In Niederhof entstehen neue Bauplätze – Erschließung von Vogelherd II ist den Stadträten zu teuer

Die Stadt Schwandorf erfreut sich bei Bauherren großer Beliebtheit. Die Nachfrage nach Baugrund ist hoch, wie in der vergangenen Sitzung des Schwandorfer Planungs- und Umweltausschuss deutlich wurde.
Die Ausschussmitglieder beschäftigten sich mit drei Tagesordnungspunkte zu Wohngebieten.
Im Stadtosten soll neues Bauland ausgewiesen werden:
Tanja Sander, Sachgebietsleitung bei der Stadtplanung, hatte gute Neuigkeiten für Bauwillige in Schwandorf. In Niederhof sollen weitere Bauplätze ermöglicht werden. Derzeit wird das angedachte Areal, das nördlich der Gartenackerstraße erschlossen werden soll, landwirtschaftlich genutzt. Laut Sander soll das neue Bauland vor allem junge Familien anziehen. Die Lage soll durch die Nähe zur Autobahn sowie zum Stadtzentrum besonders attraktiv sein. Ein Plus für junge Familien: Ein Spielplatz soll in dem Gebiet zusätzlich entstehen. Durch eine Stichstraße mit einer Wendeanlage soll Durchgangsverkehr vorgebeugt werden.
Wer dort bauen will, kann ein Einzelhaus, maximal ein Doppelhaus mit bis zu zwei Vollgeschossen hinstellen. Pro Haus sind dann höchstens zwei Wohneinheiten zulässig.
Die Ausschussmitglieder zeigten sich begeistert über die neuen Bauparzellen. SPD-Stadtrat Manfred Schüller war es ein Anliegen, dass ein Bauen in zweiter Reihe sowie eine Grundstücksteilung in Zukunft nicht möglich werden. Sander rechnete ihm vor, dass maximal 26 Doppelhaushälften entstehen würden, wenn auf jeder Parzelle ein Doppelhaus gebaut werde. Für mehr sei auch kein Platz, da die Größen der einzelnen Grundstücke so berechnet werde, dass ein zweites Haus schlichtweg keinen Platz habe.
Des Weiteren sprach Schüller den Lärmschutz an. Nördlich des geplanten Baugebiets verläuft die Bahnstrecke Schwandorf – Furth in Wald. Wie Sander erklärte, würden die Dezibelwerte tagsüber unter dem angestrebten Wert von 59 Dezibel für allgemeine Wohngebiete liegen. Nachts hingegen könne der angestrebte Wert von 49 Dezibel nur auf Höhe eines Erdgeschosses eingehalten werden. In einem Obergeschoss werde der Wert um ein Dezibel überschritten. Aus diesem Grund würden Schallschutzmaßnahmen erforderlich. Wie Sander erläuterte, müsste für den aktiven Schallschutz eine sieben Meter hohe Schallschutzbarriere gebaut werden. Besser wäre aber der passive Lärmschutz, also beispielsweise Schallschutzfenster, wie die Sachgebietsleiterin ergänzte.
Der Ausschuss stimmte der Aufstellung eines Bebauungsplans mit integriertem Grünordnungsplan einstimmig zu.
Im Gebiet Kruckental will die Stadt für geordnete Verhältnisse sorgen:
Dabei geht es um ein Gebiet, das im Norden durch die Föhrenstraße, im Osten durch die Kruckentalstraße, im Süden durch die Kruckental- und die Wackersdorfer Straße sowie im Westen durch die Straße „An der Schwefelquelle“ begrenzt wird. Das Gebiet habe aufgrund von Baulücken ein großes Potenzial für Nachverdichtungen. In dem neuen Entwurf des Bebauungsplans, den Robert Bose, stellvertretender Amtsleiter Planung und Bau, in der Ausschusssitzung vorstellte, ist nun neu, dass die Festsetzung der Höhe der Bauten sich auf die natürliche Geländeoberfläche bemisst und nicht mehr auf das Straßenniveau. Das sei erforderlich, da sich das Gebiet an einer Hanglage befinde.
Des Weiteren wurden in dem neuen Entwurf die Maße für Abstandsflächen neu festgesetzt. Jetzt ist ein Abstand von 1 H, also eine volle Wandhöhe zum Nachbargrundstück, jedoch mindestens drei Meter festgelegt worden. In einem vorherigen Entwurf war ein Abstand von 0,4 H vorgesehen. Zudem soll die maximale Anzahl an Wohneinheiten pro Wohngebäude auf fünf festgelegt werden. Dadurch soll auch verhindert werden, dass ein übermäßiger Bedarf an Stellplätzen entsteht. Zudem soll es möglich werden, dass auf den teilweise großen Grundstücken eine geordnete rückwärtige Bebauung entstehen kann.
Für die Unabhängigen Wähler erklärte Kurt Mieschala seine Ablehnung des Bebauungsplans damit, dass dieser Plan nur „die halbe Miete“ sei. Es würden noch etliche Grundstücke leer stehen. Er befürchtet, dass trotzdem Mehrparteienhäuser gebaut würden, was nicht sein solle.
Die Entscheidung, grünes Licht für den Bebauungsplan zu geben, fiel im Planungs- und Umweltausschuss mit einer Gegenstimme.
Die Erschließung von Vogelherd II in Ettmannsdorf ist dem Ausschuss zu teuer:
Wegen der hohen Nachfrage soll weiteres Bauland ausgewiesen werden. Dafür schlug die Stadt die Ausweisung von Vogelherd II vor, das über die Straße „Buchleite“ in Ettmannsdorf wirtschaftlich und baulich aufwendig erschlossen werden sollte. Die Stadt rechnete mit einem Kostenaufwand von mindestens 1,5 Millionen Euro.
Dies stieß bei den Stadträten auf wenig Begeisterung. CSU-Fraktionsvorsitzender Andreas Wopperer bezweifelte, dass es bei den 1,5 Millionen Euro bleiben würde. In der Planung sei der Bau von Wasserleitungen noch nicht berücksichtigt. Es sei nicht von der Hand zu weisen, dass es kein günstiges Bauland werden würde. Wopperer räumte ein, dass er damals für den Kauf der Fläche gestimmt habe. Nun sehe er den Kauf rückwirkend als einen Fehler an. Manfred Schüller (SPD) schloss sich Wopperers Meinung an. Für ihn sei es problematisch, dass dort nur Luxuswohnanlagen entstehen könnten, kritisierte er. Er sah das Geld, das die Stadt für den Kauf des Areals aufgewendet hatte, als „in den Sand gesetzt“ an.
Für die Freien Wähler sprach sich Karl-Heinz Saur für das Vorhaben aus. Wegen mangelnder Bauplätze sehe er die Ausweisung des Areals als Baugebiet als sinnvoll an. „Es gibt auch Leute, die nicht knappe Geldmittel haben“, begründete er seine Entscheidung. Oberbürgermeister Andreas Feller (CSU) fügte dem hinzu, dass es sich dann um ein anderes Baugebiet als die schon bestehenden im Stadtgebiet handle.
Lediglich zwei Ausschussmitglieder stimmten für das Baugebiet Vogelherd II. Damit wurde das Vorhaben eingestampft.