45 Meter hoher Blickfang in Regensburg leuchtet wieder in Gelb

Von Marion Koller · 25. April 2025 um 05:00

Den Turm von St. Theresia hat der neue Besitzer schon saniert. Die profanierte Kirche wird bald folgen. Im Regensburger Stadtteil Kumpfmühl entsteht ein Kulturort für den Stadtsüden. Dort leben immerhin 15.000 Menschen.

Noch umhüllen weiße Planen die Theresienkirche. Sie verbergen die Gerüste. Dachdecker verlegen Schwalbenschwanz-Ziegel. Darüber erhebt sich der sanierte Turm, dessen makellose Fassade in kräftigem Gelb leuchtet. Die Uhr, die lange stillstand, tickt wieder richtig. Auch die Planungen für einen Veranstaltungsraum im ehemaligen Gotteshaus laufen. Die Umgestaltung, innen und außen, liegt in Händen des Architekten Patrick Greber, der sich auf die Umnutzung profanierter Kirchen spezialisiert hat. Die Details spielen eine große Rolle für ihn, nicht zuletzt weil St. Theresia unter Denkmalschutz steht.

Ende Juli 2024 hat Thomas Dietlmeier, Gründer der Immobilien Zentrum Unternehmensgruppe (IZ), die Kirche und das Klosterareal von den Karmeliten erworben. Der Orden hatte sich nach fast 125 Jahren wegen der hohen Sanierungskosten für den Verkauf entschieden. Die Rede war von „unter fünf Millionen Euro“.

Kommt eine Theaterbox?

Das Profanierungsdekret verlas Prälat Michael Fuchs im Juli bei einem Abschlussgottesdienst, zu dem viele Kumpfmühler kamen. Am Jahresende erklangen vermeintlich ein letztes Mal die Glocken. Sie sollten entfernt werden. Der neue Eigentümer und der Orden verständigten sich aber darauf, sie im Turm zu belassen.

Das Innere von St. Theresia wandelt sich: Ein Ort für Kultur und gesellschaftlichen Austausch mit dem Namen „Theresia – Raum für Ideen“ entsteht. „Auch für uns ist das ein Versuch, wir tasten uns hier vo-ran“, sagt Laura Schuster vom IZ, die die Nutzungen organisiert. Der Hauptfokus liegt auf dem Inneren des Gebäudes, da das äußere Erscheinungsbild erhalten bleibt. Die Außenanlagen des ehemaligen Klosters sollen in der ursprünglichen Funktion als Rückzugsort mitten in Kumpfmühl genutzt werden.

„Wir haben im Innenraum viele Optionen“, sagt der gebürtige Schweizer Patrick Greber, der seit zwei Jahren für das IZ tätig ist. Er hat zum Beispiel die Umnutzung der evangelischen Baseler Oekolampad-Kirche, benannt nach einem örtlichen Reformator, mitgeplant. Entstanden ist ein Quartierszentrum, das etwa Vereine nutzen. Dort wurde im Kirchenschiff eine abgeschlossene Theaterbox für Aufführungen installiert. Greber spricht von einer Haus-in-Haus-Nutzung. Denkbar sei das auch für die Theresienkirche.

Rund 340 Quadratmeter stehen in dem neobarocken Gebäude von Anfang des 20. Jahrhunderts zur Verfügung. „Wir möchten eine Veranstaltungsfläche für bis zu 400 Personen genehmigen lassen“, kündigt Greber an. Licht, Schall, Heizung und Brandschutz nennt er als wichtige Themen. Sanitäranlagen werden wohl in den Nebenräumen untergebracht.

Im Januar öffnete die Kirche erstmals wieder. Die Donau Volleys feierten Fasching – mit Bars in den Beichtstühlen und DJ-Pult am einstigen Altar-Standort. „Das hat gut funktioniert“, urteilt Greber.

Kulturort für den Stadtteil

Thomas Dietlmeier will Leben in das Gebäude bringen. Er kann sich Ausstellungen, Konzerte, Vorträge und Themenabende vorstellen. „Eigentlich für alle Nutzungen, die die Einzigartigkeit des Gebäudes würdigen.“ Die Kunstschaffenden und Vereine müssen nur die Nebenkosten übernehmen, keine Miete.

Der Geschichts- und Kulturverein Regensburg-Kumpfmühl wird sich mit mehreren Kulturabenden pro Jahr einbringen. Vorsitzender Dr. Rainer Girg freut sich über die Turmsanierung. „Die Kirche wird folgen.“ Sie sei das Kumpfmühler Wahrzeichen. Bei besonderen Ereignissen werden auch künftig die Glocken läuten. Der Umbau biete die Chance, dass nicht alle Veranstaltungen im Stadtzentrum stattfinden müssten. Girg hofft auf eine Lösung des Heizungsproblems. Die veraltete Heizung wurde ausgebaut.

Erste Termine

Ausstellung und Lesung: Am Samstag, 19 Uhr, liest Rita Lell aus „70 Jahre – wie konnte das passieren?“ Sie zeigt Bilder, Dagmar Menke Fotokompositionen.

Lichtinstallation: Von 17. bis 21. September verwandelt Max Zeller die Kirche in ein Kunstwerk.

Gitarrenkonzert: Das plant der Geschichtsverein im Oktober zum Parozinium.

Architekt Patrick Greber will einen Veranstaltungsort für bis zu 400 Gäste genehmigen lassen. Foto: Greber