Alles Baustelle: Mehrere Großprojekte auf einmal zehren an den Nerven der Regensburger

Von Christian Eckl, Jonas Raab · 23. April 2025 um 17:00

„Gesperrt“, „Durchfahrt verboten“, „keine Wendemöglichkeit“: An allen Ecken und Enden der Altstadt stehen derzeit rot-weiße Absperrungen. Regensburg repariert sich. Autofahrer werden kreativ – sofern irgend möglich. Anrainer blicken mit gemischten Gefühlen auf die Baustellen-Flut.

Seit Dienstagmorgen ist die Gesandtenstraße für Auto- und Radfahrer gesperrt. Ein Teil der Pflastersteine wird erneuert. Am frühen Nachmittag klaffen die ersten Löcher in der „Hauptstraße“ der Altstadt. Im Presslufthammer-Lärm drängen Menschenmassen an den Absperrungen vorbei. Für Autofahrer wird der Bismarckplatz zum Scheideweg. Wohin jetzt? Zeit vergeht, bis manch einer diese Entscheidung trifft. Die Umleitung führt über die Predigergasse, die Glockengasse und die Ludwigstraße. Das scheint nicht allen geheuer, was zu Wendemanövern führt.

Thomas Juppe, Geschäftsführer vom Stenz, nimmt die Baustelle gelassen. „Kurz und heftig“ sei der Lärm am Montag gewesen, als das Pflaster direkt vor dem Eisladen aufgerissen worden ist. „Die Kolleginnen mussten die Kunden anschreien, um verstanden zu werden.“ Ein Platzproblem sieht Juppe nicht. Im Gegenteil. „Es ist schön, dass was gemacht wird und wir sind froh, wenn die Gesandtenstraße verkehrsberuhigt ist.“

Hätte man nicht ein bisschen früher anfangen können?

Kilian McVey, Cafe-Bar

Auch ein paar hundert Meter weiter klafft ein Loch im Pflaster. Wie sich die Arbeiten auf das Geschäft der Cafe-Bar auswirken, vermag Kilian McVey noch nicht zu sagen. „Hätte man nicht ein bisschen früher anfangen können?“, fragt er sich mit Blick auf die anlaufende Freisitz-Saison. Voraussichtlich bis Mitte Juni sollen die Arbeiten dauern.

Baustellen in Regensburg: Abenteuerliche Wendemanöver an der Steinernen Brücke

Auch die Thundorferstraße ist seit Dienstag dicht. Zwischen der Weiße-Hahnen-Gasse und dem St.-Georgen-Platz lässt die Stadt Kanalschachtabdeckungen erneuern. Am Arnulfsplatz werden Autofahrer drauf hingewiesen – auch darauf, dass keine Wendemöglichkeit besteht. Viele versuchen dennoch ihr Glück. Spätestens an der Wurstkuchl ist Schluss. Am Aufgang zur Steinernen Brücke sorgt das für abenteuerliche Wendemanöver. Die gute Nachricht: Heute sollen die Bauarbeiten abgeschlossen sein.

In der Regensburger Altstadt werden mehrere Straßen saniert. Dass die Maxstraße deshalb gesperrt ist, ist manch einem Autofahrer egal. - Foto: Jonas Raab

Anders ist das in der Maxstraße, die seit Dienstag ein neues Pflaster bekommt. Bis Ende Mai sollen die Bauarbeiten vor dem Park Hotel voraussichtlich dauern. Die meisten Autofahrer lässt die Sperre aber kalt. Obwohl am Ernst-Reuter-Platz gerade die Polizei zugange ist, drängt sich ein Auto nach dem anderen auf dem freigehaltenen Rettungsweg an der Baustelle vorbei.

Durchfahren darf man am Regensburger Hauptbahnhof schon seit mehr als drei Jahren nicht mehr. Die Umgestaltung des Vorplatzes biegt nun endgültig auf die Zielgerade ein. Alle Pflastersteine sind verlegt. Dort, wo einst die Straße entlang führte, stehen in Reih und Glied Bäume in ihren Pflanzkübeln. Drum herum finden seit Dienstag Markierungsarbeiten statt. „Zügig und planmäßig“ geht es laut Stadtsprecherin Katrin Holzgartner bei dem 1,1-Millionen-Projekt voran. Anfang Mai soll die Fläche geöffnet werden. Wie es mit der Durchfahrt weitergeht, entscheidet sich wohl im kommenden Jahr. Astrid Freudenstein, OB-Kandidatin der CSU, hat unlängst angekündigt, die Sperre aufzuheben, sollte sie Oberbürgermeisterin werden.

Bau-Endspurt am Hauptbahnhof Regensburg - Foto: Jonas Raab

Drunter und drüber geht es seit zwei Wochen in der Helenenstraße am Eck zum Vaulschink. Zwar weisen Schilder auf Höhe der Englischen Fräulein darauf hin, dass es keine Wendemöglichkeit gibt, gerade für Lastwagen. Doch jeden Tag biegen zig Fahrzeuge in die Straße ein, um dann vor einer Absperrung zu stehen. Dort, am Schloss St. Emmeram, wollen viele in Richtung Petersweg. Manche, gerade Ortskundige, riskieren es und fahren mit Vollgas durch die Marschallstraße – entgegen der Einbahnstraße. Dieser Husarenritt mündet entweder links im Ägidienplatz. Immer wieder aber fahren Autos nochmals in der falschen Richtung in die Einbahnstraße, um auf den Emmeramsplatz zu kommen – ein gefährliches Unterfangen.

Wer sich an Umleitungen hält, muss teils weite Wege auf sich nehmen. „Wenn ich mit dem Auto in die Nähe meiner Wohnung kommen möchte, bin ich jetzt dreimal so lange unterwegs“, sagt eine Altstadt-Anwohnerin zur MZ.

Baustelle in der Gumpelzhaimerstraße in Regensburg „zieht sich wie Kaugummi“

Weiter draußen sorgen Bauarbeiten für Frust bei Pendlern. Die Gumpelzhaimerstraße ist seit Oktober stadteinwärts gesperrt, weil die Rewag Wasser-, Gas- und Stromleitungen verlegt. Anfang 2025 sollten die Arbeiten abgeschlossen sein, hieß es zunächst. Mittlerweile geht die Rewag von Ende Mai aus.

Kommende Woche sollen die Asphaltierungsarbeiten beginnen. Zu unvorhersehbaren Verzögerungen sei es nicht gekommen, der Zeitplan sei lediglich konkretisiert worden, sagt Pressesprecher Nikolaus Sackersdorff.

Eva Freisleben stöhnt, als sie erfährt, wie lange es noch dauert. Sie betreibt ein Café mit Bäckerei an der Gumpelzhaimerstraße. Das Pendlergeschäft fehlt seit Monaten. „Es ist schon ein Kampf“ – gerade weil die Kurzzeitparkplätze nun auch noch der Baustelle zum Opfer gefallen seien. „Es zieht sich wie Kaugummi“, sagt Freisleben. Dennoch bleibt sie optimistisch. Nach verschiedenen Aktionen und einer kleinen Neuausrichtung blickt sie dem Ende der Baustelle als Anfang entgegen.