Kinder können immer schlechter lesen: Lerngerät eines Regensburgers stößt auf großes Interesse

Von Franziska Mahler · 31. März 2025 um 19:00

Immer weniger Kinder können richtig lesen. Ein Regensburger hat deshalb ein Gerät entwickelt, mit dem Kinder selbstständig Lesen lernen können. Schon vor dem Markteintritt ist das Interesse von Verlagen, Pädagogen und Eltern groß.

Lesen lernt man doch größtenteils in der Schule, oder? Ganz so einfach ist es nicht. Dr. Herbert Endres hat drei Töchter – eine davon kam aus der 1. Klasse mit folgendem Brief nach Hause: „Bitte lesen Sie Ihrer Tochter vor und üben Sie das Lesen mit ihr.“ Der Regensburger und seine Frau überlegten, wie sie das trotz Vollzeitjob bestmöglich hinbekommen. Der 44-Jährige stellte sich aber gleichzeitig die Frage, was mit Kindern ist, deren Eltern das nicht leisten können.

Jedes vierte Grundschulkind kann nicht richtig lesen

Also setzte er sich intensiver mit dem Thema auseinander – und war „erschüttert“, sagt er. Dass Kinder nicht richtig lesen können, ist mittlerweile zu einem gesellschaftlichen Problem geworden, erfuhr er von der Stiftung Lesen. Tatsächlich zeigt das unter anderem auch eine internationale Studie (IGLU) von 2023: Der Anteil der Kinder ohne ausreichende Lesekompetenz ist seit 2016 gestiegen – mittlerweile kann jedes vierte Kind nach der Grundschule nicht richtig lesen.

Um flüssig lesen zu können, müssen Kinder laut Endres mindestens 200 Stunden üben. Allein in den Grundschulen könne das nicht geleistet werden. Der 44-Jährige, der an der TU Chemnitz den Lehrstuhl für Marketing und digitale Innovation leitet, wollte dafür eine technische Lösung finden. Denn: „Lesen ist der Schlüssel zur Welt“, ist der Regensburger überzeugt. „Jedes Kind soll in die Lage versetzt werden, selbstständig Lesen zu können.“ Also begann er vor drei Jahren mit der Entwicklung eines Lerngeräts – das es so in der Art noch nicht geben soll, sagt Endres.

Markteintritt Ende 2025 geplant

Ende des Jahres wird „Clelo“ auf den Markt kommen – ein großes, grellblaues Gerät, das an ein aufgeschlagenes Buch erinnert. „Wir wollten ein Kinderbuch-Erlebnis schaffen.“ Der Name kommt von „Clever Lesen“ – aber Clelo kam bei Eltern und Kindern besser an als Clele, erklärt der Gründer.

Das aktuell sechsköpfige Team steigt damit in einen wachsenden Markt ein – den für Lerngeräte. Der Grund für die steigende Nachfrage in dieser Branche sei zum einen der Trend zur Digitalisierung, zum anderen aber auch die großen Defizite an Schulen, glaubt Endres.

Das patentierte Leselerngerät kostet 279 Euro. Startet man es, öffnet sich eine Kinderbuch-Bibliothek. Im Starter-Set sind vier Bücher enthalten, andere kann man zusätzlich erwerben – darunter Bücher vom Duden oder bekannten Verlagen sowie Eigenproduktionen. Planmäßig soll es bis zur Markteinführung mindestens 50 Bücher geben, so Endres. Klickt man auf ein Buch, kann man zwischen den Niveaus „Anfänger“, „Fortgeschrittene“ oder „Meister“ wählen. Je nach Level steigert sich die Lesegeschwindigkeit.

Vertraute Personen können Bücher einsprechen

Bezugspersonen wie Mama, Papa, Oma oder die Lehrerin können die Bücher einsprechen, sodass die Kinder sie mit vertrauten Stimmen anhören können. Die Geschichten sind kleine Erlebniswelten – mit vereinzelten interaktiven Elementen, Sounds und Animationen. Vereinzelt deshalb, weil sie nicht ablenken, sondern die Lernmotivation steigern sollen, sagt Endres. „Wir fördern damit auch die Konzentration, die heutzutage durch die Medien immer mehr abhanden kommt.“

Der Lerneffekt sei am besten, wenn man zunächst zuhört, dann mit synchroner Markierung die Worte mitliest und am Schluss einspricht. Die Wörter, die richtig ausgesprochen werden, erscheinen grün. Abschließend gibt es ein Quiz, um das Textverständnis zu stärken.

Keine Ablenkung durch andere Apps

Noch ein Vorteil von Clelo: „Eltern wollen ein sicheres Gefühl.“ Anders als bei einem Tablet, haben Kinder mit dem Leselerngerät keine Chance, abgelenkt zu werden. Denn sie können das System nicht verlassen.

Nicht nur Endres Töchter sind von Clelo begeistert: In die Entwicklung waren Eltern, Kinder, Pädagogen und Verlage eingebunden. „Die Resonanz war sehr positiv.“ Schon vor dem offiziellen Markteintritt gibt es deshalb bereits Vorbestellungen von Eltern und Schulen. „Es ist kein Spielgerät. Lesen lernen ist unbezahlbar.“

Weitere Infos zu Clelo

Alter: Clelo fördert die Sprachentwicklung und das Leseverständnis spielerisch. Es ist für Kinder zwischen zwei und zehn Jahren geeignet und kann auch von Kindergärten und Schulen genutzt werden.

Vorbestellung: Auf www.clelo.de kann man ein Leselerngerät vorbestellen. Aktuell ist der Markteintritt für November 2025 geplant.

Das Leselerngerät Clelo kommt Ende 2025 auf den Markt. Foto: Clelo
„Jedes Kind soll in die Lage versetzt werden, selbstständig Lesen zu können“, findet Gründer Dr. Herbert Endres. Foto: Mahler