Traurige Schicksale und grausame Taten: Diese Prozesse haben den Kreis Schwandorf bewegt

Eine Frau, die vom Ehemann vor den Augen der Kinder vergewaltigt wurde. Ein Sohn, der auf seine eigene Mutter mit einem Messer einstach. Oder ein Festival, das komplett aus dem Ruder lief: An den Gerichten in Schwandorf und Amberg wurden auch 2024 wieder aufsehenerregende Fälle verhandelt.
Falsche Atteste: Ärzte-Ehepaar kommt mit Bewährung davon
Einem Ärzte-Ehepaar aus dem Landkreis Schwandorf wurde vorgeworfen, falsche Atteste ausgestellt zu haben, um Patienten von der Impfpflicht und vom Tragen von Schutzmasken während der Corona-Pandemie zu befreien.
Nach 19 Verhandlungstagen wurde der Mann in erster Instanz zu zwei Jahren und vier Monaten Gefängnis und seine Frau zu einem Jahr und zehn Monaten hinter Gittern verurteilt. Dazu erhielten beide ein eingeschränktes Berufsverbot von drei Jahren. Dagegen legten sie Berufung ein – mit Erfolg. Im September 2024 wurde der Fall am Landgericht Amberg erneut verhandelt.
Das Urteil: ein Jahr und fünf Monate auf Bewährung für den Mann, ein Jahr und einen Monat auf Bewährung für die Frau. Zudem musste das Paar eine Geldauflage von 3000 Euro bezahlen. Ansonsten blieb es beim Urteil des Amtsgerichtes aus dem Juli 2023.
Schockierende Tat in Schwandorf – Mehr als neun Jahre Haft für Vergewaltiger
Es waren Szenen, die alleine beim Zuhören für Gänsehaut sorgten. Bis in den Januar 2024 hinein musste sich ein Mann aus Schwandorf vor dem Landgericht Amberg verantworten. Der Vorwurf: Er soll seine Ehefrau misshandelt und vor den Augen der Kinder vergewaltigt haben. Die Frau erlitte mehrere Brüche am Bein und Verletzungen im Intimbereich.
Der Ehemann schilderte von der Tatnacht am 6. Januar 2023 ein gänzlich anderes Bild. Immer wieder gab es Zweifel an seiner Version, aber auch an der des Opfers. Zwölf Verhandlungstage vergingen, bis das Gericht am 29. Januar 2024 schließlich ein Urteil fällte. Der Ehemann muss für neun Jahre und drei Monate ins Gefängnis.
Hund Lucky hatte im heißen Auto gelitten – Paar wollte Strafe nicht akzeptieren
Am 9. Juli 2023 wäre Hund Lucky beinahe gestorben. Er wurde am Parkplatz beim Movin’Ground am Steinberger See im Auto zurückgelassen – bei 36 Grad Außentemperatur. Der Vierbeiner war für längere Zeit allein im Auto, ohne Wasser, Nahrung und hinreichend Kühlung oder Luftzufuhr gewesen.
Letztendlich schlug die Polizei nach einem Hinweis die Scheibe ein und befreite den Hund aus dem Auto. Lucky war stark dehydriert und überlebte nur knapp. Die Besitzer wurden wegen quälerischer Tiermisshandlung in erster Instanz zu einer Geldstrafe zu je 70 Tagessätzen à 30 Euro, also 2100 Euro, verurteilt. Nachdem das Ehepaar gegen das Urteil Berufung eingelegt hatte, wurde der Fall im Oktober dieses Jahres erneut aufgerollt. Letztendlich wurde die Geldstrafe auf jeweils 1000 Euro abgemildert.
Gaza-Prozess: Ehemann hielt Familie in Kriegsgebiet fest:
Es war ein verzwickter Fall, mit dem sich das Landgericht Amberg im Oktober 2024 zu befassen hatte. Einem Geschäftsmann aus dem Landkreis Schwandorf wurde vorgeworfen, seine Frau und die drei gemeinsamen Kinder in seine ehemalige Heimat Gaza gelockt und dort festgehalten zu haben. Auch als dort der Krieg ausgebrochen war. Eine Vergewaltigung stand ebenfalls im Raum.
Es waren fünf lange Verhandlungstage. Letztendlich ging es um die Glaubwürdigkeit des Beschuldigten und des mutmaßlichen Opfers. Dutzende Dokumente wurden in die Beweisaufnahme eingeführt, Hunderte Chats wurden analysiert. Letzten Endes ging der Angeklagte, der bereits seit mehr als einem Jahr in U-Haft saß, auf ein Angebot des Gerichts ein. Er gestand, die Ausreise seiner Familie blockiert zu haben, und kam dafür wieder auf freien Fuß. Er wurde zu einer Freiheitsstrafe in Höhe von einem Jahr und acht Monaten, ausgesetzt auf Bewährung, verurteilt. Der Haftbefehl wurde aufgehoben.
Auf eigene Mutter eingestochen: 31-Jähriger musste in psychiatrische Klinik
Im Oktober 2023 kam es in einem Schwandorfer Eigenheim zu dramatischen Szenen: Ein 31-Jähriger, der an einer paranoiden Schizophrenie leidet, hatte einen psychotischen Schub. Die Mutter rief den Rettungsdienst, der ihren Sohn in eine Klinik bringen sollte. Als die Rettungskräfte eintrafen, ist die Situation eskaliert.
Plötzlich hatte der Beschuldigte zu einem Küchenmesser gegriffen und damit auf seine Mutter eingestochen. Diese erlitt Verletzungen im Bereich der Schulter und der Achsel. Daraufhin war der Notfallsanitäter eingeschritten. Er nahm dem 31-Jährigen das Messer ab und fixierte ihn bis zum Eintreffen der Polizei.
Die Staatsanwaltschaft erhob Anklage wegen versuchten Totschlags. Richterin Elke Escher sah das aber beim Prozess am Landgericht Amberg im April 2024 als nicht gegeben an. Der Beschuldigte habe sich in einem psychischen Ausnahmezustand befunden, argumentierte die Richterin.
Sie ordnete deshalb die Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik an. Der Beschuldigte könne wegen seiner schweren Schizophrenie strafrechtlich nicht belangt werden, so die Richterin.
Vergewaltigung bei Junggesellinnenabschied – Im Gerichtssaal flossen Tränen:
Ein Junggesellinnenabschied ist im Sommer 2023 am Steinberger See aus dem Ruder gelaufen. Ein 30-Jähriger aus dem Landkreis musste sich Ende August 2024 wegen Vergewaltigung vor dem Schöffengericht in Schwandorf verantworten. Der Vorwurf: Er hatte der 31-jährigen werdenden Braut einen Finger in den After geschoben.
Der Angeklagte gestand sofort. Er hatte mächtig Alkohol konsumiert, als er auf die Gruppe Frauen am Seeufer traf. Nach ersten gescheiterten Annäherungsversuchen kam es zur Tat. Als sich die 31-Jährige nach vorne beugte, fasste ihr der Angeklagte ans Gefäß und führte seinen Finger, mit dem Bikinihöschen dazwischen, in den After der Frau ein.
So berichtete es auch das Opfer vor Gericht. Die 31-Jährige weinte während ihrer Aussage. Das Gericht verurteilte den Mann schließlich zu einem Jahr und sechs Monaten auf Bewährung. Im Vorfeld wurde ein Täter-Opfer-Ausgleich in Höhe von 5000 Euro gezahlt.
Bombenbastler musste ins Gefängnis – ein Jahr und vier Monate Haft:
Der Angeklagte galt laut Staatsanwaltschaft als Drogensüchtiger. Im Oktober 2021 fanden Ermittler bei einer Durchsuchung in dessen Wohnung eine etwa zwölf Zentimeter lange Rohrbombe, die der Angeklagte gebaut hatte. Damit aber nicht genug: Der 26-Jährige soll gegenüber Ermittlern auch noch mit Sprengungen im Umfeld der Schwandorfer Polizeiwache und ihrer Beamten gedroht haben. Vom Amberger Amtsgericht wurde er zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten verurteilt.
Im April 2023 kam erneut Bewegung in den Fall. Denn der verurteilte Rohrbomben-Bauer bekam wieder Besuch von der Polizei. Die Beamten fanden erneut explosive Stoffe. Wieder wurde dem Mann aus dem Landkreis Schwandorf im Juni 2024 der Prozess gemacht, diesmal am Amtsgericht Schwandorf. Er wurde zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und vier Monaten verurteilt. Bewährung gab es dieses Mal nicht für ihn.
Mahagoni-Festival sorgte für Ärger – Veranstalter klagte gegen Bußgeldbescheid:
Das Mahagoni-Festival am Schwandorfer Klausensee sorgte 2022 für Schlagzeilen. Vom 18. bis zum 21. August feierten dort Hunderte Menschen zu elektronischer Musik – teils ausufernd. Die Polizei musste gleich mehrfach einschreiten. Es hagelte Bußgeldbescheide, die einer der Veranstalter nicht akzeptieren wollte. Deswegen kam es im Januar 2024 zum Prozess.
Mehrere Ordnungswidrigkeiten standen zur Debatte. Es ging unter anderem um Ruhestörungen oder einen Verstoß gegen das nächtliche Badeverbot. Die verhängten Bußgelder summierten sich auf insgesamt 3900 Euro. Der Kläger, ein 27-Jähriger aus Franken, räumte zwei der fünf Verstöße ein, widersprach aber in allen anderen Punkten. Auch Richterin Kathrin Rieger hielt nach der Beweisaufnahme nicht alle Punkte für nachweisbar und wählte letztendlich einen Mittelweg.
Sie sah drei Verstöße gegen die Auflagen der Stadt Schwandorf als gegeben an, halbierte aber jeweils das Bußgeld. Letztendlich reduzierte sich die Summe auf 1150 Euro.