Immer wieder fliegen Prostituierte auf
Schwandorf scheint für Prostituierte eine gute Adresse zu sein. In steter Regelmäßigkeit werden Frauen und mitunter auch ihre mutmaßlichen Zuhälter angezeigt, die in der Großen Kreisstadt ihrem Gewerbe nachgehen. Zuletzt flog in der Nacht zum 22. Mai eine 21-Jährige auf, die ihre Dienste offenbar in einem Schwandorfer Hotel angeboten hatte. Ein Einzelfall ist das nicht.
Die Frau osteuropäischer Herkunft sei „nicht zum ersten Mal auffällig geworden“, erklärte auf Anfrage Franz-Xaver Michl, der stellvertretende Leiter der Polizeiinspektion Schwandorf. Im Rückblick sieht er „keine deutlich erkennbare Zunahme“, vor allem keinen Trend zu festen Organisationsstrukturen. Nach wie vor seien es „Einzelpersonen, die da auftreten“, sagte er.
Vorfälle haben sich zuletzt gehäuft
Rechtens ist das nicht. Denn laut Verordnung der Bayerischen Staatsregierung vom 1. Juni 1975 ist die käufliche Liebe in Kommunen bis zu 30.000 Einwohnern grundsätzlich untersagt – und noch hat Schwandorf diese Schwelle nicht erreicht. Ein Straftatbestand ist dann gegeben, wenn dem Verbot der Prostitution beharrlich zuwidergehandelt wird, sonst bleibt es bei einer Ordnungswidrigkeit.
In den vergangenen Monaten haben sich die Vorfälle um das Sex-Gewerbe in der Großen Kreisstadt auffallend gehäuft. Nur eine gute Woche vor dem Polizeieinsatz am 22. Mai gab es bereitseine ähnliche Aktion, bei der zwei Prostituierte und ihre mutmaßlichen Zuhälter in einer Ferienwohnung angetroffen wurden. Im August 2021 flogeine Wohnung in der Innenstadtals Liebesnest auf, Ende Juni boten zwei 26-jährige Frauen aus Schwandorf und Wackersdorf auf einer Erotikplattform im Internet ihre Sex-Dienste an. Zuvor wurdenan der Kantstraßeund in einer Ferienwohnung Verstöße gegen das Prostitutionsverbot aktenkundig.
Beim Landratsamt Schwandorf, das die Ordnungswidrigkeiten bearbeitet, scheint sich die Beobachtung zu bestätigen. Laut Landkreissprecher Hans Prechtl gingen im vergangenen Jahr 14 Verfahren wegen Verstoßes gegen das Prostitutionsverbot ein. In sechs Fällen handelte es sich nach seinen Angaben auch um Verstöße gegen dieCorona-Auflagen. Acht Verfahren seien abgeschlossen, sechs noch in der Bearbeitung. In einem Fall sei ein Bußgeldbescheid in Höhe von 1000 Euro erlassen worden, in sieben Fällen das Verfahren „wegen fehlender Beweismittel eingestellt“. Im Vergleich zu früher sieht Prechtl eine Häufung der Vorfälle. So habe es etwa 2015 und 2019 nur jeweils eine Anzeige gegeben, im Jahr 2020 zwei. Der Landkreissprecher geht jedoch davon aus, „dass insbesondere aufgrund der Corona-Beschränkungen der Bereich verstärkt kontrolliert wurde“.
Kein Freibrief für die Prostitution
Die Rechtslage in Schwandorf wird sich erst ändern, wenn die Große Kreisstadt dieSchwelle von 30.000 Einwohnernüberschritten hat. Aber auch dann wird das horizontale Gewerbe hier keinen Freibrief genießen. Ordnungsamtsleiter Stefan Schamberger, der von Amts wegen mit dem Thema befasst wäre, geht davon aus, dass die Stadt bei der Regierung der Oberpfalz Sperrbezirke beantragen würde, um Prostitution beispielsweise aus der Innenstadt zu verbannen.