Zehntausend Teile: Eule-Orgel zieht wieder in die Neumarkter Christuskirche

Eine Orgel zusammenzubauen, ist wie ein Puzzle mit mehr als zehntausend Teilen. Seit Montag sind Mitarbeiter der Orgelbaufirma Eule aus Bautzen in der Christuskirche mit diesem Puzzle beschäftigt. Deshalb ist das Gotteshaus derzeit geschlossen. Doch die Arbeiten ermöglichen einen außergewöhnlichen Blick ins Innere der Orgel.
Über ein ausladendes Gerüst, das fast die Hälfte des Kirchenraums einnimmt, werden die Teile auf die Empore gezogen. Die andere Hälfte füllen Kisten und Kartons. „Wenn man eine Orgel zusammenbaut, gelten einfache Regeln wie bei einem Umzug“, lacht Orgelbauer Michael Heinrich. „Man braucht ein gutes Gedächtnis und muss die Kisten richtig beschriften.“
Orgelbauer brauchen besondere Hölzer für Eule-Orgel
Dass auf der Empore eine Orgel entsteht, erkennt ein Laie derzeit nur an den beiden Manualen mit den Tasten. Das Gehäuse ist ein Gewirr aus Stäben unterschiedlicher Länge und Breite. Michael Heinrich fügt gerade die Abstrakten ein. Sie verbinden die Tasten mit den Ventilen des Instruments. Die filigranen, etwa einen Meter langen Lamellen sind aus feinjähriger Fichte hergestellt.
„Das ist Holz mit sehr engen Jahresringen“, erklärt der Experte. Seile aus Metall würden sich je nach Temperatur zu sehr zusammenziehen oder ausdehnen und eigneten sich deshalb nicht. Fichten, die so langsam wachsen, stünden in nordischen, kalten Gefilden.
Bei solch einem komplexen System müssen die Orgelbauer exakt und millimetergenau arbeiten. Entsprechend wird sich der Aufbau der Orgel noch gut zwei Wochen hinziehen. Den Klang auszutarieren – Intonation genannt –, wird noch einmal etwa drei Wochen in Anspruch nehmen.
Drei bis vier neue Orgeln stelle die Firma Eule jedes Jahr her, sagt Jens Rudolph. Die gingen in die ganze Welt, von China bis Tel Aviv. Da spätestens nach 30 Jahren jede Orgel auch restauriert werden müsse – so wie das Neumarkter Instrument –, arbeiteten sie pro Jahr etwa an 14 Orgeln.
Rudolph ist eigentlich gelernter Zahntechniker. Ein Auge für Details braucht er auch für die „Königin der Instrumente“. Zum Beispiel, wenn er winzig feine Drähte anordnet, die später dafür sorgen, dass Dekanatskantorin Beatrice Höhn die Registratur bedienen kann. Diese erzeugt die verschiedenen Klangfarben innerhalb eines Musikstücks.
Beatrice Höhn freut sich auf Neustart in Neumarkt
Die Organistin ist schon sehr gespannt auf ihren alten, neuen Arbeitsplatz. „Nach drei Jahren ohne Orgel freue ich mich riesig. Für mich macht die Orgel die Christuskirche erst komplett.“ Weil sich die Akustik nach der Sanierung völlig verändert hat, wurden zuletzt noch Akustikplatten auf der Unterseite der Stühle montiert. Sie helfen, den Schall zu schlucken.
Doch wie die Orgel später klingen wird, darauf ist die Organistin und Kirchenmusikdirektorin schon sehr gespannt. Die Einweihung der Orgel im Rahmen eines feierlichen Gottesdiensts erfolgt am 21.April.
Bei einer Konzertreihe können die Neumarkter das generalüberholte Instrument hören: Von 8. bis 29.Mai gibt Organistin Beatrice Höhn mit anderen Musikern jeweils am Mittwochabend „Feierabend-Konzerte“. An Samstagen im Juni finden Matineen mit Führungen statt.







