Ein Regensburger Original in Schieflage: Bäckerei Schwarzer stellt Insolvenzantrag

Von Jonas Raab · 3. März 2026 um 16:42

Das Regensburger Kipferl steht vor einer ungewissen Zukunft. Die Bäckerei Schwarzer hat einen Insolvenzantrag gestellt. Wie geht es weiter mit dem Traditionsbetrieb, der als letzter seiner Zunft noch im Stadtgebiet produziert?

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Die Geschichte der Bäckerei reicht nicht weniger weit als bis ins Jahr 1895 zurück. Seit 1917 befinden sich Backstube und Verkaufsladen im frühgotischen Albrecht-Altdorfer-Haus in der Oberen Bachgasse, Ecke Augustinergasse. Hier hielt die Bäckerfamilie Weber die Handwerkstradition stets hoch. Heutzutage eine Seltenheit. „Die Industrie übernimmt“, sagte Juniorchef Michael Weber vergangenen Herbst zur MZ.

Am Freitag stellte sein Vater, Rudolf Weber, einen Insolvenzantrag. Das geht aus einer Pressemitteilung von Rechtsanwalt Dr. Hans-Peter Lehner hervor, der zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt wurde. „Schwarzer Kipferln gehören für mich ebenso wie der Händlmaier Senf und die Bratwürste aus der Wurstkuchl zum kulinarischen Erbe der Stadt“, wird der Fachanwalt für Insolvenz- und Arbeitsrecht zitiert.

Kruschwitz-Aus macht dem Regensburger Kipferl das Leben schwer

Als Gründe für die Schieflage nennt Lehner den Verlust des Delikatessen-Verkaufsstands Kruschwitz im Donau-Einkaufszentrum – neben der Wurstkuchl der größte Kipferl-Abnehmer – sowie gestiegene Personal- und Energiekosten. Vor drei Jahren stellte die Bäckerei wegen Personalmangels auf eine Fünftagewoche um, vor einem knappen Jahr eröffnete sie eine zweite Filiale in Kumpfmühl.

Die Belegschaft – laut Lehner beschäftigt Weber rund 20 Mitarbeiter – sei am Dienstag über den Insolvenzantrag und das von der Agentur für Arbeit gewährte Insolvenzgeld informiert worden. Die Angestellten sei bis Ende April abgesichert. Fabian Gerl, Rechtsanwalt in Lehners Kanzlei, berichtet von einer „konstruktiven Stimmung“ bei der Mitarbeiterversammlung. „Voraussichtlich in einer Woche kann der Februarlohn ausgezahlt werden“, kündigt er an. Rückstände bei Lieferanten seien bislang nicht bekannt. Weber habe den Insolvenzantrag „vorbildlich zeitnah“ gestellt.

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Nun habe das Unternehmen Lehners Pressemitteilung zufolge die Möglichkeit, sich neu zu organisieren – „beziehungsweise im konkreten Fall auch einen Übergang auf einen Investor vorzubereiten“. Auch eine interne Lösung innerhalb der Familie Weber könne in Betracht kommen, sagt Gerl. „Wir halten die Augen und Ohren in alle Richtungen offen“, verspricht er. Der Rechtsanwalt zeigt sich zuversichtlich: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand die Schwarzer Kipferl aussterben lässt.“ Rudolf Weber war am Dienstagnachmittag nicht für eine Stellungnahme erreichbar.