„Das ist dramatisch“: Bahn streicht Hunderte Radparkplätze am Regensburger Hauptbahnhof

Von Philip Hell · 4. September 2025 um 05:00

Das dürfte vielen Radlern stinken: Die Bahn macht einen beliebten Abstellplatz am Regensburger Hauptbahnhof dicht. Auch die Stadt wurde von der Entscheidung überrascht – von Verbänden hagelt es Kritik.

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Der Radabstellplatz befindet sich auf Gleis 1 des Bahnhofs. Hier stehen einige hundert Räder. Der Parkplatz ist äußerst beliebt – nun ist er mit Bändern und Warnbaken abgesperrt. Ein Schild weist darauf hin, dass diese „Fahrradabstellung“ ab dem 1. September nicht mehr zur Verfügung stehe.

Eine Bahnsprecherin sagt auf Anfrage, dass „die Fläche dauerhaft für betriebliche Abläufe der DB benötigt wird“ – unter anderem für umfangreiche Bauarbeiten am Bahnhof im kommenden Jahr. Dann sollen laut Sprecherin sämtliche Fahrtreppen ausgetauscht und die Bahnsteigdächer saniert werden. Dazu brauche man eine Fläche für die Baustelleneinrichtung. Zudem werden Lagerflächen an Gleis 1 verlegt und erweitert. Darüber hinaus brauche man breitere Durchgänge für den Fußball-Fanreiseverkehr, betont die Bahnsprecherin. Zugestellte Flucht- und Rettungswege durch falsch abgestellte Räder seien bislang häufig der Fall – das soll künftig vermieden werden.

Die Entscheidung habe im Juni festgestanden, im August seien entsprechende Plakate angebracht worden – diesen ist zu entnehmen, dass widerrechtlich abgestellte Räder kostenpflichtig entfernt werden. Nur: Wie kommt man wieder an sein Rad? Die Bahnsprecherin erläutert: „Die Fahrräder werden als Fundsachen behandelt, erfasst und eingelagert. Bei der Bundespolizei wird überprüft, ob die Fahrräder gegebenenfalls als gestohlen gemeldet sind.“ Eigentümer können ihren Drahtesel zwischen 8 und 18 Uhr beim Service-Personal abholen.

Die Radstellplätze sind also weg. Gedenkt die DB, Ausweichflächen auszuweisen? Die Bahnsprecherin verweist auf die Stadt, in deren Zuständigkeitsbereich der ruhende Verkehr grundsätzlich liege und betont, dass im Zuge der Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes mehrere neue Abstellmöglichkeiten geschaffen wurden.

Stadt Regensburg will Alternativen suchen

Die Stadt ist allem Anschein nach ein wenig überrumpelt worden von der Entscheidung der DB, die Flächen zu streichen. Die Verwaltung sei Anfang August über den Schritt informiert worden, sagt Stadtsprecherin Katrin Holzgartner. Sie betont: „Die Stadt untersucht derzeit, inwieweit die entfallenden Stellplätze auf den städtischen Fahrradabstellanlagen im Bereich des Bahnhofes durch Nachverdichtung oder Erweiterung weiter kompensiert werden können.“

Im Rahmen der Umgestaltung seien im Mai ohnehin schon neue Radstellplätze am Bahnhof geschaffen worden, sagt auch Sprecherin Holzgartner. Eine zum Beispiel nur wenige Schritte von Gleis 1 entfernt – dort ist allerdings kaum mehr Platz frei, Reisende parken ihre Räder teils neben der Abstellfläche. Auch Stadtsprecherin Holzgartner bestätigt: „Die bestehenden Fahrradabstellanlagen sind sehr stark ausgelastet.“ Ein Thema, dass die Stadt umtreibt, betont Holzgartner: „Aufgrund der starken Auslastung wird fortlaufend geprüft, inwieweit die Fahrradabstellmöglichkeiten verbessert werden können.“

Regensburger ADFC-Chef: „Das ist dramatisch“

Benedikt Benz ist Vorsitzender des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) in Regensburg – und er ist Pendler. Täglich fährt er mit dem Rad zum Bahnhof. Normalerweise stellt er es im Osten ab, doch bei Wind und Wetter sei er auf die Stellplätze auf Gleis 1 ausgewichen. Der einfache Grund: „Das sind die einzigen Plätze, die überdacht sind.“ Durch den Schritt der Bahn gingen mithin mehrere Hundert qualitativ hochwertige Radparkplätze verloren, sagt Benz. Er schätzt die Zahl auf 350. Der ADFC-Chef macht deutlich: „Das ist dramatisch.“ Dabei gebe es am Bahnhof „chronisch zu wenige Parkplätze.“ Die Entscheidung der Bahn zeige zugleich, dass in Sachen Radparkplätze eher ab- als aufgebaut wird – das sei ein Unding. Benz hätte da eine Idee: „Man sollte in die Höhe bauen, das ist effizient.“ Der Vorschlag des ADFC: Radparkhäuser.

Wolfgang Bogie, Chef des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) in Regensburg, betont ebenfalls, dass es am Bahnhof einen sehr starken Druck auf Abstellflächen für Räder gebe. Das zeige sich beispielsweise dadurch, dass die Parkmöglichkeiten, die die Stadt vor dem Bahnhof kürzlich geschaffen hat, innerhalb kürzester Zeit belegt waren. Da fehlten die Flächen, die die Bahn nun gestrichen hat, natürlich. Durch die Bahn-Pläne gehen dabei sehr gute Parkplätze verloren, betont auch Bogie.

Gut gefüllt: Auf dem Radparkplatz vor dem Hauptbahnhof sind kaum noch Plätze frei. - Foto: Philip Hell

Die Forderung des VCD: „Wir brauchen rund um den Bahnhof zwischen 2500 und 3000 Radparkplätze.“ Im Moment seien es rund 1000 – Tendenz sinkend. Auch Bogie findet ein Parkhaus für Räder sehr gut. Das sei zum einen überdacht und zum anderen auch sicherer. „Man will ja auch mal mit einem guten Rad zum Bahnhof fahren. Nicht jeder will sich ein altes Rad halten, mit dem man nur zum Bahnhof fährt.“ Aus seiner Sicht werde der Druck nicht nachlassen – im Gegenteil: „Der Anteil der Radler steigt.“

Die Generalsanierung der Bahn in Bayern und in Regensburg

• Bauarbeiten: Die Bahn will im kommenden Jahr zahlreiche Strecken in Bayern in Schuss bringen. Das Unternehmen hat dieses Vorhaben „Generalsanierung“ getauft.

• Region: Rund um Regensburg werden die Strecken nach Nürnberg und Passau saniert.

• Bahnhöfe: Auch die Stationen selbst sollen aufgehübscht werden. Dazu braucht die Bahn Platz – so wie nun am Regensburger Hauptbahnhof.