Drogen-Deals direkt vor der Tür – und nachts stockfinster: Das erleben Anlieger in der Maxstraße

Seit die Polizei rund um den Regensburger Hauptbahnhof hart durchgreift, verlagern sich die Probleme in die Maximilianstraße. Anlieger erzählen von Drogen-Deals auf offener Straße, von Schlägereien und Diebstählen, von „vielen komischen Jungs“ und „extrem dunklen Nächten“.
„Ich bin wirklich kein ängstlicher Mensch“, schickt Martina Erös voraus. „Aber nachts bin ich froh, wenn ich aus der Maxstraße raus bin.“ Erös ist Direktorin im Elaya Hotel und geht nach einer Spätschicht „sicher nicht“ in Richtung Bahnhof und „schon gar nicht“ durch den Park. „So geht es mir auch“, sagt Katharina Neumeier, Chefin im Hotel Weidenhof gegenüber vom Elaya. Die beiden sorgen sich um die Maxstraße – und hoffen, dass wenigstens die seit Ewigkeiten kaputten Straßenlaternen bald wieder leuchten.
„Ich brauche mich nicht lange draußen hinstellen, bis etwas passiert“, sagt Neumeier. Schon auf dem Weg in die Arbeit beobachte sie hinten am Königshof die ersten Drogengeschäfte. „Es sind immer drei, vier Männer, die zusammenstehen“, berichtet sie. Auch in der Maxstraße selbst werde gedealt. „Manchmal sitze ich im Frühstücksraum. Da sieht man, wie sich Leute vor dem Fenster Geld und andere Dinge hin- und herschieben“, sagt Erös. In den Pflanzkübeln, die die Stadt aufgestellt hat, würden immer wieder Drogen deponiert: „Man braucht wirklich nicht lange warten, bis man etwas sieht.“
Polizei verstärkt Präsenz in der Maximilianstraße in Regensburg
Vor eineinhalb Jahren habe das angefangen, berichtet Neumeier. Also genau zu jener Zeit, als die Maßnahmen von Polizei, Staatsanwaltschaft und Stadt Regensburg im Bahnhofsumfeld Früchte trugen. „Es ist ja klar, dass dann die Maxstraße der erste Anlaufpunkt ist“, sagt Neumeier. Dass etwa zeitgleich mit der Verlagerung der Drogenkriminalität fast alle Straßenlaternen in der Maxstraße den Geist aufgegeben haben, macht die Situation nicht besser. Eine einzige funktioniert derzeit. „Wenn die Weihnachtsbeleuchtung um halb elf ausgeht, sieht man keinen Meter vor die Tür“, sagt Erös. „Da fühlt man sich wirklich nicht wohl“, ergänzt Neumeier.
Auch von Schlägereien, Geschrei, Ladendiebstählen, ungebetenen „Gästen“ in ihren Hotels und aggressiven Kunden, etwa beim Friseur, berichten die beiden Frauen – aber auch von regelmäßigen Polizeieinsätzen und Festnahmen. Seit Sommer seien „verstärkt Kräfte“ im Einsatz, regelmäßig unterstützt von der Bereitschaftspolizei, berichtete Karin Paul von der Polizeiinspektion Süd kürzlich im Sicherheitsbeirat. Dass es seit dem Sommer besser geworden wäre, können Neumeier und Erös nicht bestätigen.

Das Problem: Weil die Polizei laut Paul „ganz, ganz selten“ Mitteilungen zu Straftaten bekomme, fehlen die Fallzahlen, um die Maxstraße als „gefährlichen Bereich“ einstufen zu können. Das würde der Polizei mehr Kontrollbefugnisse und die Möglichkeit der Videoüberwachung gewähren – wie eben am Regensburger Hauptbahnhof.
Laut Inspektionssprecher Markus Reitmeier bewegen sich die monatlichen Deliktszahlen im einstelligen und niedrigen zweistelligen Bereich. „Hauptsächlich wurden hier Körperverletzungen, Diebstähle und Betäubungsmitteldelikte polizeibekannt“, sagt Reitmeier auf Anfrage. Die Schwerpunkteinsätze rund um den Hauptbahnhof seien auf Teile der Maximilianstraße – zwischen Ernst-Reuter-Platz und Königstraße – ausgeweitet worden. Die Reiterstaffel werde öfter in der Maxstraße vorbeischauen, die Hundestaffel ebenfalls, erfuhren Neumeier und Erös, die sich in der Interessensgemeinschaft Maxstraße engagieren, bei einem runden Tisch mit der Polizei und dem Ordnungsamt. Alle Vorfälle, auch weniger Prekäres, sollen konsequent gemeldet werden, lautete der Rat der Polizisten.
Situation schlägt sich auch in Online-Bewertungen von Regensburger Hotels nieder
Dass sich die Maxstraße, die sich laut den beiden Hotel-Chefinnen zuletzt eigentlich im Aufwind befand, derzeit nicht zum Besseren entwickelt, blieb so manchem Hotelbesucher nicht verborgen. Neumeier berichtet von einem Stammgast, der seit Jahrzehnten nach Regensburg kommt. Der finde, die Stimmung habe sich sehr verändert. Erös erzählt von einer arg verunsicherten Hotelbesucherin und von Online-Bewertungen, in denen auch mal stehe, dass es in der Maxstraße aussehe „wie am Drogenstrich“. Das seien Extrembeispiele, sagen die Hotel-Chefinnen. Aber Rückfragen von Gästen zur Situation gebe es immer wieder.
Neumeier und Erös hoffen, dass wenigstens die Straßenlaternen bald wieder funktionieren. „Wir sind dabei, umzurüsten“, berichtete Straßenbau-Abteilungsleiter Andreas Fruth im Sicherheitsbeirat. „Ob wir das heuer noch schaffen, weiß man nicht.“ Die Antwort lautet nein. Wie Stadtsprecherin Katrin Holzgartner auf Anfrage erklärt, werden die Leuchtstelen voraussichtlich im Frühjahr repariert.
Bei den Straßenlaternen handelt es sich Holzgartner zufolge um gestalterische Sonderanfertigungen. Nach rund 20 Jahren in der Witterung funktioniere die Elektronik nicht mehr zuverlässig. Die nötigen Bauteile seien bestellt; die Lieferung werde gegen Jahresende erwartet. Wenn es die Witterung zulässt, sollen die Leuchten einzeln – Stele für Stele – umgerüstet werden.
„Viele komische Jungs“ rund um die Regensburger Maximilianstraße
Neumeier, Erös und deren Gäste sind nicht die einzigen, die unter der Situation leiden. Bereits im Sommer hatten Anlieger am Königshof Alarm geschlagen. „Seit letztem Jahr ist es schlimm geworden, wirklich ein Brennpunkt“, sagte Simone Heuberger, Wirtin der Alten Kuchl, Ende August zur MZ. Sie berichtete von Drogendeals, Vandalismus und herumliegenden Spritzen. „Es ist eine Katastrophe“, befand Patience Schmidt vom Afro-Shop damals.
Heute berichtet Schmidt, dass es kurz besser geworden sei. Jetzt seien aber schon wieder „viele komische Jungs“ unterwegs. Wenn die Polizei komme, seien sie sofort weg. „Das muss einen Grund haben“, sagt die Afro-Shop-Inhaberin. Sie wisse nicht, was diese jungen Leute genau treiben, da sie drin im Laden sei. Was es auch ist: „Das gefällt mir gar nicht. Ich habe meine Kinder hier.“