Christkindlmärkte in Regensburg: Könnten die vielen Poller einen Anschlag überhaupt verhindern?

Viel Beton und Stahl schützt den städtischen Christkindlmarkt in Regensburg. Die Macher des Lucrezia-Marktes gehen kreativer mit den Straßensperren um. Das wünschen sich die Anlieger des Neupfarrplatzes auch von der Stadt.
Ein gewisses Baustellenflair lässt sich dem Christkindlmarkt auf dem Neupfarrplatz heuer nicht absprechen. Die Buden am Kaufhof sind regelrecht eingekastelt mit Betonleitplanken. Daneben stehen rot-weiße Baken, wohl um den Verkehr vor den Sperren zu warnen. Es soll ja keiner „anrandln“. Und schon gar nicht in den Markt fahren. Dafür sorgen auch Stahlseile, die zwischen noch mehr Betonpollern hängen – zum Leidwesen der Anlieger und Geschäftsleute.
Was das Sicherheitskonzept angeht, hält sich die Stadt weitgehend bedeckt. „Es werden unter anderem wieder große Betonquader im Umfeld des Christkindlmarkts aufgestellt“, sagte Stadtsprecherin Juliane von Roenne-Styra zu Beginn der Aufbauarbeiten. Die Poller findet man nun an allen Ecken und Enden des Marktes. Doch nicht überall setzt die Stadt auf Beton und Stahl. Großteils sind es die Buden selbst, die als Absperrung dienen. Reicht das, würde tatsächlich ein Fahrzeug in den Markt rasen wie in Magdeburg? „Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht“, sagt von Roenne-Styra.
Christkindlmarkt am Regensburger Neupfarrplatz: Poller-Kompromiss mit Anliegern
Auch die Polizei war bei den Sicherheitskonzepten eingebunden. „Wir beraten die Kommunen“, sagt Polizeisprecherin Corinna Wild. Heuer seien die Zufahrtssperren für die Märkte in der Regensburg Innenstadt – betroffen von Verkehr sind insbesondere der am Neupfarrplatz und der Lucrezia-Markt – verstärkt worden und „viele weitere Barrieren“ eingerichtet worden. Dass es durchaus auch Lücken zwischen manchen Pollern gibt, erklärt von Roenne-Styra mit nötigen Fluchtwegen und Besucherzugängen. „Auch muss der Neupfarrplatz in den Wochen vor Weihnachten erreichbar bleiben.“
Anlieger können davon ein Lied singen. Kurz vor der Eröffnung des städtischen Christkindlmarktes sind Geschäftsleute auf die Barrikaden gegangen. Ohne jegliche Information habe die Stadt den Geschäften in der Tändlergasse die Zufahrt abgeschnitten, monierte Kathrin Fuchshuber, Betreiberin des Münchner Hofs. Für sie und ihre Gäste sei das eine Katastrophe. Aber auch für die Lieferanten, die Waren in die Geschäfte bringen sollen, sagte Fuchshuber der MZ – und sprach im Rathaus vor.
Eine Lösung will ich es nicht nennen. Aber wir haben uns geeinigt, wie wir damit umgehen.Kathrin Fuchshuber, Hotel-Betreiberin
Mittlerweile haben die Verwaltung und Fuchshuber – sie sitzt für die CSU im Stadtrat – einen Kompromiss gefunden. „Eine Lösung will ich es nicht nennen. Aber wir haben uns geeinigt, wie wir damit umgehen“, sagt Fuchshuber. Wie genau die Durchfahrt jetzt geregelt ist, will sie nicht sagen. „Wir haben es so gemacht, dass es sicher ist“, bekräftigt Fuchshuber. Die Hotelchefin „dokumentiert und analysiert“ nun die Lage, um Vorschläge für nächstes Jahr machen zu können.
Wenig überraschend sieht Fuchshuber beim Sicherheitskonzept für den Christkindlmarkt noch „Luft nach oben“. Dass es eins brauche, sei klar – aber derart sichtbar? „Das kann man auch charmanter und schöner lösen“, sagt Fuchshuber. Ihr Vorschlag: in der Residenz- und der Gesandtenstraße absperren und einen Sicherheitsdienst postieren, der Berechtigte durchlässt. Auch Schranken seien eine Überlegung wert.
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„Wir müssen das Hirn am 1. Januar einschalten, nicht wenn es zu spät ist“, sagt Fuchshuber. Sie betont, die Anlieger des Neupfarrplatzes seien kooperativ. „Wir wollen uns einbringen. Vielleicht finden wir ja eine Lösung mit weniger Pollern und mehr Willkommenskultur.“
Auf diese Sicherheitsvorkehrungen setzt der Lucrezia-Markt in Regensburg
Etwas festlicher sehen die Straßensperren am Haidplatz aus. Auch hier stehen drei städtische Betonleitplanken, mit Bretterverschlägen zu Tischen gemacht. Dazu hat sich der Förderkreis Regensburger Kunsthandwerk, der den Lucrezia-Markt veranstaltet, eine Reihe von sogenannten Indutainern angeschafft und diese wassergefüllten Fahrzeugsperren mit Tannenzweigen und Christbaumkugeln dekoriert. Für den gemeinnützigen Verein stellt das Sicherheitskonzept, das es heuer umzusetzen gilt, durchaus eine finanzielle Belastung dar. Und eine „nervliche Extraarbeit“, wie Vorständin Julia Jung erzählt. „Die Info kam etwas knapp“, sagt sie. Als es hieß, heuer seien Zufahrtssperren nötig, beriet die Polizei den Verein. Am Tag vor der Marktöffnung – nach einem Termin mit Ordnungsamt und Feuerwehr – musste Jung noch mal etwas umdisponieren mit den Pollern am Haidplatz.

Zuvor waren mehrere Lösungen diskutiert worden. „Am liebsten wäre es der Polizei gewesen, wenn wir zwischen Kohlenmarkt und Haiplatz komplett gesperrt hätten“, sagt Jung. Der Bus- und Lieferverkehr sprachen dagegen. Die Sperren hätten dauerhaft besetzt sein müssen. „Wie entscheidet man, wer durchfahren darf?“ fragt sich Jung. Diese Verantwortung habe der Verein nicht übernehmen wollen. „Deshalb haben wir lieber die Plätze geschützt.“
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Ziemlich schutzlos wirkt auf den ersten Blick allerdings der Teil des Lucrezia-Marktes, der am Kohlenmarkt steht. Zufahrtssperren sucht man vergebens. Hier habe es gereicht, die Buden enger zusammenzustellen. „Wenn jemand Chaos anrichten will, findet er immer einen Weg“, sagt Jung. „Das hoffen wir aber nicht.“
Laut Polizeisprecherin Wild, gibt es „keine konkreten Gefährdungen“ in der Oberpfalz. „Die Polizei und die Sicherheitsbehörden beobachten und beurteilen die Lage aufmerksam.“ Man stehe in engem Austausch mit den Kommunen und stimme etwaige Maßnahmen „lageangepasst“ ab. Sicherheitsrelevante Zwischenfälle habe es bislang keine gegeben.