Schandfleck in der Regensburger Altstadt soll „möglichst schnell“ weg – So einfach ist das aber nicht

Mitten in der Regensburger Altstadt hat sich ein Meer aus Flaschen aufgetan, flankiert von einem alten Sessel, einer Kommode und jeder Menge Müllsäcke. „Uiuiuiuiui“, entfährt es einer Frau, als sie am Montagnachmittag daran vorbeiradelt. Seit Wochen sammelt sich an den Glascontainern hinter dem Seyboth-Haus immer mehr Unrat an. Was ist da los?
Die zwei Straßenreiniger, die am Montag unweit des Schandflecks Pause machen, scheint der Müll nicht zu interessieren. Aus gutem Grund. Zuständig sind sie nicht. Nach einem Hilferuf vom Strohhalm will die Stadt jetzt trotzdem tätigt werden.
„Es sieht wirklich schlimm aus“, sagt Siegfried Pislor, der zweite Vorsitzende vom Strohhalm. Schon seit Monaten habe der Verein, der sich für hilfsbedürftige Menschen einsetzt, „seine liebe Not“ mit der Baustelle in der Keplerstraße. Erst seien wichtige Fahrradstellplätze für die Ehrenamtlichen weggefallen – „und jetzt verlagert sich das Müllproblem zum Strohhalm hin“.
Arbeiten an der Donauparallele in Regensburg: Zwei Baustellen gleichzeitig
Mit Baustelle meint Pislor nicht den Kanalneubau und die Umgestaltung am Weinmarkt, weshalb das vielbefahrene Eck der Donauparallele seit Ende Februar gesperrt ist. Ihm geht es um die Arbeiten am benachbarten Seyboth-Haus. Seit Ende 2024 wird das markante Gebäude mit dem halbrunden Bug saniert. 31 Wohnungen entstehen. Pislor zufolge sind die ersten Eigentümer bereits eingezogen – und haben teils Möbelverpackungen vor dem Haus liegen lassen. „Darauf haben wir die Stadt hingewiesen.“
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Besser ist es nicht geworden. Im Gegenteil. Seit Wochen sammelt sich an den Glascontainern immer mehr Müll an. Das hat jetzt aber doch mit der städtischen Baustelle zu tun. Aufgrund der Arbeiten könne die Altglas-Sammelstelle, um die sich die Firma Meindl für die Stadt kümmert, derzeit nicht angefahren werden, erklärt Stadtsprecherin Katrin Butz. Die Container seien vor Beginn der Bauarbeiten abgesperrt worden.

Die umliegenden Anwohner scheint das wenig gejuckt zu haben. Als die Container voll waren, haben sie ihre Flaschen einfach davor „entsorgt“. Das Absperrband ist verschwunden. Und nun? „Möglichst schnell“ sollen die Container Butz zufolge geleert werden und für die Dauer der Baustelle verschwinden. Da dafür eine Kabelbrücke entfernt werden müsse, könne sie nicht sagen, wann genau das passiert. Die Firma Meindl habe der Stadt zugesagt, mit einem kleineren Fahrzeug zumindest die vor den Containern abgestellten Flaschen abzuholen.
Müll in Regensburg: Das plant die neue Regierung – Hilft eine App?
Pislor sieht im zurückgelassenen Unrat ein gesamtgesellschaftliches Problem. „Die Leute entledigen sich des Mülls gerne da, wo er anfällt.“ Das sehe man auch an anderen Stellen in der Stadt. Einen guten Weg, damit umzugehen, hat er vergangene Woche im ZDF gesehen, weil Landrätin Tanja Schweiger bei Markus Lanz zu Gast war. Als es um Digitalisierung in den Kommunen ging, stellte Offenbachs Oberbürgermeister Felix Schwenke unter anderem die App der Stadt vor. Damit lassen sich auch Mängel melden, worauf die Verwaltung im Rahmen ihrer „48-Stunden-Dreck-Weg-Garantie“ reagiert. „Das wäre für Regensburg etwas tolles“, sagt Pislor.
Tatsächlich ist in der Koalitionsvereinbarung die Entwicklung einer Regensburg-App als „zentrale Plattform für Verwaltungsdienstleistungen, Information und Beteiligung“ festgehalten. Und auch beim Müll will die neue Stadtregierung durchgreifen. Hotspots sollen häufiger kontrolliert und problematische Containerstandorte gegebenenfalls verlagert werden. Wie und wann das umgesetzt wird: offen