Zukunftspläne für Theresienkirche sorgen für hitzige Debatte

Von Daniel Steffen · 17. März 2023 um 17:00

„Man wirft Gott nicht aus seinem eigenem Haus raus.“ Mit derartigen Vorwürfen sahen sich am Donnerstag die Brüder vom Orden der Unbeschuhten Karmeliten konfrontiert. Dieser hatte selbst in die Kirche St. Theresia eingeladen, um mit den Anwohnern über die Zukunft des Kirchengebäudes zu sprechen.

Weil dem Orden das nötige Geld fehlt, sieht er sich gezwungen,den im Jahr 1900 eingeweihten Sakralbau samt der ehemaligen Kloster- und Seminargebäude zu verkaufen.

„Niemand wollte diesen Weg. Die Entscheidung fiel den Karmeliten unheimlich schwer“, betonte Diana Göppel von der Wirtschaftsprüfungs- kanzlei Dr. Kittl + Partner, die sich unter anderem mit kirchlichen Einrichtungen beschäftigt. Rückläufige Einnahmen und Spenden und Mehrausgaben für die Versorgung älterer Mitbrüder hätten den Orden in eine finanziell angespannte Lage gebracht, hieß es. Darum könne er die dringend erforderlich Sanierung der Kirche nicht stemmen. Aus Gründen des Denkmalschutzes und der Sicherheit wegen ist eine Kirchensanierung für den Käufer zwingend notwendig.

Es gab bereits mehrere Interessenten

Vier mögliche Käufer hätten Interesse am Gebäudekomplex gezeigt, doch nur einer sei bereit gewesen, die Kirche weiter zu nutzen. Wer dieser Interessent ist, wurde am Donnerstag nicht genannt, doch habe er „erhebliche Probleme mit der Finanzierung des Kaufpreises“. Es sei also unwahrscheinlich, dass der Kaufpreis „tatsächlich geflossen wäre“, betonte die Steuerkanzlei.

Mit der wahrscheinlichen Profanierung der Kirche haben viele Kumpfmühler ein Problem. „Die Kirche wurde für nichts anders als die Gottesdienste gebaut. Alles andere ist Kitsch und Lüge“, sagte Ruhestandspfarrer Simon Ascherl, der täglich Gottesdienste in St. Theresia hält. Eine profane Weiternutzung lehnte er kategorisch ab.

Davon gab es im Referat der Steuerkanzlei einige Beispiele: Von einem Museums- oder Ausstellungsort mit Tagescafe über einen Proberaum für Chöre und Orchester bis hin zum Ort für Symposien machten verschiedene Ideen die Runde. Wirklich überzeugen konnten diese Vorschläge das Publikum mehrheitlich nicht.

Noch gibt es keine Entscheidung

Klar wurde jedoch: In trockenen Tüchern ist in St. Theresia noch nichts. Wie Göppel sagte, sei noch kein Vertrag unterschrieben, auch liege die Genehmigung für eine Profanierung bislang nicht vor. „Die Genehmigung müsste der Bischof auf Antrag des Ordens vornehmen“, erklärte Prälat Michael Fuchs im MZ-Gespräch.

Noch bis zum 31. Juli 2024 ist der Seelsorgevertrag zwischen dem Orden und der Pfarrei St. Wolfgang gültig. So lange wird die Pfarrei die Kirche St. Theresia für Gottesdienste definitiv nutzen – es sei dem, die Gremien der Pfarrei stimmen einer vorzeitigen Vertragsauflösung zu. Mit diesem Anliegen sei der Orden bereits an die Pfarrei herangetreten, so Fuchs. Schon 1987 kam der (jährlich kündbare) Vertrag zustande, nachdem die Karmeliten mit ihren Patres aus dem ehemaligen Klostergebäude ausgezogen waren.