Ein Blumenstrauß zum Nachtisch: Regensburger Start-up macht Dekoration zum Koch-Erlebnis

Von Franziska Mahler · 1. März 2025 um 17:00

Blumensträuße sind ein beliebtes Geschenk. Doch nach einer Woche landen die verwelkten Überreste meist im Müll. Ein Regensburger Start-up will dem ein Ende setzen – und essbare Blumensträuße auf dem Markt etablieren. Das heißt: Man verschenkt nicht nur schöne Blumen, sondern auch gemeinsame Zeit zum Kochen.

Elisabeth Hockemeyer holte immer wieder ihr schlechtes Gewissen ein, wenn sie Blumen wegwerfen musste. Die Regensburgerin hat sich gefragt, ob es einen Weg gibt, sie weiter zu nutzen. Während Corona hat die 25-Jährige sich dann ein Hochbeet besorgt – und gemerkt: „Viele Blumen sind essbar.“

Hockemeyer nennt ein paar Beispiele: Chrysanthemen werden vor allem in der asiatischen Küche verwendet – einige Sorten schmecken leicht bitter, andere würzig herb. Sie können gedünstet oder gebraten wie Gemüse gegessen oder frisch über Wok-Gerichte oder Salate gestreut werden. Dahlienblüten passen gut zu Kartoffeln und Fisch, Lilien zu Geflügel. Tulpen schmecken nach Kohlrabi und Duftrosenblüten eignen sich durch ihren süßlichen Geschmack zum Beispiel gut zum Aromatisieren von Likör. Zusammen mit Kräutern wie Rosmarin, Oregano oder Thymian ergibt sich ein schöner Strauß – „mit Biss“.

Kommilitonen waren von der Idee begeistert

Die 25-Jährige, die sich auch als Hochzeitsplanerin selbstständig gemacht hat, hat unter anderem Digital Entrepreneurship an der OTH Regensburg studiert. Ihre Kommilitonen Marius Kloos, Simone Pschowski, Fabian Kirchmayer und Julian Höpfner waren von der Idee, Blumensträuße nicht nur nachhaltiger zu machen, sondern ihnen auch einen Mehrwert zu verleihen, begeistert. Zusammen feilen die fünf nun seit eineinhalb Jahren an der Marke „Flavora“. Zu kaufen gibt es die Produkte aktuell noch nicht. Im Sommer startet aber eine Pilotphase, für die sich Interessierte auf der Website anmelden können. Der Markteintritt ist für 2026 geplant.

Der entscheidende Punkt für die Essbarkeit von Blumen ist der Anbau und die Sorte. Schnittblumen, die üblicherweise in Deutschland verschenkt werden, sind im Normalfall nicht essbar. Milliarden werden jährlich importiert – davon „über eine Milliarde Rosen“, sagt Marius Kloos. Das Hauptimportland ist Holland. Aber auch aus Kenia oder Sambia werden Rosen eingeflogen, wo die Arbeitsbedingungen schlecht sind. Für den Anbau werden außerdem häufig Pestizide verwendet. „Es schadet der Umwelt und der Import ist ein hoher CO2-Aufwand.“ Zwar werden Schnittblumen auch in Deutschland angebaut, aber ähnlich wie bei Lebensmitteln wollen viele auch im Winter einen Blumenstrauß verschenken, so Hockemeyer.

Lieferkette wird gerade aufgebaut

Damit Flavora essbare Blumensträuße anbieten kann, braucht das Start-up (Bio-)Bauern oder Gärtnereien, die Blumen und Kräuter pestizidfrei anbauen und an Floristikläden liefern. Dieser bindet dann die Sträuße und bringt sie zum Kunden. „Im besten Fall soll das alles an einem Tag geschehen“, sagt Kloos. Dieses Netzwerk zusammenzustellen, gestaltet sich aktuell als größte Herausforderung für die jungen Gründer.

Für die Sträuße überlegen sich die fünf aktuell kreative Namen und passende Anlässe. Zur Grillsaison biete sich zum Beispiel ein Strauß mit Rosmarin, Oregano und essbaren Blumen wie Rosen oder Dahlien, die zu Salaten oder Kartoffeln passen, an. Ebenso ist ein italienischer oder französischer Blumenstrauß geplant, sodass man sie „nach Essensvorliebe“ verschenken kann, sagt Hockemeyer. Auch für ein erstes Date wäre der Strauß ein cleveres Geschenk, denn schließlich müsse man ihn zu einem späteren Zeitpunkt auch noch verkochen, sagt Kloos und lacht. Aber ganz generell verschenke man mit den Flavora-Sträußen nicht nur Deko, sondern „ein Erlebnis“, sind sich die Gründer einig.

Preise sollen vergleichbar zu klassischen Blumensträußen sein

Feste Preise gibt es noch nicht. Es hänge auch sehr davon ab, welche Blumen verwendet werden, so Kloos. Er soll aber vergleichbar mit einem klassischen Blumenstrauß sein. Zu jedem Flavora-Produkt findet man online mehrere Rezepte – von einer Vorspeise, über Hauptspeise bis hin zum Dessert – sowie eine Anleitung, wann er spätestens verwertet werden muss. „Man muss auch nicht alles auf einmal verkochen“, sagt Hockemeyer. Mögliche Rezepte sind eine Blütenlasagne, Pesto oder Blütencurry. Um potenziellen Kunden die Bedenken vor dem Kochen mit Blumen zu nehmen, soll es künftig auch Videos auf der Website geben, langfristig auf einer App. Auch Koch-Events sind geplant.

Die Hauptverkaufszeit für essbare Blumen ist im Frühling, Sommer und Herbst. „Aber unser Geschäftsmodell ist darauf ausgelegt, dass wir im Winter getrocknete Blütenblätter und Kräuter verkaufen, sodass alles, was übrig geblieben ist, nicht weggeschmissen werden muss“, sagt Hockemeyer. Auch Blumen, die vielleicht nicht perfekt aussehen, sollen so verwertet werden können.

Informationen zur Pilotphase und Kontaktmöglichkeiten

Projekt: Im Sommer 2025 startet ein Pilotprojekt, bei dem Kunden die Sträuße zum ersten mal testen können. Interessierte können sich auf www. flavora-blumen.de anmelden.

Kontakt: Firmen oder Personen, die mit Flavora zusammenarbeiten wollen, können sich unter info@flavora-blumen.de melden.

Diesen Strauß aus Tageslilien, Rosen, Rosmarin und Petersilie muss man nicht wegschmeißen. Die Blumen sind essbar und lassen sich deshalb noch für Gerichte verwenden. Foto: Flavora