Neuer Eigentümer: Immobilien-Mogul kauft Regensburger Theresienkirche

Von Rainer Wendl · 3. Juni 2024 um 19:00

Wer ist der neue Eigentümer der Regensburger Theresienkirche? Dieses seit vielen Monaten gut gehütete Geheimnis wurde jetzt gelüftet.

Thomas Dietlmeier, Gründer und ehemaliger Vorstandsvorsitzender vom Immobilienzentrum Regensburg (IZ), hat das Kumpfmühler Wahrzeichen vom Orden der Unbeschuhten Karmeliten erworben. Pater Raoul Kiyangi, in München sitzender Provinzial der deutschen Ordensprovinz des Teresianischen Karmel, hatte den Verkaufspreis bereits vor längerer Zeit mit „unter fünf Millionen Euro“ beziffert.

Was Dietlmeier mit dem Gotteshaus vorhat, ist in einer am Montag vorgestellten Broschüre nachzulesen. Die Pfarrei St. Wolfgang und der Geschichts- und Kulturverein Regensburg-Kumpfmühl (GKVR) haben sich anlässlich der bevorstehenden Profanierung der Kirche als Herausgeber betätigt und lassen in dem 64-Seiten-Werk die 125-jährige Geschichte von St. Theresia Revue passieren. In Form eines Interviews mit dem Käufer wird auch ein Blick in die Zukunft geworfen.

Ein „Nukleus“ für Kumpfmühl

„Ich möchte Leben in dieses Haus bringen!“, formuliert Dietlmeier sein zentrales Ziel. Detaillierter führt er aus: „Mir schwebt eine Nukleusbildung in Kumpfmühl vor, mit einem Schwerpunkt auf kultureller Nutzung – das würde dem Stadtteil guttun.“ Konkret spricht der IZ-Gründer von einem Ort für Ausstellungen, Musikdarbietungen, Vorträge und Themenabende, „eigentlich für alle Nutzungen, die die Einzigartigkeit des Gebäudes würdigen“.

Der Unternehmer hat in Regensburg bereits in verschiedener Hinsicht Spuren hinterlassen. Er hat etliche neue Wohngebiete in der Stadt maßgebliche mitentwickelt, ist nach wie vor Eigentümer des zum Veranstaltungszentrum namens „Marinaforum“ umgebauten historischen Schlachthofgebäudes, war aber auch eine zentrale Figur in der Parteispendenaffäre, inklusive U-Haft und akzeptiertem Strafbefehl.

Mit der Theresienkirche will er wieder ein erfreulicheres Kapitel aufschlagen. Im Interview mit dem GKVR wirbt er um Vertrauen und betont, dass der Verein und auch sonstige Bürger gerne Wünsche und Ideen zur Nutzung vortragen könnten. „Da habe ich ein offenes Ohr.“ Regionaldekan Michael Fuchs, der Pfarrer von St. Wolfgang, findet zum Beispiel schon einmal positiv, dass sich Dietlmeier einen jährlichen Gottesdienst zu Ehren der heiligen Theresia in der dann ehemaligen Kirche vorstellen kann.

Ansonsten ist Fuchs traurig darüber, dass „dieser geistliche Raum für viele Menschen besonders vom Eisbuckel“ nun in seiner ursprünglichen Funktion verloren geht. Am 31. Juli um 19 Uhr wird hier die letzte reguläre Heilige Messe gefeiert, anschließend werden die Hostien nach St. Wolfgang überführt.

Präsentation am 18. Juni

Bereits am 18. Juni um 19.45 Uhr wird die Broschüre über die Theresienkirche ebenda präsentiert und verkauft. Musikalisch untermalt werden dabei eindrucksvolle Fotos des Bauwerks gezeigt, rund 1000 aktuelle hat Maximilian Weinzierl gemacht. „Mich hat die Kirche mit ihren gestalterischen Details wirklich in ihren Bann gezogen. Ich hoffe, dass diese Kleinodien für die Nachwelt erhalten bleiben“, sagt er.

Nichts ändern wird sich zumindest vorerst an der Nutzung der zu beiden Seiten der Kirche stehenden ehemaligen Klostergebäude. Im linken, von Dietlmeier als „gut saniert“ bezeichneten, sind Wohnungen untergebracht, im rechten läuft der Mietvertrag der Katholischen Jugendfürsorge noch bis 2026. Hier kann sich der neue Eigentümer künftig Nutzungen wie Wohnen für Studenten oder Senioren oder auch einen Kindergarten vorstellen – gegebenenfalls nach einem Abriss und Neubau in gleicher Kubatur.

Thomas Dietlmeier Foto: Robert Köditz