Nach seinem Aus: Neunburgs Festspiel-Autor Jürgen von Bülow redet Tacheles

Die Entscheidung des Neunburger Festspielvereins (Landkreis Schwandorf), nicht weiter mit dem Autoren Jürgen von Bülow zusammenarbeiten zu wollen, sorgte nicht nur in der jüngsten Stadtratssitzung für einen Paukenschlag. Auch der Autor selbst erfuhr „mit großem Erstaunen“ von dem Schritt. Der 69-Jährige kann den Entschluss nicht verstehen.
Die Reaktionen des Vereins seien immer positiv gewesen, erklärt von Bülow gegenüber der MZ. Kurz vor Weihnachten habe ihm die Vorstandschaft des Festspielvereins noch geschrieben: „Wir sind überglücklich, dass das Buch jetzt so geworden ist, wie wir es uns vorgestellt haben.“ Selbst am 10. Januar, als die finale Version des Textbuches vorlag, hatte es laut von Bülow noch zustimmende Reaktionen gegeben.
Vertrag wurde bis zuletzt nicht unterschrieben
Was zwischen dem 10. und 17. Januar dazu führte, dass man sein Stück nicht auf die Bühne bringen, sondern noch einmal die alte Fassung in leicht geänderter Form spielen möchte, kann er sich nicht erklären. Es solle, wie ihm der Verein geschrieben habe, an den noch nicht geklärten Vertragsverhandlungen liegen. „Dies verstehe ich nicht“, schrieb von Bülow, wie er der MZ erklärt, nach der Entscheidung an die Stadt Neunburg.
Dass er den Vertrag mit der Stadt bis zuletzt noch nicht unterschrieben hatte, begründet er mit Änderungswünschen, die aus rechtlicher Sicht notwendig gewesen wären. So sei beispielsweise die Übertragung sämtlicher Rechte an dem Stück an die Stadt gefordert worden. Das Urheberrecht könne er aber gar nicht abtreten, sagt von Bülow. Dieses bleibe immer bei ihm als Verfasser.
Hiermit möchte ich euch schriftlich bestätigen, dass ich euch die Nutzungsrechte für diese Fassung vom Hussenkrieg 2026 auf immer erteile.Jürgen von Bülow in einem Schreiben an den Festspielverein vom 10. Januar 2026
Er könne aber dem Festspielverein die Nutzungsrechte an seinem Stück einräumen. Am 10. Januar habe er dem Verein und der Regie geschrieben: „Hiermit möchte ich euch schriftlich bestätigen, dass ich euch die Nutzungsrechte für diese Fassung vom Hussenkrieg 2026 auf immer erteile.“ Bereits am 20. Oktober 2025 habe er dem Verein mitgeteilt: „Ich würde auf jeden Fall immer vertraglich, schriftlich, zusichern, dass ich niemals die Aufführung des Stückes verhindern kann.“
Es sei ein „tolles, emotionales Stück“ geworden, ist Jürgen von Bülow überzeugt. Dem Festspielverein empfiehlt er trotz allem, das Stück „doch bitte nächstes Jahr“ zu machen. „Ich würde Purzelbäume machen“, meint der vielseitige Theater- und Fernsehautor. Sollten dann noch Änderungen notwendig sein, würde er diese sogar vornehmen, so von Bülow. Aber auch wenn der Verein die Änderungen selbst machen wolle, würde er sie akzeptieren, erklärt der Autor. Dies hätte auch Änderungen betroffen, die bis zu einer möglichen Aufführung in diesem Jahr notwendig geworden wären.
Regie wünscht sich in der Regel keine Einmischung von den Autoren
Im Vertrag sollte ferner festgelegt werden, dass der Autor das Festspiel bis zur Aufführung im Sommer begleiten soll. Das sei ein weiterer Punkt gewesen, den er gern aus dem Vertrag streichen wollte. Aus Stuttgart könne er nicht ständig nach Neunburg fahren. Es sei auch nicht üblich, dass ein Autor eine Theaterinszenierung bis zur Premiere begleite, sagt von Bülow. „Die Regie will nicht gerne, dass man sich in ihre Arbeit einmischt“, erklärt der 69-Jährige. Er weiß dies aus eigener Erfahrung, denn Jürgen von Bülow hat bereits gut 80 Theaterstücke inszeniert und auch öfter Textbücher geschrieben.
Den Aussagen in der Stadtratssitzung vonseiten des Festspielvereins und der Stadt, dass es keine Beauftragung gegeben habe, widerspricht von Bülow. Schon im Juli sei er bei dem persönlichen Treffen mit Vertretern des Stadtrates, des Festspielvereins und der Stadt beauftragt worden. Es habe in der Folge einige Termine gegeben, bei denen man sich abgestimmt habe.

Auch Martin Scharf, Fraktionschef der Freien Wähler im Neunburger Stadtrat, hatte am Donnerstag Zweifel geäußert, dass es keine Beauftragung gegeben habe. Dafür brauche es nicht unbedingt einen unterschriebenen Vertrag, es reiche auch eine mündliche Beauftragung.
Wie Bürgermeister Martin Birner (CSU) am Dienstag auf MZ-Nachfrage betont, sei er weiterhin der Auffassung, dass es keine Beauftragung gegeben habe, da es auch keinen Vertrag zwischen der Stadt und dem Autoren gebe. Er spreche dabei ausschließlich für die Stadt, macht der Rathauschef klar.
Er habe auch viel Arbeit in das Textbuch gesteckt, sagt von Bülow. Die erste Version habe er sogar zwei Wochen früher als ausgemacht dem Verein zugeschickt. Natürlich habe er bei den Besprechungen auch seine eigene Meinung vertreten, so der Autor. Die gewünschten Änderungen habe er aber immer gemacht.
Und die Änderungen seien durchaus sehr umfangreich gewesen. So sollte beispielsweise der religiöse Konflikt im Stück stärker herausgestellt werden. Auch sollten für etwa 40 Mitspieler zusätzliche Rollen eingefügt werden und zehn davon sogar größer ausfallen, berichtet von Bülow. Er habe deshalb mehrere Szenen dazu geschrieben. In der finalen Fassung vom 10. Januar sei dies alles drin.
40 zusätzliche Rollen ins Stück geschrieben
Er sieht seine Arbeit mit dem Vorliegen der Endfassung als beendet an und werde deshalb das vereinbarte Honorar über 4500 Euro in Rechnung stellen, kündigt der 69-Jährige an.
Über diese Summe hatte der Stadtrat am 31. Juli 2025 einen Beschluss gefasst. Das Budget für eine Einmalzahlung wurde dabei freigegeben.
In der jüngsten Stadtratssitzung waren sich die Vertreter des Vereins sicher, dass es keine finanziellen Forderungen geben werde. Der Autor kann diese Einschätzung nicht nachvollziehen. Das Textbuch zu verfassen, habe „viel, viel Arbeit“ bedeutet, und deshalb stehe ihm das Honorar auch zu. Rechtlich sei das „völlig eindeutig“, ist sich von Bülow sicher. Auch bei anderen seiner Theaterprojekte habe es nicht immer einen schriftlichen Vertrag gegeben, und er sei bezahlt worden. Als Beispiel dafür nennt von Bülow die Heimattage Oberkirch (bei Freiburg).
Ob dem Autoren die Summe rechtlich zustehe, könne er nicht beurteilen, erklärt der stellvertretende Vereinsvorsitzende Matthias Eckel-Binder. Bürgermeister Birner kündigt derweil an, dass die Stadt die Rechnung rechtlich prüfen werde, sobald sie im Rathaus eingetroffen sei. Jürgen von Bülow ist nach eigener Aussage bemüht, die Sache „im Guten zu lösen“.