Vorlesehunde helfen Kindern beim Lesenlernen – In Regenstauf werden sie ausgebildet

Gerade für schüchterne Kinder, die sich noch nicht so recht trauen zu lesen, sind die tierischen Zuhörer ideal. Dem Verein Helfende Hunde aus Regenstauf (Landkreis Regensburg) liegen viele Anfragen von Schulen vor. Hundebesitzer, die sich für die Ausbildung zum Vorlesehund interessieren, können sich zu einem Kennenlerntermin anmelden.
Wutz liegt auf einer Decke und hat den Kopf entspannt auf seine Pfoten gelegt. Es scheint, als ob der acht Jahre alte Labrador aufmerksam einem Grundschüler lauscht, der sich Seite für Seite durch ein Kinderbuch kämpft. „Fehler beim Lesen stören die Hunde nicht“, erklärt Fabian Reichel vom Verein für helfende Hunde. „Man darf sich verhaspeln, und es ist egal.“
Gerade für schüchterne Kinder, die sich noch nicht so recht trauen zu lesen, seien die tierischen Zuhörer damit ideal. „Wir haben viele Anfragen von Schulen und Einrichtungen“, erklärt Reichel. Der 33-Jährige ist Beisitzer der Vorstandschaft, Sozialpädagoge und Assistenzhundetrainer und hat 2023 für den Verein die Ausbildung von Vorlesehunden übernommen.
Ein wachsames Auge
Mit dabei beim Vorlesen sind auch immer die Besitzer der Hunde, die ein wachsames Auge auf die Lesesituation haben, um rechtzeitig zu merken, falls es dem Tier zu viel wird. „Die Besitzer müssen erkennen, ab wann der Hund Stress hat, um ihn rechtzeitig aus der Situation zu nehmen“, erklärt Reichel.
Für die Kinder ist es immer ein aufregendes Erlebnis, wenn der Vorlesehund in die Schule oder Bibliothek kommt. Selbst die, die nicht gerne lesen, lassen sich durch Spiele mit dem Hund zum Lesen animieren, indem man sie bittet, ihm die Aufgabenstellung vorzulesen. „So merken die Kinder oft gar nicht, dass sie lesen.“ Gearbeitet wird ausschließlich in Kleingruppen, damit es dem Hund nicht zu viel wird.
Wer sich für die Ausbildung interessiert, wird von Reichel zunächst zu einem Kennenlerntermin eingeladen. Die Hunde müssten gesund, geimpft und haftpflichtversichert sein. „Vom Charakter her sollen sie Menschen zugewandt, aufgeschlossen und geduldig sein“, so der Experte. „Sie dürfen nicht schnell in Stress verfallen.“ Zudem dürften sie keine Ängste gegenüber Menschen zeigen. Die Hunde würden getestet, wie sie auf Bedrängung, Erschrecken, laute Geräusche und Umarmungen reagieren. „Wer hier auffällig wird, kommt nicht in die Ausbildung.“
Diese besteht aus acht Modulen jeweils für zwei Stunden und erstreckt sich über drei bis vier Monate. Geschult werden Hygiene-Vorschriften, der Umgang mit Kindern, mit Beeinträchtigungen sowie verschiedene Methoden wie würfeln und am Glücksrad drehen, durch die Hunde und Kinder spielerisch in Kontakt kommen können. Hinzu kommt, mit dem Hund zu üben. „Der Hund muss gelassen sein und das kann man trainieren“, betont Reichel.
Zum Ende der Ausbildung ist ein Praxiskontakt mit Kindern in der Schule vorgesehen, es erfolgt eine Prüfung und die Übergabe eines Zertifikats. Wenn man nach der Ausbildung für den Verein ehrenamtlich tätig wird, und sich mindestens fünf Mal an eine Schule oder Bibliothek vermitteln lässt, dann übernimmt der Verein die Kosten für die Ausbildung. Im Einsatz sind die Hundehalter versichert und erhalten eine Aufwandsentschädigung.
Fünf Hunde in Ausbildung
Aktuell sind bereits fünf Hunde für den Verein in Stadt und Landkreis Regensburg tätig. Weitere fünf Hunde werden aktuell ausgebildet. Der Verein hat einen Blick darauf, wie oft der Hund zum Einsatz kommt. Laut den Vorschriften der tierärztlichen Vereinigung Tierschutz e.V. seien maximal zwei bis drei Einsätze pro Woche erlaubt und diese nicht an einem Tag.
„Für den Hund ist der Einsatz wie Arbeit“, sagt Reichel. „Es ist anstrengend für ihn.“ Daher sei es wichtig, die Regeln einzuhalten. „Die Tiere brauchen Erholung.“
Der Verein Helfende Hund
Der Verein: Der Verein für helfende Hunde in Regenstauf gründete sich im Jahr 2019 und hat heute 51 aktive Mitglieder und vier Fördermitglieder. Der Verein sammelt Spendengelder, um Projekte mit Assistenzhunden zu fördern, klärt über tiergestützte soziale sowie therapeutische Arbeit mit Hunden auf und leistet Öffentlichkeitsarbeit. Von Anfang an war der Verein inklusiv und vereinte in seinen Reihen Menschen mit und ohne Behinderung. Weitere Infos unter rote-pfote.de.
Vorlesehund: Als Ausbildung bildet der Verein Vorlesehunde aus. Die Schulung richtet sich an Hundebesitzer, die Kindern beim Lesenlernen helfen möchten. Wer nach der Ausbildung für den Verein und seine Partnerschulen sowie Büchereien mindestens fünf Mal ehrenamtlich tätig wird, für den wird die Kursgebühr vom Verein übernommen.
