Kampf um Schwandorfer Bauland: Investor zürnt – Stadträte lehnten seinen Millionenplan ab

Von Jan Lange · 5. März 2026 um 05:00

Christian Nieschlag sucht nach Erklärungen: Der Investor aus dem Raum Bamberg wollte mit seiner ENS Ventures Holding der Stadt Schwandorf ein Grundstück abkaufen und daraus ein Baugebiet mit 25 Parzellen machen. Doch seine Pläne wurden vom Stadtrat hinter verschlossener Tür abgelehnt – aus mehreren Gründen, wie die MZ erfuhr.

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Entstehen sollte das Bauland in Ettmannsdorf. Östlich der Straße Buchleite wollte Nieschlag auf einem etwas höher gelegenen Gelände Dutzende Parzellen erschließen lassen. Der Plan ist nicht neu: Die Stadt Schwandorf sicherte sich vor einigen Jahren das gut 2,5 Hektar große Areal, um hier das Baugebiet „Vogelherd II“ zu entwickeln.

Doch daraus wurde nichts. Zuletzt beschäftigte sich der Planungs- und Umweltausschuss im November 2024 mit dem Thema. Damals sprach sich bekanntlich die Mehrheit gegen eine eigenständige Erschließung durch die Stadt aus, weil die Kosten dafür zu hoch seien. Die Summe, die Schwandorf für den Kauf des Geländes ausgegeben hatte, sahen Stadträte daher als „in den Sand gesetzt“ an.

Genau das wollte Christian Nieschlag, der im „Team Bamberg“ mit dem Schwandorfer Unternehmer Matthias Simmel zusammenarbeitet, ändern. Er habe der Stadt 1,1 Millionen Euro für den Kauf des Areals angeboten, sagt er. Die Erschließung des neuen Baugebietes sollte eigenwirtschaftlich von seinem Unternehmen übernommen werden. Der Erwerb der Flächen sollte nach den Worten des Investors über einen Optionsvertrag geregelt werden. Das sei in seiner Branche üblich, meint Nieschlag.

Die Stadtspitze war von den Plänen angetan

Bei Vorgesprächen mit der Stadtspitze sei das Vorhaben wohlwollend aufgenommen worden, berichtet der Geschäftsmann. Optimistisch habe er deshalb dem Hauptausschuss entgegengeblickt, der sich im November 2025 in nichtöffentlicher Sitzung mit dem Kaufangebot beschäftigte.

Die Hoffnung des Investors wurde aber zerstört. Mehrheitlich habe der Ausschuss das Angebot abgelehnt. Wie Nieschlag erfuhr, hätten acht Stadträte dagegen gestimmt, nur zwei dafür.

Wenn uns die Stadt einen Sachgrund liefert, der verwaltungsrechtlich standhält, dann müssen wir das akzeptieren.Christian Nieschlag, Investor aus dem Raum Bamberg

Schwandorfs Pressesprecher Andreas Hofmeister bestätigt das Angebot, macht darüber hinaus aber keine weiteren Angaben – mit dem Hinweis auf die Nichtöffentlichkeit der Ausschusssitzung.

Wie die MZ aus Stadtratskreisen erfuhr, gab es mehrere Gründe für die Ablehnung. So sei argumentiert worden, dass, wenn das Grundstück verkauft werde, es zunächst auch ausgeschrieben werden müsse. Ein weiteres Argument sei der niedrige Angebotspreis für das Areal gewesen. Zudem gebe es die Position, dass die Stadt Baugebiete nur selber entwickle.

Diese Gründe wurden ihm so nicht mitgeteilt, bedauert Nieschlag. Er wolle den Stadträten nicht das Recht absprechen, Projekte zu bewerten und abzulehnen. „Wenn uns die Stadt einen Sachgrund liefert, der verwaltungsrechtlich standhält, dann müssen wir das akzeptieren“, sagt er.

Für einen Stadtrat ist die Sache derweil glasklar. Er betont gegenüber der MZ, dass es keinen Anspruch gebe, ein Grundstück von der Stadt kaufen zu können. Wenn sich der Stadtrat gegen einen Verkauf entscheide, dann sei das eben so. Die im Ausschuss angeführten Gründe hätte man dem potenziellen Käufer aber mitteilen können, findet der Kommunalpolitiker.

Es gibt keinen Anspruch, von der Stadt ein Grundstück kaufen zu können.Ein Schwandorfer Stadtrat über die Kritik des ENS-Geschäftsführers

Andere Stadträte sind sogar der Meinung, dass man von der Maßgabe, Baugebiete nur selber zu entwickeln, eine Ausnahme hätte machen können. Schließlich habe die Stadt das Gelände für eine große Summe erworben. Mit dem Verkauf wäre man möglicherweise mit einer schwarzen Null aus der Sache rausgekommen, so die Meinung eines anderen Stadtrates.

Durfte der Hauptausschuss überhaupt entscheiden?

Christian Nieschlag wundert sich über die Ablehnung auch aus einem anderen Grund: Der Hauptausschuss dürfe laut seinen Kenntnissen derart finanziell weitreichende Beschlüsse gar nicht fassen. Tatsächlich ist in der Geschäftsordnung des Stadtrates geregelt, dass der Hauptausschuss über die Veräußerung von Grundstücken bis zu einem Geschäftswert von 500 000 Euro entscheiden darf. Da er aber 1,1 Millionen Euro angeboten habe, hätte die Entscheidung im Stadtrat fallen müssen, findet Nieschlag.

Auf die Frage, ob die Entscheidung nachträglich noch dem Stadtrat zum Beschluss vorgelegt werde, gab es vom städtischen Pressesprecher keine Antwort.

Neben der Ablehnung vonseiten des Stadtrates hatten in der Vergangenheit auch Anwohner Bedenken gegen das Baugebiet Vogelherd II geäußert. So hatten Bewohner der Knappenstraße befürchtet, dass es aufgrund von Erdarbeiten auf dem oberen Plateau zu Sandsteinabbrüchen kommen könnte, die auf ihren Grundstücken Schäden anrichten würden. Auch zu Überflutungen könnte es nach der Fällung der Bäume an der Felskante kommen, so eine weitere Befürchtung der Anwohner.

Auf dem Areal sollen keine Luxuswohnungen entstehen

Auch mit diesen Punkten habe man sich beschäftigt, versichert Nieschlag. Direkt an der Felskante sollen keine Bäume gefällt, sondern der dortige Bewuchs erhalten werden. Zudem wolle man für eine extensive Begrünung im gesamten Wohngebiet sorgen. Die Felsen sollen außerdem gesichert werden.

Nieschlag ärgert ebenso der Vorwurf, in seinem Baugebiet würden nur Luxuswohnungen entstehen. Der Quadratmeterpreis würde mit 280 bis 300 Euro zwar höher sein als in anderen Baugebieten, aber dabei handele es sich nicht um überhöhte Preise, findet Nieschlag. Im Baugebiet Lena in Maxhütte-Haidhof wird zum Beispiel für die freien Flächen ein Quadratmeterpreis von mehr als 430 Euro aufgerufen.