Nach Insolvenzantrag: So soll es für das Schwarzer Kipferl weitergehen – „Wir versuchen alles“

Der Insolvenzantrag der Bäckerei Schwarzer sorgt in Regensburg für einen Schock. Inhaber Rudolf Weber spricht über die Gründe für die Schieflage seines Traditionsbetriebs. Er kündigt an: „Wir versuchen alles, dass es weitergeht.“ Rettet ein Investor das Schwarzer Kipferl?
Mit einem weißen Handtuch über der Schulter sitzt Rudolf Weber am Mittwochvormittag in seinem Büro. Größer als eine Abstellkammer ist es nicht, dafür günstig gelegen. Zwischen Backstube und Verkaufsraum, im Parterre des ehemaligen Wohnhauses von Albrecht Altdorfer, dem bedeutendsten Maler der Stadt. Webers nicht mehr ganz so weißes Polohemd zeugt von der Arbeit, die hinter ihm liegt. Seit 2 Uhr in der Nacht ist er im „Ersten Wiener Backhaus“ schon mit seiner eigenen, vielleicht sogar bekannteren Kunst beschäftigt. Den Schwarzer Kipferln. Ein Morgen wie immer. Doch heute ist es anders. Wie es ihm geht? „Schlecht natürlich.“
Am Dienstag hat die Nachricht die Runde gemacht, dass Weber einen Insolvenzantrag gestellt hat. 56 Jahre, nachdem Vater Erwin die 1895 in Cham gegründete und 1917 nach Regensburg umgezogene Bäckerei Schwarzer in der Oberen Bachgasse übernommen hat. „Die Umsätze sind runtergerauscht“, sagt der Bäckermeister.
Keine leichten Zeiten für kleine Bäckereien
Die Energiekosten explodiert, das Personal immer schwieriger zu finden, die Konkurrenz der Discounter mit ihren Billig-Backshops zu groß: Es ist bedrückend, was Weber zu erzählen hat. Und trotzdem dauert es keine fünf Minuten, bis er ins Schwärmen gerät. Da geht es ums Inventar, dessen Wert in den kommenden Wochen ermittelt wird. „Wir haben ein paar neue Geräte, aber auch alte Sachen“, leitet der 65-jährige ein – und landet schnell bei der Maschine, mit der die Kipferl vorportioniert werden. Die ist 43 Jahre alt und kommt von der Habämfa, der Halleschen Bäckereimaschinenfabrik in der DDR. „Elektromotor nie ausgefallen, keine Sicherung geschmissen. Die läuft. Da muss ich gleich klopfen“, sagt er und lässt mit seinen Knöcheln am Schreibtisch Taten folgen. „Jetzt müssen wir schauen, was das noch wert ist.“

Die Nachricht vom Insolvenzantrag der Schwarzer-Bäckerei hat in der Branche eingeschlagen wie eine Bombe. „Keiner kann es so richtig glauben“, sagt Stefan Kiendl, Obermeister der Bäckerinnung Regensburg-Kelheim. „Rudis Fall spiegelt all das wider, was für den Bäcker tödlich ist. Du kannst noch so gute Ware haben und noch so sehr Marke sein, es ist keine Garantie mehr fürs Überleben.“ Mit Marke meint Kiendl wieder das Kipferl, das als Bestandteil der Bratwurstsemmel der Wurstkuchl das erste ist, das viele Touristen von Regensburg zu schmecken bekommen.
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Die Probleme seiner Zunft sieht Kiendl wie Weber in den stark gestiegenen Energie- und Rohstoffpreisen, den Billig-Backwaren der Discounter und im Personalmangel. „Ob kleiner oder großer Bäcker, keiner bekommt Personal.“ Jährlich entlässt der Obermeister die Bäckerslehrlinge aus Stadt und Landkreis Regensburg sowie den Kreisen Cham und Kelheim (zusammen mehr als 600.000 Einwohner) in den Gesellenstand. Sechs Gesellen seien es das letzte Mal gewesen, darunter vier Zuwanderer. „Wenn wir sie nicht hätten, gäbe es gar keine Gesellen mehr“, sagt Kiendl.
Ich habe den Laden in Kumpfmühl als Chance gesehen. Die Umsätze sind auch nicht so. Aber wenn wir die Filiale nicht hätten, wären wir wahrscheinlich letztes Jahr schon hier gesessen.Rudolf Weber, Bäckermeister
Bäckermeister Weber hat vor drei Jahren auf den Personalmangel reagiert. Seitdem bleibt die Bäckerei montags geschlossen. „Es fehlt an allem: Bäcker, Verkäufer, Produktionshelfer“, sagte er seinerzeit zur MZ. Trotzdem eröffnete er im vergangenen Jahr seine erste Filiale in Kumpfmühl – als Reaktion auf weggefallene Abnehmer, wie Weber erklärt. Viele davon gibt es schlicht nicht mehr. Edeka Offenbeck in der Isarstraße hat Anfang 2024 aufgegeben, im Herbst des Jahres folgte der Delikatessen-Verkaufsstand Kruschwitz im Donau-Einkaufszentrum. „Auch der Metzger am Rennplatz war ein großer Abnehmer. Es waren so einige“, sagt Weber. „Ich habe den Laden in Kumpfmühl als Chance gesehen. Die Umsätze sind auch nicht so. Aber wenn wir die Filiale nicht hätten, wären wir wahrscheinlich letztes Jahr schon hier gesessen.“
Und jetzt? Der vorläufige Insolvenzverwalter, Dr. Hans-Peter Lehner, hat schon am Dienstag den Einstieg eines Investoren als mögliche Lösung offensiv angedeutet. Lehners Mitarbeiter, Rechtsanwalt Fabian Gerl, zeigt sich da zuversichtlich: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand die Schwarzer Kipferl aussterben lässt“, sagt er.
„Daheim sitzen will ich auch nicht“
Weber ist „eigentlich offen für alles“, sagt er. In welche Richtung es geht, kann er noch nicht sagen. „Ich hoffe, dass der Sohn weitermachen kann. Und ich helfe ihm natürlich“, sagt der 65-Jährige. „Ich bin nicht topfit, aber es geht. Daheim sitzen will ich auch nicht.“
Weber verspricht: „Wir versuchen alles, dass es weitergeht. Damit es an Weihnachten weiter Schwarzer Kipferl gibt.“