Drastische Personalnot: Beliebtes Delikatessen-Geschäft sperrt zu

Landspezialitäten Kruschwitz im Regensburger Donau-Einkaufszentrum zieht die Reißleine. Damit fehlen am Tag bis zu 500 Kunden in dem Shoppingcenter.
Gourmets werden es sehr bedauern: Landspezialitäten E. Kruschwitz im Donau-Einkaufszentrum schließt am Samstag nach mehr als einem halben Jahrhundert. Der Inhaberin Susanne Seiler bleibt wegen der großen Personalnot nichts anderes übrig. „Das ist schrecklich“, klagt die 36-Jährige. Für das DEZ ist es ebenfalls ein herber Schlag, denn das Geschäft zog täglich bis zu 500 Kunden an. Vor allem samstags und an den Spätnachmittagen sind die Leute Schlange gestanden für die belegten Schwarzer Kipferl, den Strudel, den Schwammerlsalat, das Lupburger Bauernbrot oder die Eintöpfe.
„Wir haben schon ganz lange zu wenig Personal“, sagt Susanne Seiler. Die Situation hat sich zugespitzt: Seit 2019 wechseln mehr Beschäftigte in den Ruhestand als neue nachkommen. Die zwei verbliebenen Vollzeitkräfte sind für längere Zeit erkrankt. „Die anderen schaffen das nicht.“ Deshalb öffnet das Geschäft seit der ersten Augustwoche nur noch bis 18 Uhr. Das DEZ verpflichtet die Einzelhändler jedoch, bis 20 Uhr da zu sein. Die fristlose Kündigung des Mietvertrags droht, wenn sich Kruschwitz nicht daran hält. Doch das gelingt Seiler mit dem kleinen Team nicht mehr. Die 36-Jährige beschäftigt 17 Mitarbeiter: im Verkauf, Lager, Büro, in der Küche und Produktion. Am Donnerstagmorgen haben sie vom Kruschwitz-Aus erfahren.
Opa nahm Idee aus USA mit
Susanne Seiler beteuert, sie zahle auch Einsteigern mehr als den Mindestlohn. Dennoch sei es unmöglich geworden, Verkäuferinnen zu finden. Weniger Personal bedeutet aber auch einen geringeren Umsatz. „Früher haben wir zu sechst verkauft, heute sind wir maximal zu zweit“, sagt sie. Die gestiegenen Kosten habe sie nicht vollkommen an die Kunden weitergeben können, „weil eh alles so teuer ist“.
Sie habe bis heute den Kredit nicht getilgt, den sie vor fünf Jahren für den Kauf des Delikatessengeschäfts von ihrer Tante aufgenommen hat. „Zuletzt war es ein Schrecken ohne Ende.“ Inzwischen hat sie auch zwei Kinder, den zweijährigen Simon und die achtmonatige Sarah, und kann nicht mehr jeden Tag stundenlang im Laden stehen. Die Geschäftsfrau sagt, ohne die tatkräftige Unterstützung ihrer Familie und ihres Mannes wäre es nicht möglich gewesen, das Geschäft zu betreiben.
Landspezialitäten E. Kruschwitz hat mit dem Donau-Einkaufszentrum am 14. September 1967 eröffnet. Genau 57 Jahre später ist nun Schluss. Die Idee für den Feinkosthandel hatte einst Seilers Großvater Ernst Kruschwitz. Er lernte das Konzept als US-Kriegsgefangener in den amerikanischen Einkaufszentren kennen. Oma Elisabeth gründete den Laden. Die Großeltern betrieben eine Geflügelzucht in Burglengenfeld und verkauften das Fleisch und zugekauftes Brot ab Hof. Als das DEZ gebaut wurde, beschloss der Opa: „Da gehen wir rein.“
Das erste Sortiment umfasste Eier, Enten, Gockerl und Suppenhühner. An Kirchweih und Weihnachten kamen Gänse hinzu, im Herbst Wild aus der eigenen Jagd und schließlich Holzofenbrot und schwarzgeräucherte Bauernbratwürste.
Da es anfangs kein Lager und keinen Kühlraum gab, räumte Elisabeth Kruschwitz jeden Abend die Verkaufstheke aus und nahm alles in ihrem VW Käfer mit zum Richthof in Burglengenfeld. Dafür wurden Beifahrer- und Rücksitz ausgebaut. Eine Holzplatte für die Waren kam rein. Später leistete sich das Ehepaar einen VW Variant, der mehr Platz bot.
Sortiment stets erweitert
Die Oma besuchte Feinkostkurse und erweiterte das Angebot mit Fleischpflanzerln, Zwetschgendatschi, Maultaschen, Blechkuchen und den Salaten. Ein Renner wurden die Schinkenkipferl mit geräuchertem Schweinebauch, die auch Busunternehmen und die Deutsche Bahn orderten.
Susanne Seiler bedauert es sehr, dass die Gespräche mit Metzgern in Stadt und Landkreis Regensburg nicht zu einer Nachfolgelösung geführt haben: „Alle haben nach reiflicher Überlegung besonders wegen der Personalproblematik abgelehnt.“
Sie dankt ihren treuen Kunden, die trotz aller Widrigkeiten und Wartezeiten immer freundlich geblieben seien. Und die Belegschaft sei mit Gold nicht aufzuwiegen.
