Angst vor Felsabbrüchen und Überflutungen: Anwohner kritisieren neues Baugebiet in Schwandorf

Dass in Schwandorf neue Baugebiete erschlossen und freie Flächen in Wohngebieten bebaut werden, dagegen hat keiner der Anwohner etwas. Doch das, was die Stadt in Ettmannsdorf plant, können sie nicht verstehen.
2,5 Hektar Land hat sich die Stadt neben dem bestehenden Baugebiet Vogelherd I gesichert, um dort weitere Bauplätze zu schaffen. Kritisch sehen die Anwohner vor allem die Topographie: Die künftigen Wohnhäuser würden oberhalb der derzeitigen Bebauung am Waldrand stehen.
Die Erschließung des zum Teil sehr steilen Hangs und die Anbindung des neuen Baugebietes an das vorhandene Straßen- und Kanalnetz wären sehr aufwendig, findet der ortsansässige Jäger und Förster Georg Forster. Es würde einen massiven Eingriff in Natur und Umwelt bedeuten. Die Grenze der Bebauung sei mit dem jetzigen Baugebiet Vogelherd I erreicht, finden die Anwohner.
Schon Risse in Sandsteinwand
Die Bewohner der Knappenstraße befürchten, dass es zu Sandsteinabbrüchen kommen könnte, die auf ihren Grundstücken Schäden anrichten. Die Knappenstraße würde das neue Baugebiet südlich begrenzen. Direkt hinter den Häusern an der Knappenstraße türmt sich eine gut 20Meter hohe Felswand auf.
Schon in jüngerer Vergangenheit habe es Risse und Abbrüche gegeben, erklären die betroffenen Anwohner. Ein Grund dafür seien auch die Baumfällungen an der Abbruchkante gewesen. Sollten größere Erdarbeiten auf dem oberen Plateau stattfinden, hätte dies weitere Risse und Abbrüche zur Folge, so ihre Vermutung.
Der Berg würde eh schon arbeiten, meint eine Anwohnerin der Neukirchener Straße. Sie merke dies an ihrem vor einigen Jahren errichteten Anbau, der bereits mehrere Risse in der Wand aufweist. Eine Sicherung des Berges würde die Erschließungskosten noch einmal deutlich erhöhen, sind sich die Anwohner sicher.
Garagen werden bei Starkregen überflutet
Gleichzeitig befürchten sie, dass durch die gefällten Bäume das Wasser bei starkem Regen ungehindert in das untere Wohngebiet fließe. Sie haben bereits erlebt, wie Garagen überflutet wurden. „Es geht in der heutigen Zeit nicht mehr, dass man den Wald abholzt, baut und die Leute darunter saufen ab“, sagt Georg Forster.
Ihre Häuser würden auch „absaufen“, weil der vorhandene Kanal für das größere Wohngebiet nicht ausreiche, argumentieren die betroffenen Ettmannsdorfer. Der Kanal sei bereits vor über 20 Jahren verlegt worden. Seitdem seien immer mehr neue Häuser gebaut worden, ohne dass der Kanal vergrößert wurde, meinen sie.
Mit ihren Bedenken und Ängsten haben sich die Anwohner auch an die SPD-Stadtratsfraktion gewandt. Vorsitzender Franz Schindler informierte sich daraufhin gemeinsam mit den Stadträten Ulrike Roidl, Karin Frankerl, Matthias Kuhn, Alfred Braun und Andreas Weinmann vor Ort über das Problem.
Kuhn wohnt selber in dem betroffenen Gebiet und hatte den Vor-Ort-Termin initiiert. Schindler und seine Fraktionskollegen halten die Bedenken für berechtigt.
SPD: Kein Bauland für Normalverdiener
Die Erschließung wäre aufgrund der topografischen Lage so kostenaufwendig, dass sich kein Normalverdiener dort ein Grundstück leisten könne, glaubt Franz Schindler. „Für diese Kosten könnte die Stadt woanders ein größeres Gebiet erschließen“, meint der SPD-Fraktionschef. Seine Fraktion habe auch gegen den Erwerb des Grundstücks oberhalb der bestehenden Bebauung gestimmt. Mit den Stimmen der anderen Stadträte wurde er aber mehrheitlich beschlossen. „Wir wissen nicht, warum die Stadt unbedingt eine Fläche erwerben wollte, die geografisch nicht einfach zu erschließen ist“, sagt Schindler.
Im Haushalt 2022 war laut Schindler ein kleinerer Betrag für Planungsleistungen eingeplant gewesen. Laut Stadt wurde ein Planungsbüro beauftragt, einen Vorentwurf zu erstellen. „Dieser befindet sich noch in der Konzeptphase“, teilt Pressesprecherin Maria Schuierer mit. Der eingereichte Konzeptentwurf sei von der Stadt berichtigt worden und werde nun vom Planungsbüro überarbeitet. Wann ein final abgestimmter Vorentwurf vorliegt, kann zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht gesagt werden, so Schuierer.
Lieber verträglich nachverdichten
Sollten im Haushalt fürs kommende Jahr mehrere Hunderttausend Euro für die Erschließung des neuen Baugebietes Vogelherd II eingestellt werden, könne die SPD-Fraktion wieder dagegen stimmen, kündigt Schindler an. Es spreche aus ihrer Sicht viel dagegen, auf Teufel komm raus dieses Gebiet zu erschließen. „Trotz der ungebrochenen Nachfrage nach Baugrundstücken muss der Stadtrat ganz genau prüfen, ob die Erweiterungsfläche am Vogelherd wirklich für eine Bebauung geeignet ist“, fordert Schindler. Ziel seiner Fraktion sei es, vor der Ausweisung und Erschließung weiterer Baugebiete und der damit verbundenen Versiegelung von Grund und Boden und der Eingriffe in Natur und Umwelt erst zu versuchen, in vorhandenen Wohngebieten verträglich nachzuverdichten. So hätten die Sozialdemokraten im Stadtrat beispielsweise auch für eine Nachverdichtung im Stadtteil Kronstetten gestimmt, erinnert Schindler.
Nachverdichten ließe sich aber auch noch in Ettmannsdorf. Wie Georg Forster erklärt, gebe es in dem Stadtteil etwa 100 freie Bauparzellen. Ein Teil davon befinde sich im Baugebiet Vogelherd I.