zuerst gemerkt: Der Münsterfalke und sein deutlich größeres Weibchen sind wieder da. Die beiden kurven zeitweise lautstark um den Turm und ihr künftiges Kinderzimmer oben in der Turmstube ist auch schon hergerichtet. Sogar mit Webcams, die zeigen, wie es bei „Falkens“ zugeht.

Auf der Homepage www.neumarkt.lbv.de des Landesbundes für Vogel- und Naturschutz sind schon viele Fotos zu sehen. Das ist besonders Hermann Dörfler zu verdanken. Er ist in der Kirchengasse aufgewachsen und hat später dort sozusagen am Fuß der Pfarrkirche St. Johannes gearbeitet und gelebt. Seine Kirche ist Hermann Dörfler wichtig. Und was ihm wichtig ist, dafür wird er sehr aktiv. Das war schon seinerzeit so, als der damalige Stadtpfarrer Kaspar Hirschbeck das Gotteshaus mit Bleiglasfenstern voller Motiven von Gott und der Welt in mystisches Licht getaucht hat.

Erste Brut wurde nichts

Hermann Dörfler hat dafür Spenden gesammelt. Als später vermeintliche Tierfreunde mit illegalem Füttern Tauben anlockten, hat er mit Freunden die Fassade gereinigt und die Simse mit Taubenschutz versehen. Und als dann im März 2022 Wanderfalken um den Turm kreisten, hat Hermann einen sicheren Platz für Ihre Nachkommen geschaffen.

Die Vögel haben nicht lange gezögert und sich bei ihrem „Vermieter“ mit einem nachhaltigen Beitrag zur Reduzierung der Taubenpopulation an der Kathedrale revanchiert, wie ein schönes Federbett im Kasten und Essensreste auf dem Pflaster beweisen. Nach kurzer Zeit lagen sogar Eier dort auf dem Kiesbett.

„Leider ist aus der ersten Brut nichts geworden“, bedauert Hubert Schraml. Der passionierte Tierfotograf ist ebenso wie Hermann Dörfler Mitglied bei der Neumarkter Kreisgruppe des Landesbundes für Vogelschutz. „Das ist aber nicht ungewöhnlich. Wir hoffen auf eine neue Brut im Jahr 2024.“ Und dieses Jahr sollen alle Interessierten weltweit die Gelegenheit bekommen, das komplette Brutgeschehen hautnah mitzuerleben.

Viele Spender beteiligt

Domkapitular Norbert Winner war von der Idee begeistert und hat zugestimmt und Hermann Dörfler hat einmal mehr seine zahlreichen Kontakte zu vielen Geschäfts- und Privatleuten in der Stadt genutzt. Viele haben sich speziell ihm zuliebe beteiligt, so dass nun das Falkennest für einige tausend Euro mit zwei professionellen Webcams ausgestattet wurde und die Tourismusmanager der Stadt haben die Glasfaserleitung der touristischen Webcam der Stadt für die Falkencam geöffnet – gerade noch rechtzeitig, bevor der Münsterfalke am 9.Februar zum ersten Mal in diesem Jahr wieder auf seinem Kirchturm landete und am Tag danach auch ins Objektiv drinnen im Brutkasten guckte.

Eine Woche später „hat uns dann auch ein anderer junger Wanderfalke besucht, der sich einfach mal umgesehen hat“, hat Hubert Schraml beobachtet. Im Gegensatz zum „quer-gestreiften Altvogel“ sei „der Junge längsgestreift gewesen“.

Neugierige Blicke nach oben

Hubert Schraml und Dörfler hoffen nun, dass es bald ein erstes Ei in dem Brutkasten zu bewundern gibt. Sie sind überzeugt, dass die neue Webcam wie andere ihrer Art auf dem Regensburger Rathaus oder der Nürnberger Burg eifrig angeklickt wird, denn „das Interesse der Neumarkter Bürger ist sehr groß, wie sich bei der bisherigen Beobachtung des Falkenkasten unten vor dem Pfarrhaus schon gezeigt hat“.

Bis vor wenigen Jahren hätten Wanderfalken zu den bedrohten Tieren gehört. Auch weil die wendigen Jäger gerne gefangen und an den einen oder anderen Scheich zur Beizjagd geschmuggelt worden seien.

Wanderfalken jagen im Flug: Das haben offenbar schon einige Tauben rund um das Münster schmerzlich erfahren müssen, wie die vielen Federn im Nest des Falkenpaares beweisen.