Aus für Regensburger Kirche: Die gute Seele von St. Theresia gibt die Schlüssel ab

Am Mittwoch ist es so weit: 124 Jahre nach ihrer Einweihung wird die Theresienkirche profaniert. Das tut vielen Kumpfmühlern weh, wie dieses Beispiel zeigt.
In der Frühmesse um 8.30 Uhr war wie an jedem Werktag nur der harte Kern von acht, neun Gläubigen. Doch um kurz vor zehn Uhr füllte sich die Theresienkirche am Dienstag plötzlich. Auf dem Programm stand ein persönlicher musikalischer Abschiedsgruß von Brigitte Kraus, der Witwe des langjährigen Domorganisten Eberhard Kraus. Sie sang, ihre Kinder Wolfgang (Orgel) und Gisela (Saxofon) begleiteten sie.
Für Martha Tezzele war dieses Konzert eine besondere Untermalung ihres vorletzten Arbeitstags in dem Kumpfmühler Gotteshaus, das nicht länger ein solches sein wird. Denn am Mittwoch ist es so weit, 124 Jahre nach ihrer Einweihung wird St. Theresia profaniert. Dieser Vorgang stellt für viele alteingesessene Bürger von Kumpfmühl einen Einschnitt dar, für Tezzele ist er besonders heftig.
Kaum jemand dürfte ein innigeres Verhältnis zu der Kirche haben als die 87-Jährige. Ihr offizieller Titel lautet „Hilfsmesnerin“, doch „Mädchen für alles“ oder „gute Seele“ sind treffender. 30 Jahre hat sie die Lesung gehalten, beim abschließenden Hochamt am vergangenen Sonntag zum letzten Mal. Auch geputzt hat sie in der Kirche, deren Schlüssel sich seit acht Jahren in ihrer Obhut befinden.
Wer also außerhalb der Gottesdienst-Zeiten rein wollte, musste sich an sie wenden. Seitdem die Profanierung feststand, wollten das auf einmal ganz viele Menschen. „Zwei bis drei Führungen habe ich jede Woche gehalten. Auf den Turm bin ich aber nicht mitgegangen, da habe ich die Leute auf eigene Gefahr raufgeschickt“, erzählt sie von dieser Ausweitung ihrer täglichen Arbeit.
Die Toten sind schon draußen
Wenn Martha Tezzele heute die Schlüssel abgibt, ist auf einen Schlag alles vorbei. „Das macht mich sehr wehmütig, da darf ich noch gar nicht dran denken“, schildert sie ihren Gemütszustand vor der allerletzten Messe am Mittwoch um 19 Uhr und schwankt zwischen dem Bammel vor emotionaler Überwältigung und Pflichtbewusstsein: „Ich will eigentlich gar nicht dabei sein, weil ich da bestimmt heulen muss. Aber es muss halt sein.“
Wie es mit „ihrer“ Kirche danach weitergeht, weiß auch die Hilfsmesnerin nicht genau. „Ich habe nur gehört, dass bis Oktober erst einmal nichts passieren wir“, sagt sie mit Blick auf die notwendigen Sanierungsarbeiten. Bis diese in Angriff genommen werden können, muss das Ex-Gotteshaus erst einmal ausgeräumt werden. Dieser Prozess hat bereits begonnen. „Die Toten haben sie letzte Woche schon rausgebracht“, berichtet Rainer Girg von der Umbettung dreier unter Marmorplatten bestatteten Karmeliten-Pater.
Der Vorsitzende des Geschichts- und Kulturvereins Regensburg-Kumpfmühl ist zugleich Mitglied der Kirchenverwaltung von St. Wolfgang und hat daher von mehreren Seiten Einblicke in die Profanierung. Daher weiß er, dass auch die Kanzel und die Altäre aus St. Theresia verschwinden werden. „Die gehen an andere Standorte des Konvents. Am Hauptaltar haben offenbar Karmeliten aus Polen und Österreich Interesse“, so Girg.
Eben dieser Hauptaltar war Martha Tezzele der liebste Punkt in der Kirche. Der Blick auf ihn während der Wandlung sei für sie immer ein ganz besonderer Moment gewesen. „Da hat man das Gefühl, dass man zusammen mit dem Priester alle seine Sorgen in diesen Kelch hineingeben kann“, sagt die tiefgläubige Seniorin und fügt schmunzelnd hinzu: „Und ich habe viele Sorgen, weil ich eine große Familie habe.“
Natürlich sei die Wandlung auch in jeder anderen Kirche einer der Höhepunkte des Gottesdienstes, aber in St.Theresia habe sie die Gemeinschaft immer besonders intensiv erlebt. „Weil die Kirche so klein ist. In St. Wolfgang dagegen sitzt man viel zu weit weg.“
„Die Leute sind anders“
Doch der Weiterbetrieb von solchen kleinen Nebenkirchen wird in einer großen Stadt immer schwieriger. Vor diesem Trend verschließt auch die Hilfsmesnerin nicht die Augen. „Da kommen sicher noch mehr Schließungen, auch bei uns. Außerdem gibt es immer weniger Priester, wer soll denn das alles noch machen?“
Das alles beschreibt den Wandel, den Tezzele in 30 Jahren hautnah miterlebt hat. Mittlerweile sind Dinge an der Tagesordnung, die früher undenkbar waren. Etwa Beschwerden von Nachbarn, denen Glocken, Chor und Trompeten zu laut sind. „Die haben den Pfarrer regelrecht angeschrien“, wundert sie sich immer noch und kommt zu dem Schluss: „Die Leute sind anders geworden.“
Der letzte Abend in St. Theresia
Ablauf: Die letzte Heilige Messe in der Theresienkirche beginnt am heutigen Mittwoch um 19 Uhr. Dabei wird das Männerensemble, dessen Keimzelle im früheren Knaben- und Männerchor von St. Theresia liegt, mit dem Theresienlied und Teilen der Maximiliansmesse von Josef Gruber zu hören sein. Anschließend wird in einer Prozession das Allerheiligste nach St. Wolfgang übertragen.
Gedenken: Die Katholische Kirchenstiftung St. Wolfgang und der Geschichts- und Kulturverein Regensburg-Kumpfmühl haben eine 60-seitige Broschüre zur Vergangenheit und Zukunft der Kirche herausgegeben. Erhältlich ist diese im Pfarrbüro von St. Wolfgang und bei Bücher Pustet in der Gesandtenstraße.
