Pizza-Mehrwegbox ist (noch) kaum gefragt: Regensburger Firma tornerò ändert Strategie

Von Franziska Mahler · 23. März 2025 um 06:09

Wer an sonnigen Tagen entlang der Donau spaziert, dem fallen wohl oder übel die überquellenden Pizzakarton-Mülleimer auf. Seit Ende 2022 gibt es hierfür eigentlich eine Alternative: Die Mehrweg-Pizzabox von tornerò. Doch die Regensburger Firma tut sich schwer, sich durchzusetzen. Gesetzliche Verschärfungen – etwa in Form einer Verpackungssteuer – könnten helfen.

Während Corona ist die Verpackungsproblematik deutlich geworden, sagt Ole Ott, Mitgründer von tornerò. Nahezu jeder wollte sein Essen abholen oder hat es liefern lassen. Das Resultat: mehr Müll. Auch die Mehrwegpflicht war damals im Gespräch. Sie gilt seit Januar 2023. Gastronomische Betriebe, die Essen zum Sofort-Verzehr in Einwegplastik oder Einweg-Getränkebechern verkaufen, müssen eine Mehrweg-Alternative anbieten. Der Nachteil für tornerò: Pizzakartons sind von dieser Pflicht ausgenommen, weil sie nur aus Pappe bestehen. Das sei zunächst nicht absehbar gewesen.

Öko-Test: Pizzakarton mit Chemikalien belastet

Ott hält diese Entscheidung aber für einen Fehler. In Deutschland werden jährlich mehr als 435 Millionen Pizzakartons entsorgt – und das nach einer durchschnittlichen Nutzung von fünf bis zehn Minuten. Außerdem zeige ein aktueller Öko-Test, dass die Kartons auch mit problematischen Chemikalien belastet sein können. Recycelt werden sie ebenso kaum, weil sie oft mit Öl, Fett oder Essensresten verschmutzt sind. Stattdessen werden sie mit Restmüll verbrannt. Als Ott und seine Mitgründer mit den Verkäufen starteten, dachten sie, die Pizzerien werden sich um ihre Mehrweg-Alternative reißen. Doch so kam es – bisher – noch nicht.

Die Box hat einen Durchmesser von 33 Zentimetern. Pizzen der Kette L’Osteria bekomme man zwar nicht unter, dafür aber „80 Prozent aller Pizzen, die in Deutschland verkauft werden“, so Ott. Sie besteht aus recycelbarem Kunststoff, kann bis zu 500 mal verwendet und in der Spülmaschine gereinigt werden. Hat sie ihren Dienst getan, verwertet sie der Logistikpartner im Allgäu zu Transportkisten. Durch die wellige Struktur der Box bleibe die Pizza außerdem lange heiß und knusprig.

Zunächst bot tornerò ein Pfandsystem an: Eine Pizzeria bestellt eine bestimmte Zahl Boxen und zahlt dafür eine monatliche Gebühr. Bestellt ein Kunde eine Pizza aus der Mehrwegverpackung, kassiert der Lieferant eine Pfandgebühr. Zurückgebracht werden kann die Box in allen Partner-Restaurants.

Bedenken wegen der Pfandgebühren

Doch die Pizzerien waren nicht gewillt, monatlich eine Gebühr zu zahlen, sagt Ott. Auch habe es immer wieder Bedenken wegen der Pfandgebühren gegeben. Sie betrugen zunächst zehn, dann sechs Euro pro Box. Bestellt also eine Gruppe von zehn Personen Pizza, beträgt die Gebühr 100, beziehungsweise 60 Euro. Dabei gibt es bereits Erfolgsbeispiele von Firmen, die mit Pfandsystemen arbeiten. Das deutschlandweit größte Mehrwegsystem hat die Firma Recup, die Becher und Schüsseln vertreibt. 20 000 Gastronomen sind Teil des Systems. Das Pfand für einen Becher beträgt einen, für eine Schüssel fünf Euro.

Auf einen ähnlichen Erfolg hatte auch tornerò gehofft. Doch vergangenes Jahr haben sie ihre Strategie schließlich überdacht. Das Pfandsystem ist nun passé. Pizzerien können die Boxen jetzt kaufen – Stückpreis circa zehn Euro – und damit „machen was sie wollen“, sagt Ott. Sinn mache es aber, komplett auf Pappkartons zu verzichten. Dadurch spare man Müll und Kosten, sagt Ott. Zwar werden für einen Pappkarton „nur“ zwischen 30 und 50 Cent fällig, verwenden könne man ihn allerdings nur einmal – und gefaltet werden müsse er auch.

Neues Konzept läuft gut an

Das neue tornerò-Konzept scheint besser anzukommen: 2025 habe man so viele Neukunden dazugewonnen wie im gesamten vergangenen Jahr nicht. Dennoch liege die Gesamtkundenzahl in Deutschland immer noch nur im zweistelligen Bereich, so Ott. In Regensburg bieten beispielsweise das Balboa und Il Baretto die Boxen an.

„Wir tun uns schwer. Wir müssen durchhalten“, sagt der 63-Jährige. Das Team habe bisher viel Arbeit und Kosten in ihr Unternehmen gesteckt. Ausgezahlt habe sich das noch nicht. Dass Unternehmen in den ersten fünf Jahren scheitern, ist nicht selten. „Das darf uns nicht passieren“, sagt Ott. Er ist optimistisch, dass ihre Idee langsam ankommt. „Man muss durchhalten.“ Einen gewissen Puffer verschaffe tornerò, dass die Gründer noch anderen Jobs nachgehen.

Der 63-Jährige hofft aber auch auf gesetzliche Unterstützung – entweder in Form einer Anpassung der Mehrwegpflicht oder weil mehr Städte dem Beispiel Tübingens folgen. In der baden-württembergischen Stadt gilt seit Januar 2022 eine Verpackungssteuer. Die Stadt Regensburg prüft derzeit die Einführung. „Freiwillig ist die Pizzawelt nicht bereit, sich umzustellen.“

Die Verpackungssteuer in Tübingen

Tübingen: Eine Verpackungssteuer müssen in Tübingen seit dem 1. Januar 2022 alle Verkaufsstellen von Einwegverpackungen, -geschirr und -besteck zahlen, die darin Speisen und Getränke für den sofortigen Verzehr oder zum Mitnehmen ausgeben. Die Steuer beträgt zum Beispiel 50 Cent pro Kaffeebecher oder Portion Pommes, 20 Cent für Strohhalme.

Gericht: Am 22. Januar 2025 entschied das Bundesverfassungsgericht, dass diese Steuer rechtmäßig ist.