Schwarzer Tag fürs Schwarzer Kipferl: Traditionsbäckerei bleibt montags geschlossen

Von Jonas Raab · 18. April 2023 um 17:42

Montags gibt’s keine Kipferl mehr. Rudolf Weber sperrt die Regensburger Traditionsbäckerei Schwarzer in der Oberen Bachgasse künftig nur noch fünf Tage die Woche auf. Personalmangel lässt ihm keine andere Wahl.

„Es fehlt an allem: Bäcker, Verkäufer, Produktionshelfer“, sagt Weber. Um den Sechs-Tage-Betrieb aufrecht zu erhalten, brauche er mindestens zwei Leute mehr. „Besser wären drei.“ Montags nicht mehr zu backen, sei eine schwierige Entscheidung gewesen. „Wir haben seit Dezember überlegt“, erklärt der Bäckermeister.

Am Dienstagnachmittag herrscht reges Treiben in der Oberen Bachgasse. Kaum eine Minute steht die Glastür zum „Ersten Wiener Backhaus“ still – im Gegensatz zu den Kunden. Deren Blicke bleiben reihenweise an dem Zettel kleben, der neuerdings in der Tür hängt und auf den Ruhetag hinweist. „Die Großkunden sind nicht so begeistert“, sagt Weber. Die Reaktionen der Ladenkunden schwanken am Dienstag zwischen Verständnis und Bedauern. „Das tut mir Leid für die Kollegen. Aber ich kann die Entscheidung nachvollziehen“, sagt beispielsweise Harry Gröger, Inhaber des Trekkingladens unweit der Bäckerei Schwarzer, als er sich eine Breze holt.

Schwarzer Kipferl Regensburg: Bäckereien „spüren den Fachkräftemangel extrem“

Das Bäckerhandwerk hat seit Jahren mit Personalmangel zu kämpfen. „Die Lehrlinge werden immer weniger. Wir spüren den Fachkräftemangel extrem“, sagt Stefan Kiendl, Obermeister der Bäckerinnung Regensburg-Kelheim. „Der Beruf wird anscheinend immer uninteressanter, obwohl er so wichtig ist.“ Neben einem „Image-Problem“ führt Kiendl unzureichende Bezahlung im Handwerk als Grund an. „In der Industrie bekommt ein Auszubildender zum Teil das doppelte Gehalt“, sagt er.

Auch Weber sieht Industriebetriebe als größte Konkurrenz – im Werben um Nachwuchskräfte wie in der Lebensmittelproduktion an sich. „Wenn die kleinen Bäcker auf der Strecke bleiben, gibt es nur noch Industrieware“, sagt der Inhaber einer der letzten eigenständigen Bäckereien in Regensburg. Tatsächlich zählt die Handwerkskammer gerade einmal zehn registrierte Bäckerbetriebe im gesamten Stadtgebiet.

Regensburg: Bäckerei Schwarzer bleibt montags geschlossen – „Es bröckelt an allen Enden“

Personalmangel ist nicht das einzige Problem, mit dem Bäckereien aktuell kämpfen: „Es ist überall dasselbe Lied: Es bröckelt an allen Enden“, sagt Weber und spielt damit auf die exorbitant gestiegenen Kosten für Energie und Rohstoffe an. Wie viel Umsatz am Ruhetag auf der Strecke bleiben wird, weiß Weber nicht. „Ich hoffe, dass die anderen Tage das etwas kompensieren.“

Seit 123 Jahren backenWeber und seine Vorfahrentäglich frisch: Brote, Süßes und natürlich die Schwarzer Kipferl. Das gewürzte Kümmel-Brötchen aus Roggen- und Weizenmehl ist nicht nur in Regensburg in aller Munde.

Schwarzer Kipferl ist Kult: Bei Regensburger Touristen gefragt

Auch ein Paar aus Hessen deckt sich am Dienstagnachmittag damit ein. „Da ist die Bäckerei“, sagt die Frau zu ihrem Mann vor dem frühgotischen Albrecht-Altdorfer-Haus an der Ecke zur Augustinergasse. Den Tipp hätten sie bei einerStadtführungbekommen, erklärt sie wenig später mit einer Rohrnudel in der Hand. „Das ist noch traditionelle Handwerkskunst. Das schmeckt man“, meint ihr Mann. Dass die Bäckerei nun montags geschlossen bleibt, finden die beiden „in Ordnung“. Das sei nichts Ungewöhnliches.

Bäckermeister Rudolf Weber präsentiert seine berühmten Schwarzer Kipferl.