Neuer Chefarzt vom Schwandorfer St. Barbara Krankenhaus: „Erste Wochen waren sehr intensiv“

Von Vanessa Ebert · 20. Februar 2026 um 05:00

Seit Januar liegt die Leitung der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie am Krankenhaus St. Barbara Schwandorf in neuen Händen. Dr. Simon Rieder führt nun die Abteilung, die Anlaufpunkt für Patienten aus dem gesamten Landkreis mit unterschiedlichen chirurgischen Krankheitsbildern ist. Der 44-Jährige, der zuvor als Leitender Oberarzt in Halle wirkte, will den Einsatz von minimal invasiven Techniken weiter fördern.

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Herr Dr. Rieder, Sie haben das Krankenhaus und Ihre Abteilung in den vergangenen Wochen sicher schon gut kennenlernen können. Welchen Eindruck haben Sie von Ihrem neuen Wirkungskreis?

Dr. Simon Rieder: Ich habe hier sehr familiäre Strukturen vorgefunden und bin auf offene Ohren gestoßen, das vereinfacht den Start. Mein Vorgänger (Anmerkung der Redaktion: Dr. Detlef Schoenen ging im Dezember in den Ruhestand) hat die Abteilung über Jahre hinweg sehr gut etabliert und dabei zahlreiche Verfahren entwickelt. Daher übernehme ich eine Abteilung, die gut dasteht. Die Devise heißt also eher Evolution als Revolution. Dennoch – das ist ein üblicher Prozess – wird es auch Veränderungen geben.

Welche Ziele haben Sie sich dabei gesteckt?

Rieder: Wir wollen auf jeden Fall weiterhin eine Breite an Verfahren anbieten und uns auch in Richtung minimal invasiver Chirurgie weiterentwickeln. Geplant ist zum Beispiel die Anschaffung eines modernen Laparoskopieturms, also eines Bildgebungssystems mit höherer Auflösung für die minimal invasive Chirurgie. Wir wollen auch Behandlungskonzepte weiterentwickeln, die bei Patienten nach Darmkrebs-Operationen einen schnelleren Kostaufbau ermöglichen. Das heißt, in Kombination mit minimal invasiven Verfahren kommen die Patienten somit wieder schneller auf die Beine.

Sie sprechen die minimal invasive Chirurgie an. Haben Sie als Facharzt für Viszeralchirurgie mit den Zusatzbezeichnungen Notfallmedizin, Proktologie und spezielle Viszeralchirurgie auf diesem Gebiet eine besondere Expertise?

Dr. Rieder: Es ist richtig, dass ich auf diesem Gebiet viel Erfahrung sammeln konnte. In Halle war ich an verschiedenen Krankenhäusern als Oberarzt und als Leitender Oberarzt tätig. Unter anderem war ich Senior-Operateur am zertifizierten Darmkrebszentrum.

Mit welchen Patienten bzw. Krankheitsbildern haben Sie es am Krankenhaus St. Barbara zu tun?

Dr. Rieder: Wir kümmern uns hier um die Grund- und Regelversorgung für die Stadt Schwandorf und den Landkreis, das bringt ganz unterschiedliche Krankheitsbilder mit sich. Da ist zum einen das gesamte Notfallspektrum, das vom Blinddarm bis hin zum Magendurchbruch reicht. Eine Rolle spielt wegen der Nähe zur Autobahn auch die Polytraumaversorgung, also die Behandlung von Patienten mit lebensbedrohlichen Verletzungen mehrerer Körperregionen. Daneben sind wir spezialisiert auf die Hauptschwerpunkte der Koloproktologie einschließlich Darmkrebsoperationen, Hernien und Schilddrüsenchirurgie sowie Gallenblasenentfernungen. Aus fachlicher Sicht ist eine solche breite Aufstellung natürlich besonders spannend.

Wie können wir uns Ihren Alltag vorstellen?

Dr. Rieder: Im Moment lerne ich noch die Kollegen und Abläufe kennen. Operiert habe ich aber natürlich von Anfang an, die Geräte und Abläufe im OP sind ja nicht anders als zuvor. Generell nimmt im Alltag der Kontakt mit dem Patienten viel Raum ein. Das ist auch wichtig, um die Patienten und ihren Fall kennenzulernen und Vertrauen aufzubauen. Chirurgie bedeutet eben auch, zu entscheiden, ob man nun operieren muss oder nicht. Dabei muss nicht jeder auf den OP-Tisch. Wir möchten im übrigen unsere Sprechstunden bald ausweiten und diese dann täglich anbieten.

Wie Sie sagen, ist Ihnen der Kontakt zum Patienten besonders wichtig. Sind Sie deshalb Arzt geworden?

Dr. Rieder: Ja, das ist richtig. Nach dem Abitur hatte ich zunächst vor, in die medizinische Forschung zu gehen. Zwischen Bundeswehr und Studium absolvierte ich mein erstes Krankenpflegepraktikum und hatte damals auch das erste Mal echten Patientenkontakt. Da habe ich gemerkt, wie viel Spaß mir das macht. Die Chirurgie hat sich dann im Laufe des Studiums herauskristallisiert.

Generell – das ist nicht nur in Schwandorf so – sind im Gesundheitssystem große Herausforderungen zu lösen. Was beschäftigt Sie dabei am meisten?

Dr. Rieder: Uns beschäftigt das Bestreben der Politik, den ambulanten Bereich zu stärken. Das ist für uns als Krankenhaus schon eine besondere Herausforderung. Junge und gesunde Menschen können durchaus, wenn sie es auch möchten, ambulant versorgt werden. Das muss im Einzelfall gemeinsam mit dem Patienten besprochen werden. Gleichzeitig müssen aber auch die entsprechende Nachsorge gewährleistet sowie die Strukturen der Notaufnahme gut ausgebaut sein. Das ist hier in Schwandorf der Fall. Die sogenannte Ambulantisierung hat aber auch Grenzen: Der 85-Jährige mit Leistenbruch kann nur stationär versorgt werden.

Bei all den vielfältigen anstehenden Aufgaben: Wie sorgen Sie in der Freizeit für Ausgleich?

Dr. Rieder: Ich bin gern in der Natur, genieße Wanderungen und Spaziergänge mit meiner Frau und meiner Tochter.

Sie lebten zuletzt mit Ihrer Familie in Halle. Ist Ihnen der Umzug in die Region schwergefallen?

Dr. Rieder: Für meine Frau und mich war schon immer klar, dass wir wieder in Richtung Bayern ziehen möchten. Ich bin ursprünglich Karlsruher und habe vor meiner Zeit in Halle auch andere Stationen, unter anderem in München, durchlaufen. Schön ist, dass wir nun auch die Schwiegereltern in der Nähe haben, die in Franken wohnen.

Haben Sie auch schon erste Eindrücke in Ihrer neuen Heimat sammeln können?

Dr. Rieder: Die Stadt habe ich mir natürlich schon angeschaut. Bisher lag aber der Fokus auf dem Umzug und dem Start hier am Krankenhaus. Gerade die ersten Wochen sind sehr intensiv. Pläne habe ich mit meiner Familie aber schon. Wenn die ersten Sonnenstrahlen kommen, steht auf jeden Fall auf ein Besuch im Seengebiet an. Und besonders freue ich mich auch darauf, den Tierpark Höllohe mit unserer kleine Tochter zu entdecken.