Nur Fußgänger können durch: Straße in Regensburger Altstadt wird monatelang zur Groß-Baustelle

Von Philip Hell · 29. März 2025 um 05:00

Die Schilder hängen schon: In rund drei Wochen wird die Gesandtenstraße in Regensburg für zwei Monate gesperrt. Nur Fußgänger können diese Hauptroute durch die Altstadt dann nutzen. Die Händler sehen das Ganze pragmatisch.

Die Stadt spricht von punktuellen Schäden im Pflaster. Gerade diese kosteten aber viel Zeit, erläutert Sprecherin Katrin Holzgartner auf Anfrage. Es handele sich um kleinteilige und aufwendige Handarbeit. Dazu kommt, dass der Zement rund vier Wochen aushärten muss, weshalb die Bauarbeiten so lange dauern.

Während der Maßnahme sei eine Durchfahrtssperre unerlässlich, betont die Stadt. Um die Einschränkungen zu minimieren, werde zeitgleich an zwei Abschnitten gearbeitet. Begonnen wird am Bismarckplatz, von dort geht es bis Mitte Juni Stück für Stück in Richtung Neupfarrplatz bis zur Roten-Hahnen-Gasse. Der Verkehr wird in dieser Zeit umgeleitet (siehe Infokasten am Ende des Textes).

Baustelle in der Regensburger Gesandtenstraße hat positive Effekte

Die Stadt betont, mit allen Betroffenen frühzeitig über die Arbeiten und deren Auswirkungen gesprochen zu haben. Alle Anwohner könnten während der Arbeiten jederzeit in ihre Häuser. Auch mit den Betrieben habe man eng zusammengearbeitet. Es wurden eigens Zonen zum Be- und Entladen von Waren eingerichtet. Die Groß-Baustelle mitten im Frühsommer wird sich auch auf die Gastro-Betriebe in der Gesandtenstraße auswirken. Mit ihnen hat die Stadt ebenfalls eng zusammengearbeitet, betont Sprecherin Holzgartner. Die Bauunternehmen seien bemüht, den Straßenraum bestmöglich auszunutzen. Die Gastro solle weitestgehend unbehelligt bleiben, sagt Holzgartner und betont: „Außerhalb der Bauzeiten kann sich die Verkehrsberuhigung zudem positiv auf die Aufenthaltsqualität auf den Freisitzflächen auswirken.“

Wie bereiten sich Anrainer auf die Baustelle vor? Die MZ hat sich in der Gesandtenstraße umgehört. Fangen wir im Westen an: bei der Kult-Eisdiele Stenz. Nur wenige Schritte vom Bismarckplatz entfernt bilden sich dort schon beim fahlsten Sonnenstrahl lange Schlangen. So ganz weiß Geschäftsführer Thomas Juppe noch nicht, was ihn erwartet. Er geht allerdings davon aus, dass es trotz Bauarbeiten genug Platz für Eishungrige gibt. Er kann dem Vorhaben sogar etwas Positives abgewinnen: „So eine richtige Fußgängerzone ist die Gesandtenstraße eh nicht. Von dem her ist das vielleicht gar nicht schlecht.“ Trotzdem betont er: „Ich hoffe, dass es nicht lange dauert.“ Dezidiert für den Stenz hat Stadt-Sprecherin Holzgartner eine gute Nachricht: „An dieser Stelle ist nicht mit Einschränkungen durch die Baumaßnahme zu rechnen, die Zugänglichkeit bleibt bestehen.“

„Wir sind gespannt“: Auch die Cafe-Bar ist von der Baustelle betroffen

Auch ein paar hundert Meter weiter wartet man gespannt auf die Arbeiten: Die legendäre Cafe-Bar vis-a-vis der Dreieinigkeitskirche ist ein beliebter Szene-Treffpunkt. Kim Ksiazek vom Team der Kaffee-Institution weiß auch noch nicht so recht, was sie von der Baustelle halten soll. „Wir sind gespannt.“ Grundsätzlich rechne sie schon damit, dass die Freisitze offen bleiben. Das werde sich allerdings während der Arbeiten zeigen. „Wenn es mal staubt, dürfte es für unsere Gäste wohl eher weniger angenehm sein.“ Ksiazek und die Cafe-Bar sehen dem Ganzen eher gelassen entgegen: „Es ist wie immer in der Gastro: Schau ma mal, dann seng mas scho!“

Ähnlich gelassen sieht Nachbar Jürgen Wittmann die Lage. Er betreibt gemeinsam mit Beate Lederer die Chin-Chin Bar und das Bohemian Hotel. Er lobt die Zusammenarbeit mit der Stadt. „Es war ein offener und guter Austausch auf Augenhöhe.“ Die Bauarbeiten seien notwendig, um die Gesandtenstraße in Schuss zu halten. „Wir helfen jetzt alle zusammen.“ Gemeinsam lasse sich für alles eine Lösung finden, betont der Gastronom. Er rechne mit wenig Auswirkungen auf seinen Freisitz und seine Gäste. „Und wenn mal ein Tisch im Weg steht, dann rück ma ihn halt ein Stückerl zur Seite.“ Man müsse das alles pragmatisch sehen. „Je mehr wir kooperieren, desto besser wird es.“ Überhaupt: „Wie sagt man in Bayern so schön? Leben und leben lassen!“

Lob für die Stadt

Maria Müller, Geschäftsführerin von Faszination Altstadt, sieht die Baustelle ähnlich: „Natürlich wird das eine Einschränkung. Bestimmte Dinge müssen aber einfach erledigt werden.“ Auch sie lobt die Kommunaktion der Stadt. Die Baustelle sei eigens um ein Jahr verschoben worden, um Dinge vorab zu klären. Einige Händler hätten schon Aktionen geplant, um die Baustelle erträglicher zu gestalten. „Wir müssen jetzt einfach das Beste draus machen.“

Alle Infos zur Baustelle in der Gesandtenstraße in Regensburg

Dauer: Die Bauarbeiten sollen am 22. April beginnen und bis zum 13. Juni dauern.

Sperre: Während dieses Zeitraums ist die Gesandtenstraße bis zur Rote-Hahnen-Gasse für den Rad-, Auto- und Lastwagenverkehr gesperrt. Daher wird eine Umleitung eingerichtet.

Alternative: Eine Ausweichroute führt über die Predigergasse, die Glockengasse und die Ludwigstraße. Diese Route ist allerdings eng und kann daher nur von Fahrzeugen mit einem Gewicht unter 7,5 Tonnen befahren werden.

Umleitung: Wer schwerer ist, wird über den Dachauplatz, den Domplatz, den Haidplatz und die Rote-Hahnen-Gasse an sein Ziel gelotst.

Domplatz: Für den „normalen“ Verkehr bleibt der Domplatz übrigens weiterhin gesperrt. Nur bestimmte Gruppen (Lieferanten, Hotelgäste, Anwohner, etc.) dürfen durch. Warum? Weil das auch für die Gesandtenstraße gilt.

Bus: Der Altstadtbus fährt den Arnulfs- und Bismarckplatz nicht an. Er wird über die Roten-Hahnen-Gasse umgeleitet.