Mit dem Smartphone zum Finanzfuchs: Oberpfälzer wollen durch App Wissenslücken füllen

Vermögenswirksame Leistungen, Zinseszinseffekt, Rendite: Viele junge Menschen können wenig mit diesen Begriffen anfangen. So war das auch bei Alexandru Tapelea und Selina Fuchs. Trockene Finanzbücher oder lange Erklärvideos schrecken jedoch ab. Die Lösung des Paares: die App BeAFox – „sei ein Fuchs“.
Tapelea hat bei der Krones AG in Neutraubling kürzlich seine Ausbildung zum Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung beendet, Fuchs arbeitet bei der Stadt Regensburg im Personalwesen. Ihre ersten Ausbildungsgehälter haben die 20-Jährigen „rausgeschmissen“, sagen sie. „Wir wussten einfach nicht, was wir damit machen sollten.“ In der Schule hätten die beiden zwar gelernt, was die Aufgaben der Europäischen Zentralbank sind, aber nicht, wie man ein Konto eröffnet, was Aktien sind oder wie man fürs Alter vorsorgt.
Viele Unsicherheiten bei Finanzthemen
Für die Finanzbildung ist jeder junge Mensch selbst verantwortlich. Das Resultat: Viele sind überfordert und unsicher. Das zeigt auch der Schufa Jugend-Finanzmonitor. Die 16- bis 24-Jährigen schätzen ihr Finanzwissen nur als mäßig ein. Bei komplexeren Themen wie Immobilienkrediten oder Altersvorsorgeverträgen fällt das Ergebnis schlechter aus. Außerdem zeigt sich, dass Männer ihr Finanzwissen höher einschätzen als Frauen.
Tapelea und Fuchs haben in einer eigenen Umfrage festgestellt, dass das Wissen über Finanzen selbst unter BWL-Studenten oft schlecht ausfällt. Doch will man sich als junger Mensch über Geld informieren, muss man entweder ein trockenes Buch aufschlagen oder sich unter etlichen YouTube-Videos zurechtfinden. Tapeleas und Fuchs’ App, die besonders für die Zielgruppe der 16- bis 24-Jährigen gedacht ist, soll Finanzbildung spannend, interaktiv und für alle zugänglich machen. Und das Wichtigste: Sie wollen keine Finanzprodukte verkaufen. Denn oft habe man bei Beratungen das Gefühl, dass einem nur etwas angedreht werden soll, findet das Gründer-Paar.
Verlass auf die Start-up-Szene in Regensburg
Tapelea tüftelt schon seit einem Jahr an der App, Fuchs kümmert sich ums Marketing. All das geschieht neben ihren Hauptjobs. „Es ist nicht einfach. Wir haben oft überlegt, aufzuhören“, sagt Tapelea. Für Studenten sei eine Gründung oft leichter – auch wegen Stipendien wie Exist. Aber auch die 20-Jährigen profitieren vom Netzwerk der Digitalen Gründerinitiative Oberpfalz an der TechBase in Regensburg. „Es ist möglich. Die Start-up-Szene ist ganz anders, als man sie sich vorstellt. Alle sind sehr herzlich, jeder hilft.“
Nun stehen die letzten Schritte in der Entwicklung an. „Die App ist zu 99 Prozent fertig.“ Aktuell laufe eine Testphase mit 200 Nutzern – am 16. September, pünktlich zum Schulanfang in Bayern, soll sie auf dem Markt sein. Mit Werbung kann sie frei genutzt werden, ein Abo wird rund 3,99 Euro kosten, so die Gründer. Dieses beinhalte unter anderem mehr Level. Auch Schulen oder Unternehmen wollen die beiden ansprechen, indem sie Lizenzen anbieten.
App soll unter anderem die Denkweise schärfen
In der App durchlaufen die Nutzer verschiedene Lektionen Schritt für Schritt. Am Ende jeder Einheit gibt es ein Quiz. Mit richtigen Antworten sammelt man Erfahrungspunkte und kann in der Rangliste aufsteigen – bei falschen werden Leben abgezogen.
Anfangs geht es viel darum, die Denkweise zu schärfen: Was bedeutet finanzielle Freiheit überhaupt? Wie definiert man Reichtum? „Ich glaube, das Thema Geld ist für viele etwas negatives. Man hat Angst, etwas falsch zu machen. Darum ist es umso wichtiger, sich damit zu beschäftigen“, sagt Fuchs.
Aufklärung über Halbwahrheiten auf Social Media
Später geht es um Begriffe wie den Zinseszinseffekt oder Rendite. Die Gründer klären aber auch über die Gefahren von Social Media auf. Denn immer wieder stoße man dort auf Inhalte mit falschen oder vereinfachten Ratschlägen. Gefährlich sei dahingehend vor allem die Kurzvideoplattform TikTok, so Tapelea.
Bei ihrem ersten Pitch beim Start-up-Wettbewerb „Tiger der TechBase“ sei das Feedback sehr gut gewesen. „Einfach weil man merkt, dass wir zwei dafür brennen“, sagt Tapelea. Dass nun der Markteintritt immer näher rückt sei ein „unglaubliches Gefühl“ für das Paar – und ebnet womöglich den Weg für ihren gemeinsamen Traum: die Selbstständigkeit.
Weitere Informationen zum Start-up BeAFox finden Interessierte auf Instagram und TikTok (beafox_app) oder auf LinkedIn (BeAFox), Kontakt: beafox.app@gmail.com