Prostitution: Was Amberg schon hat, könnte auch in Schwandorf entstehen

Von Jan Lange · 12. Juni 2024 um 19:09

Sie nennen sich Nicole, Michaela oder Chrystal, kommen aus Osteuropa, Spanien oder den USA – die Prostituierten in der Welserstraße 4 in Amberg. Schon seit Jahren empfangen die Damen dort ihre Kunden – und in ähnlichen Räumen bald auch in Schwandorf?

Während der Flachbau mit der grünen Fassade in Amberg zu den etabliertesten Adressen des Rotlicht-Gewerbes in der beschaulichen Kleinstadt gehört, hat sich in Schwandorf noch kein fester Anlaufpunkt für Freier entwickelt. Theoretisch wäre das aber seit mehr als einem Jahr möglich. Seit Monaten liegt Schwandorfs Einwohnerzahl stabil über der 30.000er-Marke. Damit ist die Prostitution erlaubt – wenn auch mit Einschränkungen: Seit Dezember 2023 gibt es einen Sperrbezirk für sexuelle Dienstleistungen.

Gespräche mit potenziellen Betreibern habe es laut Stadt zwar gegeben, ein Bordell oder eine Modellwohnung sei bis heute aber noch nicht offiziell angemeldet worden.

Gelände ist mit Sichtschutz umzäunt

Wie sieht so eine Einrichtung eigentlich aus? Als Beispiel kann die Welserstraße 4 in Amberg dienen. Security oder einen Türsteher gibt es dort nicht. Jeder kann auf den mit einem Sichtschutz umzäunten Gelände parken. Von dort aus geht es direkt in Flure, die zu Zimmern führen. An den Türen hängen Fotos der Damen. Außerdem steht ihr Künstlername dort.

Die Freier können bei ihrer Wunschdame klingeln. Hat sie Zeit, treten sie in ein möbliertes Zimmer ein. Eine Couch, ein großes Bett, Parkettboden, dazu ein eigenes Bad – alles sauber, nicht schmuddelig. 600 Euro Miete sollen die Frauen hier für eine Woche zahlen, weiß ein Insider. Meistens gehen sie in den Zimmern nicht nur ihrer Arbeit nach. Sie wohnen auch hier.

Polizei klingelte am Blasturm

Obwohl es in Schwandorf noch kein derartiges Etablissement gibt, machen die Prostituierten keinen Bogen um die Stadt. Vor einigen Wochen hatte die Polizei eine Sexarbeiterin beim Blasturm hochgenommen. Sie bot ihre Dienste in einer Ferienwohnung innerhalb des Sperrbezirks an – was eine Ordnungswidrigkeit darstellt.

Illegale Prostituierte wurden auch schon in Amberg festgestellt, wie die zuständigen Ermittler der dortigen Kriminalpolizeiinspektion erklären. So habe eine Schwarzafrikanerin mit einem italienischen Aufenthaltstitel als Prostituierte gearbeitet. Da sie sich als Touristin in Deutschland aufhielt und keine Arbeitserlaubnis besaß, war diese Tätigkeit illegal. Derartige Verstöße stellen die Kriminalisten bei ihren Kontrollen in Amberg jedoch selten fest. Die meisten seien ordnungsgemäß angemeldet und halten sich legal in Deutschland auf, so ihre Erfahrung.

Zwischen 25 und 30 Prostituierte sind gleichzeitig tätig

Überprüft werden die Prostituierten regelmäßig. Möglichst einmal im Monat schauen die Ermittler bei ihnen vorbei. Das ist eine umfangreiche Aufgabe, denn zwischen 25 und 30 Sexarbeiterinnen bieten gleichzeitig ihre Dienste in Amberg an, so die Kripo-Beamten. Die kreisfreie Stadt gehört damit neben Regensburg zu den Rotlicht-Zentren in der Oberpfalz.

Der Großteil der Prostituierten stamme aus Ost- und Südosteuropa. „Früher waren mehr Russinnen da, heute kommen sie vor allem aus Rumänien und Bulgarien“, so die Erfahrung der Ermittler. Die Stadt Amberg ist damit keine Ausnahme: In ganz Bayern hatten Ende 2022 mehr als 40 Prozent der Prostituierten eine rumänische Staatsbürgerschaft. Nur 13Prozent waren Deutsche. Meist bleiben die Damen nicht länger als zwei Wochen an einem Ort. Einige der Sexarbeiterinnen verweilen auch länger, manchmal bis zu zwei Monate.

Bei den Kontrollen müssen die Prostituierten ihren Pass und eine gültige Anmeldebescheinigung vorlegen. Die Anmeldung werde in der Stadt beantragt, in der sie das erste Mal der Prostitution nachgehen, erklärt einer der Kriminalisten. Sie gelte dann für zwei bis drei Jahre für ganz Deutschland.

Vorlegen müssen die Prostituierten ebenfalls einen Gesundheitsnachweis. Der ist wichtig, um der Übertragung von Infektionskrankheiten vorzubeugen. Für die Freier gilt deshalb in der Welserstraße 4 in Amberg wie überall auch Kondompflicht. Nichtsdestotrotz fragen Kunden bei den Prostituierten immer wieder an, ob Sex ohne Kondom möglich ist. „Das kann ich nicht machen“, sagt eine der Damen, die gerade in der Welserstraße 4 ihre Dienste anbietet. Es würde den Ruf beschädigen – und von den Kolleginnen aus den Nachbarzimmern sicher auch nicht toleriert werden.

Mit Fake-Bildern werben

Die Amberger Ermittler überprüfen aber nicht nur die Prostituierten in der eigenen Stadt, sie sind auch für den Landkreis Schwandorf zuständig. Und hier wurde zuletzt nicht nur die illegale Sexarbeiterin am Weinberg festgestellt. Auch in Wackersdorf und in Pfreimd, wo die Prostitution generell verboten ist, waren Callgirls aufgeflogen.

Während in Schwandorf eine junge Rumänin verbotenerweise der Prostitution nachgegangen war, handelte es sich in den beiden anderen Fällen um Chinesinnen, die zudem gegen das Aufenthaltsgesetz verstoßen hatten.

In den vergangenen Wochen boten immer wieder Asiatinnen ihre Sexdienste in Schwandorf an – manchmal mehrere Damen gleichzeitig. Die Namen wechselten regelmäßig, die Annoncen auf einschlägigen Seiten im Internet ähnelten sich aber. In der Regel gaben sich die Prostituierten als junge Frauen aus.

Auch bei den Chinesinnen in Wackersdorf und Pfreimd war dies so. Laut der Polizei handelte es sich allerdings um eine 50-jährige beziehungsweise 51-jährige Prostituierte. Ob sich die aktuellen Damen ebenfalls deutlich jünger machen, ist bislang nicht bekannt. Allerdings sind die im Netz eingestellten Fotos auf den ersten Blick als Fake-Bilder zu erkennen.

Zu den etablierten Adressen in Amberg gehört die Welserstraße 4, wo die Sexarbeiterinnen in mehreren Appartements ihre Dienste anbieten. Foto: Jan Lange
Bei den Kontrollen muss unter anderem die Anmeldebescheinigung vorgelegt werden. Foto: Jan Lange
Es ist einer der bekanntesten Anlaufpunkte für Freier in Regensburg: das Eros-Center im Auweg im Osten der Domstadt. Foto: Jan Lange