Zweites Leben für Regensburger Kirche: Wie macht sich Theresia als Kulturraum?

Von Rainer Wendl · 10. Oktober 2025 um 19:00

An diesem Wochenende findet eine Foto-Ausstellung in der profanierten Theresienkirche statt und auch ansonsten nimmt die Veranstaltungsdichte in dem einstigen Gotteshaus zu – Zeit für eine erste Bilanz.

Am Samstag und Sonntag sind in der Theresienkirche jeweils von 11 Uhr bis zum Abend Werke der acht regionalen Fotokünstler Maria Maier, Petra Homeier, Simon H. Süß, Herbert Stolz, Martin Rosner, Stefan Effenhauser, Wolfram Schmidt und Maximilian Weinzierl zu sehen. Diese Ausstellung ist nur ein Punkt im sich zunehmend füllenden Veranstaltungskalender des einstigen Gotteshauses. Allein in den kommenden beiden Wochen stehen drei Konzerte auf dem Programm. Ist die Wandlung von der Kirche zum Kulturzentrum nach zehn Monaten also schon geglückt?

Einer, der das beurteilen kann, ist Rainer Girg. Der Vorsitzende des Geschichts- und Kulturvereins Regensburg-Kumpfmühl (GKVR) zieht eine durchaus positive erste Bilanz. „Gerade die letzten Wochen haben gezeigt: Da steckt enormes Potenzial in dieser profanierten Kirche mit einer Aura, die ihr verblieben ist“, sagt er.

Ein Experiment ohne Luxus

Dieses wohlwollende Fazit ist keine Selbstverständlichkeit. Als Mitglied des Kirchenvorstands von St. Wolfgang war Girg schon allein aus religiösen Gründen nicht glücklich über die Profanierung. Als die erste Veranstaltung im Januar dann auch noch ein Sportlerball war, sah er seine Bedenken bezügliche einer würdigen Nachnutzung bestätigt.

Doch Girgs Einschätzung hat sich grundlegend gedreht. Er lobt das „breite Repertoire“ der bisherigen Termine, das von Tanzveranstaltungen über Ausstellungen, Buchpräsentationen und Lichtinstallationen sowie Gesangsdarbietungen und musikalischen Inszenierungen bis hin zu einer Benefizgala reichte.

Mit dem GKVR war er auch selbst schon ein Teil davon: So fand die Präsentation der jährlichen Vereinspublikation „Der Vitusbach“ in der Theresienkirche statt, die bereits vorhandenen Licht- und Audioinstallation von Max Zeller nutzte der Verein dabei gleich mit. Folgerichtig schwärmt der Vorsitzende von „tollen Synergismen“ und hebt zudem die „professionelle Veranstaltungskoordination“ hervor, für die Laura Schuster von der Silberberg Asset Management GmbH zuständig ist.

Turm, Dach und Außenfassade wurden wunderbar renoviert, sogar die Figuren am Westportal sind aufwendig restauriert.

Rainer Girg, GKVR-Vorsitzender

Bei dieser Firma handelt es sich um ein Tochterunternehmen vom Immobilienzentrum (IZ) Regensburg. Dessen Gründer Thomas Dietlmeier hat die Kumpfmühler Kirche vor eineinhalb Jahren vom Karmeliten-Orden gekauft und zunächst einmal substanzerhaltende Maßnahmen an dem maroden Gebäude veranlasst. Auch das weiß Girg sehr zu schätzen. „Turm, Dach und Außenfassade wurden wunderbar renoviert, sogar die Figuren am Westportal sind aufwendig restauriert“, freut er sich. In Sachen Innenraum, Akustik und vor allem Sanitäranlagen aber sieht der GKVR-Vorsitzende noch große Defizite. „Das ist dem Herrn Dietlmeier bestens bekannt. Ich hoffe, er nimmt noch einmal Geld in die Hand.“

Mit diesem Wunsch blitzt er bei Dietlmeier jedoch ab, zumindest vorerst. „Es muss nicht alles perfekt sein. Perfekt gibt es in Regensburg nämlich schon“, sagt er und erklärt, dass das für die Ex-Kirche ersonnene Motto „Theresia – Raum für Ideen“ durchaus wörtlich zu nehmen sei: „Das ist ein Angebot an Menschen, die sich für soziale und kulturelle Ideen einsetzen. Und zwar ganz ohne staatliche, städtische oder sonstige Subventionen.“ Die steigende Nutzungsfrequenz deutet er als „sehr gutes Zeichen, dass es in unserer Gesellschaft solche Menschen gibt“. Für sie zähle nicht die Devise „Jemand müsste“, sondern „Ich mach was“.

Was mich interessiert, ist die Frage, ob man in Regensburg auch außerhalb der Altstadt noch etwas auf die Reihe kriegen kann. Etwas, was nicht geschleckt ist.

Thomas Dietlmeier, Eigentümer

Wer eine Veranstaltung in Theresia durchführen will, muss abgesehen von den Nebenkosten keine Miete zahlen. Selbst zu kümmern hat er sich um Genehmigungen, Logistik, Ausstattung und technische Infrastruktur. In Gesamtheit bezeichnet dies Dietlmeier als „Experiment und mein reines Privatvergnügen“. Vor allem aber betont er: „Ich habe keinerlei wirtschaftliche Interessen an diesem Projekt. Was mich allerdings sehr interessiert, ist die Frage, ob man in Regensburg auch außerhalb der Altstadt noch etwas auf die Reihe kriegen kann. Etwas, was nicht geschleckt ist.“

Studentenwohnungen im Ex-Kloster

In diesem Sinne sieht er die Ex-Kirche nicht als „fertiges Objekt“, sondern beschreibt ihre Neunutzung als „Prozess des Werdens“. Dass er dann doch irgendwann moderne Sanitäranlagen einbauen könnte, will er nicht ausschließen – doch bis auf Weiteres heißt seine Lösung für dieses Thema: „Dixi-Klos! Für eine Veranstaltung mit 400 Leuten braucht man fünf davon.“

Für die früheren Klostergebäude links und rechts der Kirche hat der IZ-Gründer hingegen die gängigen Vorstellungen eines Immobilienentwicklers. Im Trakt entlang der Kumpfmühler Straße will er die Mietwohnungen belassen wie gehabt, im Bau an der Gutenbergstraße plant er nach dem Auszug der Katholischen Jugendfürsorge Studenten-Appartements. „Das sorgt für Belebung“, meint Dietlmeier. Außerdem würden bei dieser Nutzung Eingriffe in den Klosterpark zur Schaffung von Parkplätzen entfallen.