Illegale Prostitution beim Schwandorfer Blasturm: Polizei stürmt Ferienwohnung

Polizeizugriff in Schwandorfs Rotlicht-Sperrbezirk: Beamte schnappten am Donnerstagabend in einer Ferienwohnung am Blasturm eine junge Prostituierte, die dort illegal ihre Dienste angeboten haben soll, sowie deren Begleiter. Die Handschellen klickten, kurz nachdem ein Freier verstohlen die Wohnung verlassen hatte.
Seit in der Großen Kreisstadt mehr als 30.000 Einwohner leben, ist käuflicher Sex nach der Verordnung über das Verbot der Prostitution der Bayerischen Staatsregierung per se erlaubt. Doch nicht überall. Eine von der Stadt erlassene Sperrbezirksverordnung regelt seit dem 1. Dezember 2023, dass das Anbieten von Sexdiensten unter anderem im Innenstadtbereich tabu ist. Zum Sperrbezirk gehören auch die Ferienwohnungen beim Blasturm.
Das wurde einer jungen Rumänin, 23 Jahre alt und wohnhaft im Landkreis Bernkastel-Wittlich in Rheinland-Pfalz, am Donnerstagabend zum Verhängnis. Auf einer einschlägig bekannten Internetseite soll sie eine Anzeige inklusive ihrer Handynummer geschaltet haben. Als Standort wurde Schwandorf genannt. Die genaue Adresse sei erst mitgeteilt worden, nachdem sich ein potenzieller Freier per WhatsApp bei ihr gemeldet hatte. In der Nachricht soll sie sodann auch ihre Preisliste verschickt haben. Der Einstieg für einen schlüpfrigen Besuch am Blasturm: 15Minuten Geschlechtsverkehr mit oraler Befriedigung, beides mit Kondom, für 50 Euro.
Ordnungsamt und Polizei schlugen am Donnerstagabend zu
Die Anzeige im Internet verbreitete sich offenbar schnell. Es ging am Donnerstagabend fast zu wie am Taubenschlag. Ein mutmaßlicher Freier parkte seinen Kombi mit Burglengenfelder Kennzeichen ungeniert direkt vor der Haustür, rauchte eine Zigarette, verschwand für zehn Minuten in der Wohnung und düste dann mit seinem Wagen wieder ab. Anders verhielt sich sein Nachfolger. Er wollte partout unerkannt bleiben, ging gebückt die Treppe hinauf und zog sich eine schwarze Kapuze tief ins Gesicht, ehe er hineinging.
Von dem regen Betrieb hatten wohl auch das Ordnungsamt und die Polizeiinspektion Schwandorf Wind bekommen. Teilweise mit zivilen Fahrzeugen näherten sie sich gegen 23Uhr dem Blasturm.
Und dann ging alles ganz schnell. Drei uniformierte Polizisten klingelten bei der verdächtigen Wohnung. Die junge Rumänin öffnete und schrie beim Anblick aus Angst. „Polizei, Polizei“, sagten die Beamten und versuchten, die Situation zu beruhigen. Nach ein paar Minuten kamen sie wieder aus der Wohnung. In Handschellen führten sie einen Mann zu einem Streifenwagen, die junge Frau folgte ebenfalls unter Polizeibegleitung.
Wie Polizeisprecher Michael Zaschka auf Anfrage bestätigte, fand man in der Wohnung „eindeutige Hinweise“, die für Prostitution sprechen. Die 23-Jährige müsse sich daher wegen einer Ordnungswidrigkeit nach dem Prostituiertenschutzgesetz verantworten. Der Mann, der zum Zeitpunkt des Zugriffs mit ihr in der Wohnung war und zunächst von der Polizei gefesselt wurde, ist nach MZ-Informationen wohl ihr Begleiter.
War es der Zuhälter?
Der 27-Jährige aus Frankfurt am Main, ebenfalls rumänischer Staatsangehöriger, wurde laut Polizeihauptkommissar Zaschka zur Identitätsfeststellung auf die Inspektion verbracht. „Es wird geprüft, ob sich ein Tatverdacht ergibt“, kündigte der Polizeisprecher an. Vor Ort hieß es zunächst, dass Zuhälterei im Raum stehen könnte.
Der Betreiber der Ferienwohnung, der sich bereits in der Vergangenheit mit schlüpfrigen Szenen in seinen Unterkünften konfrontiert sah, zeigte sich über das mutmaßliche Treiben seiner aktuellen Mieterin überrascht. Das Appartement sei über ein bekanntes Internetportal gebucht worden. Die Wohnung sei erst am Donnerstag bezogen worden. „Ich hatte bislang keinen persönlichen Kontakt zur Mieterin“, erklärte der Wohnungsinhaber am Freitagvormittag. Für wie lange die Unterkunft gebucht wurde, wollte der Betreiber nicht verraten. Die Wohnung sei jedoch für den kompletten Zeitraum bereits bezahlt worden und könne daher auch so lange genutzt werden.
Die Prostituierte am Blasturm war aber nicht die einzige, die am Donnerstagabend illegal ihre Dienste im Landkreis Schwandorf angeboten hat. Auch in Wackersdorf war laut Internetportal eine Frau aktiv. Ebenso verhielt es sich im Städtedreieck. Auch für diesen Bereich gab es eine Anzeige.
Im Gegensatz zu der Sexarbeiterin in Schwandorf soll sie ihre Dienste aber nicht in einer festen Wohnung offeriert haben. Vielmehr, so hieß es, soll sie nur zu Haus- und Hotelbesuchen bereit gewesen sein. Die Polizei hat wohl auch sie im Blick, verlautete aus Ermittlerkreisen.

