Oberpfälzer Start-ups ziehen Bilanz: Erfolge, Rückschläge und neue Strategien

Vom weltweit ersten Leselerngerät über Apps für Finanzbildung bis hin zu nachhaltigen Pizza-Boxen: 2025 hat die Mediengruppe Bayern über einige Oberpfälzer Start-ups berichtet. Wie ging es mit ihren Ideen weiter und was steht im neuen Jahr an? Ein Überblick.
■ Clelo: Herbert Endres möchte mit Clelo das weltweit erste Leselerngerät für Kinder auf dem Markt etablieren. Die Entwicklung ist mittlerweile abgeschlossen, die Rückmeldungen von zahlreichen Testfamilien, Grundschulen, Kindergärten und auch auf der Frankfurter Buchmesse seien „überwältigend positiv“ gewesen, so Endres. Die Spracherkennungs- und Lesefehleranalyse-KI wurde nochmal verbessert. Clelo erkenne jetzt nicht nur Lesefehler präzise, sondern gebe auch direkt Feedback. Ebenso wurde das Sortiment an interaktiven Büchern erweitert und Kooperationen mit renommierten Kinderbuchverlagen gestartet.
Nun stehe das Team kurz vor den ersten Auslieferungen von mittlerweile über 1000 Bestellungen. „Die Produktion der ersten Seriengeräte läuft, und wir bereiten eine groß angelegte Einführung im Handel sowie eine Bildungskampagne für Schulen vor“, sagt Endres. Das größte Learning für das Team war: „Erst wenn wir die Technologie radikal aus der Perspektive eines Kindes denken, entsteht ein Produkt, das wirklich selbstständiges Lesen ermöglicht.“
■ RocketMind: Psychische Erkrankungen nehmen zu. Mit einer App wollen die Gründer von RocketMind deshalb die mentale Gesundheit von Kindern und Jugendlichen stärken. Für das Start-up scheint es seither steil bergauf gegangen zu sein: Gründerin Lena Hiltel berichtet von Teamwachstum und Auszeichnungen auf lokaler und internationaler Ebene, erfolgreichen App-Testläufen, der Entwicklung eines ersten Prototypen sowie der Markenanmeldung. Als größten Erfolg bezeichnet sie die Kooperation mit „Klasse2000“. Diese ermögliche einen wichtigen Zugang zu Schulen und unterstreiche die Relevanz im Präventionsbereich.
Die Gründer mussten heuer vor allem lernen: „Immer dranbleiben – wo sich eine Tür schließt, öffnet sich eine neue. Gerade im Start-up-Kontext steht man oft vor unerwarteten Hürden.“ Für Mitte 2026 plant RocketMind den Markteintritt. Davor steht unter anderem noch eine wissenschaftlich begleitete Testphase an.
■ Inklusionsmatch: Eigentlich müssten Arbeitgeber ab einer Betriebsgröße von 60 Mitarbeitern mindestens fünf Prozent ihrer Arbeitsplätze mit Menschen mit Schwerbehinderung besetzen, für Kleinbetriebe gelten Sonderregelungen. Doch viele tun das nicht und müssen stattdessen eine Ausgleichsabgabe zahlen. Das will Inklusionsmatch ändern. Dafür haben die Gründer mittlerweile eine digitale Inklusionsmanagement-Plattform veröffentlicht. „Unternehmen können nun ihre individuelle Beschäftigungsquote analysieren, den gesetzlichen Inklusionsbedarf ermitteln und daraus ein konkretes Inklusionsbudget ableiten“, so Mitgründer Tobias Hiebl.
Über die Plattform ließen sich aus rund 700 validierten Inklusionsmaßnahmen passende Aktivitäten auswählen und gemeinsam mit einem Partnernetzwerk umsetzen. 2026 wollen die Gründer ihre Plattform weiterentwickeln und eine Kampagne starten, die Unternehmern die Vorteile eines professionellen Inklusionsmanagements aufzeigen soll.
■ Flavora: Regensburger Gründer wollten essbare Blumensträuße auf den Markt bringen und so verhindern, dass sie zu schnell im Müll landen. Aus privaten Gründen wurde diese Idee aber nicht weiter verfolgt.
■ Heldenkollektiv: Familien mit beeinträchtigten Kindern stehen vor besonderen Herausforderungen, sind aber oft auf sich allein gestellt. Deshalb will Stefan Böttinger ein sicheres Netzwerk schaffen: das Heldenkollektiv. Für den Gründer war das Jahr 2025 „eine intensive Zeit“. Er hat Menschen von einer Vision überzeugen wollen, die es physisch noch nicht gab. Sein Learning: „Authentizität ist die stärkste Währung. Wenn man brennt für das, was man tut, springt der Funke über.“
Das wichtigste Vorhaben konnte Ende November in die Tat umgesetzt werden: Die gemeinnützige Heldenkollektiv gGmbH wurde gegründet. 2026 soll der Fokus darauf liegen, Fördergelder von Stiftungen und Soziallotterien sowie Unternehmensspenden zu akquirieren. „Mit diesen Mitteln wollen wir dann das Herzstück bauen: Das digitale Heldennetzwerk, das betroffene Familien endlich untereinander vernetzt.“
■ BeAFox: Alexandru Tapelea und Selina Fuchs wollen mit BeAFox die Finanzbildung junger Menschen verbessern. Pünktlich zum Schulstart am 16. September kam die App in Bayern auf den Markt und zählt mittlerweile rund 3000 Nutzer. Außerdem habe das Gründer-Paar die IHK Akademie Ostbayern als Kooperationspartner gewinnen können. Ihre Strategie haben sie weiter geschärft – der Fokus liegt auf Schulen, Ausbildungsbetrieben und Organisationen.
Ein weiterer Meilenstein für Tapelea und Fuchs: Sie konnten zwei Entwickler einstellen. „Unser größtes Learning 2025 war definitiv, positiv mit Ablehnung umzugehen“, sagen die beiden. Dass ihre App auch in Schulen eingesetzt wird, gestalte sich bisher als schwierig, doch aufgeben wollen sie nicht. Das Gründer-Paar nimmt sich für 2026 vor, „BeaFox groß zu machen“ – und in möglichst vielen Schulen und Ausbildungsbetrieben präsent zu sein.
■ Tornerò: Mit ihrer Pizza-Mehrwegbox aus recycelbarem Kunststoff wollen die Gründer um Jörg Domesle eine umweltfreundliche Alternative zu den klassischen Papierkartons bieten. Doch der erhoffte Durchbruch mit einem Pfandsystem blieb aus. Die Idee war, dass eine Pizzeria eine bestimmte Zahl Boxen bestellt und dafür monatlich eine Gebühr zahlt. Bestellt ein Kunde eine Pizza aus der Mehrwegverpackung, kassiert der Lieferant eine Pfandgebühr. Zurückgebracht werden konnte die Box in allen Partner-Restaurants. Das Team hat begreifen müssen, „dass die Akquise von Pizzerien ineffizient und damit teuer ist“, sagt Domesle.
Also haben die Gründer die Strategie gewechselt. Die Pizza-Mehrwegbox werde nun verkauft – direkt über Amazon sowie an Kantinen, auf Events wie Stadtfesten oder auf Campingplätzen. „Insgesamt hat sich der Gesamtumsatz von Januar bis November im Vergleich zum Vorjahr verfünffacht.“ Doch das ist nicht der einzige Erfolg für das Regensburger Start-up: Tornerò hat am CoCreate Pitch in London teilgenommen und zählte zu den 30 Finalisten aus über 10 000 Bewerbern. 2026 wird sich das Sortiment des Start-ups um Pasta-Schalen und Cups erweitern. Außerdem bereitet sich das Team schon auf Markteintritte in wichtigen EU-Ländern vor. Denn ab 2028 müssen Pizzerien in der EU eine Mehrweg-Alternative anbieten.