Letzter Gottesdienst am 31. Juli 2024: Die Theresienkirche in Regensburg ist verkauft

Von Rainer Wendl · 26. Oktober 2023 um 10:00

Seit einem Jahr hatte sich der Deal angekündigt, jetzt ist er über die Bühne gegangen: Die Theresienkirche im Regensburger Stadtteil Kumpfmühl wechselt den Besitzer.

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Die Uhr am Turm von St. Theresia steht seit Monaten auf kurz vor zwölf. Ein treffenderes Sinnbild könnte es gar nicht geben für die Tatsache, dass die Zeit des Kumpfmühler Wahrzeichens als Gotteshaus abgelaufen ist. Jetzt hat der Orden der Unbeschuhten Karmeliten den Verkauf der Kirche bekanntgegeben, der letzte Gottesdienst wird am 31. Juli gefeiert. Anschließend wird der Bau nach 124 Jahren entweiht. „Das Dekret zur Profanierung liegt bereits vor“, teilt der Orden mit.

Entscheidung keine Überraschung

Eine Überraschung ist diese Entscheidung nicht. Bereits vor einem Jahr waren die Verkaufspläne bekannt geworden, die der in München sitzende Provinzial Pater Raoul Kiyangi im März bei einem Ortstermin in Kumpfmühl verteidigte. Hauptgrund: Die Unbeschuhten Karmeliten verfügen weder über die finanziellen noch die personellen Ressourcen, um die notwendige Sanierung der Kirche samt ehemaligen Kloster- und Seminargebäuden stemmen zu können.

Denn die von den Patern erstellte Mängelliste geht weit über die defekte Uhr hinaus. Ob Dach, Statik, Fassade oder Heizung – alles muss von Grund auf überarbeitet werden. „Allein die Kosten für die Sanierung der Kirche werden auf fünf bis sieben Millionen Euro geschätzt“, wusste Rainer Girg, Vorsitzender des Geschichts- und Kulturvereins Regensburg-Kumpfmühl (GKVR) sowie Mitglied der Kirchenverwaltung von St. Wolfgang, schon im Frühjahr. Seit 1987 bestand ein jährlich bis Ende Juli kündbarer Seelsorgevertrag zwischen der Pfarrei St.Wolfgang und dem Orden. Im Juli 2024 endet diese Zusammenarbeit nun.

Gebäudekomplex ist marode

Danach muss sich der Käufer um den attraktiv gelegenen, aber maroden Gebäudekomplex kümmern. Sprich: Er muss erst einmal eine Menge Geld reinstecken. Genau davor hätten andere Verhandlungspartner wie die Stadt oder die Diözese Regensburg zurückgeschreckt, berichten die Karmeliten.

Wer traut sich diese Aufgabe nun zu? Pater Raoul Kiyangi spricht von einem „Investor aus der näheren Umgebung von Regensburg“, will den Namen aber noch nicht nennen. „Wir wollen ihn offiziell vorstellen, wenn die Planungen zur Nachnutzung konkreter sind“, sagt der Chef der Unbeschuhten Karmeliten und nennt „Anfang nächsten Jahres“ als Ziel-Zeitpunkt.

Bürger machen sich Gedanken

Schon jetzt machen sich zahlreiche Bürger Gedanken über die möglichst würdige Weiterverwertung des baldigen Ex-Gotteshauses. „In Kumpfmühl sind viele Wünsche und Vorschläge vorhanden“, berichtet Girg. Die Theresienkirche wird demnach als Ort für Lesungen, Konzerte oder auch universitäre Veranstaltungen gesehen.

Pater Raoul lässt durchblicken, dass sich der Investor eine Zusammenarbeit mit der Katholischen Hochschule für Kirchenmusik vorstellen kann und an einen Kinderhort im Klostergebäude denkt. „Eine Disko wird es natürlich nicht“, hatte der Provinzial bereits vor Monaten betont, ohne die speziellen Regensburger Verhältnisse zu kennen. Denn in der ehemaligen Kirche Peter und Paul an der Adolph-Kolping-Straße ist seit ewigen Zeiten eine Disko. Allerdings liegt hier auch die Profanierung schon 200 Jahre zurück.

Erlös hilft Karmeliten

Bleibt die Frage nach dem Verkaufspreis. Hier muss der Münchner Ordensmann schmunzeln. „Ich habe gedacht, dass es mehr wert ist. Ich bin fast ein bisschen enttäuscht. Er liegt unter fünf Millionen Euro.“ Dennoch hilft der Erlös den Karmeliten, die am Kornmarkt bekanntlich eine große Niederlassung in Regensburg unterhalten und mit keinerlei Kirchensteuer-Einnahmen gesegnet sind.