Zwischen Frust und Lust: „Tanz Dahoam“ in der Regensburger Theresienkirche

Bei kommenden Events sollte an der Präsentation in dem besonderen Raum gefeilt werden. Manche Darbietung konnte man nur von wenigen Plätzen aus verfolgen und auch das Spatzenquartett geriet im großen Kirchenschiff zu einem Klangbrei.
Bläulich-weiße Leuchtstoffröhren, die zwischen dicht gedrängten Menschen Lichtspuren am Boden der Kirche ziehen. Heftiges Windrauschen, das nach und nach von monoton dröhnenden Sounds überlagert und verdrängt wird. In den Händen zweier Tänzer bewegen sich die Leuchtstoffröhren inmitten der Zuschauerpulks, laufen zu den Beichtstühlen, in denen sie nach Vergebung suchen. Eine Tanzperformance, eingerahmt von perfekt gesungenem Shoo-bi-doo-Pop und einer sozialpsychologischen Aktion – man könnte auch sagen Studie rotgekleideter Menschen – das war das erste „Tanz Dahoam“ in der aufgelassenen Regensburger Theresienkirche.
Trotz Sichtbarrieren wurde Premiere stürmisch gefeiert
Das neue Format der Tanzcompany des Regensburger Theaters erlebte am Wochenende eine stürmisch gefeierte Premiere. Worauf sich die Begeisterung genau bezogen hat, ist allerdings einem größeren Teil des Publikums nur diffus klar geworden. Die anfänglich von den Besuchenden frei gehaltene Tanzfläche war nach dem Auftritt des Spatzenquartetts perdu. Die großartigen Sänger hatten das Publikum aufgefordert, näher in Richtung Altarraum zu kommen, wo sie vor der beeindruckenden Lichtinstallation von Audionaut, alias Max Zeller, Aufstellung genommen hatten.
Lesen Sie hier: Diese Oper kreist um sich selbst
Ein Genuss für die, die es mit oder ohne Ellbogen geschafft hatten, im Umkreis des Männerquartetts einen Platz zu ergattern und sich dem mehrstimmigen Gesang hingeben zu können. Im hinteren Bereich des Kirchenschiffs gerieten die Stimmen allerdings zu einem schrillen, verzerrten Klangbrei. Noch schwieriger wurde es fürs Publikum, als Leander Veizi und Vincent Wodrich hinter dem Lichtvorhang hervortanzten. Deren Performance war nur für eine Handvoll Zuschauender erlebbar. Auch als sich die Tänzer zur Mitte des Raums vorgearbeitet hatten, war die Sicht erheblich eingeschränkt. Das setzte sich im hinteren Bereich der Kirche fort, als Wodrich und Veizi im schwankenden Licht eines Leuchters um sich kreisten und mit einem spannungsvollen Duett ihren Part abschlossen.
Ein Experiment, das an Monty Python erinnert
Eine Gruppe rot gekleideter Menschen schlüpfte daraufhin zwischen Wand und dem Lichtvorhang in den großen Raum. Die Lichtinstallation betonte den einstigen sakralen Charakter des Chors . In einer Mittelgasse wanderten, liefen, schlenderten und rannten diese entindividualisierten Personen auf und ab. Das von Paula Dischinger entwickelte Experiment warf die Frage auf, wie sich Einzelne in einer Gruppe, einer Herde verhalten, wenn sich jemand an die Spitze setzt. Oder wenn jemand die Richtung wechselt, stehen bleibt oder plötzlich – ein wenig wie die Monty Python mit ihrem Sketch „Ministerium der albernen Gangarten“ – eine seltsame Form der Fortbewegung einschlägt.
Lesen Sie hier: Auftakt nach Maß mit dem Goldmund-Quartett
Nach dem unerwartet frenetischen Schlussapplaus verließen viele Gäste dennoch eher unzufrieden die Benefizveranstaltung zugunsten der Leukämiehilfe Ostbayern. Es war ein Spektakel, ein licht- und klangstarkes Event, das allerdings in der Raumnutzung noch nachjustiert werden muss.