Der Umbau am Regensburger Bahnhof geht zu Ende, die Debatte um den Verkehr nicht

Durchfahren oder nicht? Die Verkehrsführung am Regensburger Hauptbahnhof wird auch dann noch ein kontroverses Thema sein, wenn die Umgestaltungsmaßnahmen demnächst abgeschlossen sind.
Eine von Regensburgs meistdiskutierten Baumaßnahmen ist auf die Zielgerade eingebogen: Seit wenigen Tagen laufen die Restarbeiten zur Neugestaltung des Bahnhofsvorplatzes, in gut zwei Monaten soll das 870 000-Euro-Projekt abgeschlossen sein.
Wenn nichts mehr dazwischenkommt, handelt es sich um den seltenen Fall einer im Zeit- und Kostenrahmen bleibenden Großbaustelle – ein Grund zur ungeteilten Freude ist sie aber immer noch nicht.
„Für uns gilt weiterhin: Abschaffen, sobald es geht“, sagt Michael Lehner. Der Vorsitzende der CSU-Stadtratsfraktion meint damit die Unterbrechung der Durchfahrt.
Was meint die Mehrheit?
Seit mehr als drei Jahren kann der Bahnhof zwar weiterhin aus westlicher wie aus östlicher Richtung mit dem Auto angesteuert werden, doch anschließend muss gewendet werden. Die freie Passage ist nur noch am südlichen Bahnhofsvorplatz über die Friedenstraße/Arcaden möglich.
Mit dieser Situation will sich Lehner nicht abfinden. Prinzipiell stört ihn, dass die an der Altstadt vorbeiführende Verkehrsachse immer weiter nach Süden wandert. „Das ist für viele umständlich, außerdem wohnen an der Friedenstraße auch Menschen“, gibt er zu bedenken. Während diese einem ungebremst stärker werdenden Verkehr ausgesetzt seien, müssten weiter innen beheimatete Geschäftsleute und Dienstleister mit eingeschränkter Erreichbarkeit kämpfen.
Lehner nennt in diesem Zusammenhang die Mieter des Castra-Regina-Centers, das RVV-Kundenzentrum, die Hypovereinsbank oder auch seinen Stadtratskollegen Marcus Troidl, dessen Physiotherapie-Praxis in diesem Bereich liegt: „Die leiden darunter, und zwar massiv.“ Der CSU-Fraktionschef stellt daher einmal mehr die Grundsatzfrage, ob es klug sei, ausgerechnet eine Mobilitätsdrehscheibe wie einen Hauptbahnhof von einem Teil der Mobilität abzuschneiden.
Die Antwort gibt er gleich selbst: „Das gibt es so gut wie nirgends.“ Obwohl es in der Diskussion über dieses Thema zuletzt sehr leise geworden ist und der baldige Abschluss der Umgestaltungsmaßnahmen wie eine dauerhafte Festigung des aktuellen Zustands wirken könnte, hält Lehner an einer Aufhebung der Durchfahrtssperre fest. „Das ist meine Meinung und auch die Mehrheitsmeinung in Regensburg.“
Es gibt auch Anhänger der aktuellen Regelung
Ob er damit richtig liegt, ist schwer einzuschätzen. Fest steht allerdings, dass es in der Bürgerschaft auch Anhänger der jetzigen Verkehrsregelung gibt – nicht zuletzt wegen der im Vergleich zu früher deutlich komfortableren Situation für Fußgänger und Radfahrer. „Für die besteht ein klarer Qualitätsgewinn“, sagt auch Daniel Gaittet, Co-Fraktionschef der Grünen im Stadtrat.
Mit dem Auto hält er den Hauptbahnhof „sehr gut über die Südseite erreichbar“. Insgesamt, so Gaittet, sei er offen dafür, die von mehreren Provisorien geprägte Verkehrssituation in diesem Bereich nochmals genauer unter die Lupe zu nehmen – aber nicht einseitig zugunsten einer Aufhebung der Durchfahrtssperre.
Über diese hatte sich neben der CSU bislang nur die Brücke-Fraktion negativ geäußert. An dieser Haltung hat sich nichts geändert, wie der Vorsitzende Joachim Wolbergs betont: „Das ist nach wie vor völlig sinnfrei. Eine reine Schikane, die auch ökologische Auswirkungen hat, weil die Autofahrer zu Umwegen gezwungen werden.“
Gegner warten erst einmal ab
Könnte der ab Mai neugestaltete Vorplatz also in absehbarer Zeit mit grundlegend anderen Verkehrsregeln belegt werden? „Wenn es andere Mehrheiten gibt, wäre das möglich“, richtet Wolbergs den Blick bereits ein Jahr voraus, wenn der neue Stadtrat gewählt wird. Sofern es nicht mit nennenswerten Kosten verbunden wäre, hält er die Wiedereinführung des alten Zustands für naheliegend.
Auch Lehner spielt auf Zeit. Man werde sich die Situation ab Mai anschauen und dann die nächsten Schritte überlegen, sagt er. Eines stellt er aber schon jetzt klar: „Ich habe nichts dagegen, dass Fußgänger und Radler hier die erste Geige spielen – zumachen muss man deshalb aber nicht.“
