Verkauf der Theresienkirche in Regensburg: Entscheidung naht

Die Theresienkirche steht zum Verkauf: Diese Nachricht sorgte im vergangenen Herbst für großes Erstaunen. Jetzt gibt es Neuigkeiten.
Vor allem in Kumpfmühl mischte sich in dieses Erstaunen auch die Sorge, dass das Wahrzeichen des Stadtteils einer unwürdigen Nachnutzung anheimfallen könnte. Zwischenzeitlich war es scheinbar zwar wieder ruhig um das Thema geworden, doch hinter den Kulissen wurden die Verkaufsbestrebungen vorangetrieben. Mit einer Entscheidung ist demnächst zu rechnen.
Informationen dazu gibt es jedoch nicht von den Karmeliten in Regensburg. „Ich bin überfragt, da ist München zuständig. Da geht es um Preislagen, über die wir gar nicht verhandeln dürfen“, lässt Pater Elias M. Haas, Prior vom Karmelitenkloster St. Josef am Alten Kornmarkt, wissen.
In der Landeshauptstadt sitzt Provinzial Pater Raoul Kiyangi. Der sagt: „Wir sind noch in Verhandlungen. Im Januar hatten wir ein Treffen bei der Pfarrei St. Wolfgang. Mit der haben wir einen Vertrag, der noch gültig ist.“ Gemeint ist die nach der Aufgabe des Klosters im Jahr 1987 getroffene Vereinbarung, dass die Pfarrei für den Unterhalt des Gotteshauses sorgt und diese als Nebenkirche nutzt.
Dieser Vertrag läuft theoretisch endlos, er kann immer nur im Juli gekündigt werden. Sofern dieser Schritt also in vier Monaten vollzogen wird, kann im Anschluss der Verkauf von Kirche und Klostergelände konkret werden. Andernfalls tut sich ein weiteres Jahr nichts.
„Das wird keine Disco“
Dass die Karmeliten den Verkauf wollen, steht außer Frage. „Die brauchen das Geld, um den Erhalt des Klosters am Kornmarkt oder auch ihrer Ausbildungsstätte in Würzburg sichern zu können. Andererseits werden allein die Kosten für die notwendige Sanierung der Theresienkirche auf fünf bis sieben Millionen Euro geschätzt“, berichtet Rainer Girg, zweiter Vorsitzender des Geschichts- und Kulturvereins Regensburg-Kumpfmühl (GKVR) und zugleich Mitglied der Kirchenverwaltung von St. Wolfgang.
Der GKVR hatte die Verkaufspläne im Herbst öffentlich gemacht, im Januar war Girg Teilnehmer der vom Provinzial erwähnten Zusammenkunft in Regensburg. Während Pater Kiyangi von einem „guten Treffen“ spricht, meint Girg: „Da herrschte anfangs eine ungute Stimmung, denn keiner von St. Wolfgang wollte zustimmen.“ Der Grund für die ablehnende Haltung war die hohe emotionale Verbundenheit, die alteingesessene Kumpfmühler zur Theresienkirche haben.
Dem möglichen Vorwurf, die leichtfertige Verscherbelung eines solch identitätsstiftenden Gebäudes zugelassen zu haben, will sich keiner aussetzen. „Unser Wunsch wäre, dass die Karmeliten selbst der Öffentlichkeit ihre Pläne in der Kirche vorstellen“, sagt Girg deshalb.
Pater Kiyangi steht diesem Ansinnen zumindest nicht ablehnend gegenüber. „Vielleicht gibt es noch ein Treffen, zu dem auch Menschen kommen können, die nicht in den Gremien sind“, zeigt er Verständnis für das große öffentliche Interesse an der Zukunft der Kirche und macht deutlich, dass auch er eine würdige Nachnutzung für selbstverständlich hält: „Das wird natürlich keine Disco.“
Aber was dann? Girg denkt bei dieser Frage an einen Ort für Lesungen, Konzerte oder auch universitäre Veranstaltungen. Die ebenfalls bereits diskutierte Errichtung eines Kolumbariums, einer Art Regalwand für Urnen, wurde indes schon wieder verworfen, weil dazu Wartungspersonal notwendig wäre.
Placet vom Bischof nötig
Laut Girg gibt es einen – ihm namentlich nicht bekannten – Investor, der nicht nur beharrlich an dem Projekt dran sei, sondern auch die notwendige Sensibilität dafür zeige. Nicht zuletzt deshalb hat er mittlerweile seine Meinung zum Verkauf geändert: „Warum sollten wir den Karmeliten hier im Weg stehen?“
Nüchtern betrachtet ist die Theresienkirche selbst bei dem Deal nur die Dreingabe. „Es geht vor allem um das Gelände und das Seminargebäude“, lässt Pater Kiyangi keinen Zweifel daran, was den Karmeliten wirklich Geld bringen und auch dem Investor stattliche Verdienstmöglichkeiten eröffnen würde.
Trotzdem hängt letztlich alles an dem denkmalgeschützten Gotteshaus. Wenn dieses nämlich nicht profaniert, also entweiht wird, geht gar nichts. Diesen Akt kann nur der Bischof vollziehen.