Die Zahl der Straftaten sinkt: Aber ist Regensburg jetzt wirklich sicherer geworden?

Von Philip Hell · 25. März 2025 um 17:16

Die gute Nachricht vorneweg: In Regensburg gab es im vergangenen Jahr 5,8 Prozent weniger Straftaten. Das geht aus dem Sicherheitsbericht hervor, den die Polizei am Dienstag präsentierte. Der Blick auf die Zahlen zeigt allerdings auch: Die Beamten stehen weiterhin vor großen Herausforderungen. Ein Überblick über die wichtigsten Entwicklungen.

Fast jede zweite Straftat in Regensburg ist ein Diebstahl

Von den 13 196 Straftaten sind 5307 Diebstähle – das entspricht rund 40 Prozent. Dahinter folgen sonstige Straftaten (22,9 Prozent), Rohheitsdelikte (16,4 Prozent) – und Sexualdelikte (11,2 Prozent). Letztere sind im vergangenen Jahr sprunghaft angestiegen.

Neues Phänomen: Sexualdelikte in Regensburg nehmen deutlich zu

Im vergangenen Jahr registrierte die Polizei 285 Sexualdelikte in Regensburg – eine Steigerung um 38,4 Prozent. Kripo-Chef Robert Fuchs führte dies darauf zurück, dass Organisationen in Amerika das Internet auswerten und dabei unter anderem auf kinderpornografische Inhalte stoßen. Diese Informationen landen schlussendlich bei der örtlichen Polizei. Bei einem Großteil der Fälle handele es sich um sogenannte Pausenhof-Kinderpornografie. Konkret heißt das: Minderjährige verschicken Nacktbilder, machen sich damit mitunter strafbar – und landen so in der Kriminalstatistik. Allerdings: Vergangenes Jahr gab es auch zehn Vergewaltigungen mehr – insgesamt gab es 45. In rund einem Drittel der Fälle stammt der Tatverdächtige aus Tunesien.

Regensburg hat weiterhin ein Tunesier-Problem

Dies ist nur ein Wert, der zeigt: Die Domstadt hat weiterhin ein Problem mit Straftätern aus Tunesien. Rund 0,12 Prozent der Regensburger Bevölkerung hat einen Pass aus dem Maghreb-Staat. Zugleich begingen Tunesier in etwa 13 Prozent der Straftaten in Regensburg. Das Problem: Die Menschen aus dem Staat in Nordafrika kommen zentral nach Regensburg. Seit Sommer 2023 führt das zu Problemen. Über die Konsequenzen wurde oft berichtet: Die Behörden taten sich zusammen, zahlreiche Intensivtäter wurden zu Haftstrafen verurteilt. Rund 1500 Täter fielen mehr als einmal auf – sieben Menschen begingen sogar mehr als 20 Straftaten in einem Jahr.

Mord und Totschlag: Gewaltkriminalität steigt

Im vergangenen Jahr gab es mehr Fälle der Gewaltkriminalität (plus 13,2 Prozent) – dazu zählen Vergewaltigungen, Mord, Totschlag, Raub und ähnliche Delikte. Es gab zwölf Mord- und Totschlagsdelikte, davon wurde nur eine Tat voll-endet – ein tragischer Vorfall vor rund einem Jahr, als ein Chinese seine Frau ermordete und anschließend von einer Autobahnbrücke in den Tod sprang. Die Tat beschäftigt die Beamten noch heute. Das wurde bei der Präsentation des Sicherheitsberichts deutlich. Kripo-Chef Fuchs berichtete davon, wie Beamte die Kinder des Paares auf die Dienststelle brachten. „Ich höre die Schreie von den Buben heute noch.“

Mehr Raubdelikte – weniger Diebstähle in Regensburg

Sorgen bereiten der Polizei darüber hinaus die Raubdelikte. Die Zahl derer ist um 21 Prozent gestiegen. Die Taten geschehen überwiegend im öffentlichen Raum – das wirke sich auch auf das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung aus. Die Täter sind zumeist jung – und oft aus dem Ausland. 68 Prozent haben keinen deutschen Pass. Die Zahl der Diebstähle ist indes um knapp acht Prozent gesunken. Insgesamt verzeichnete die Polizei gut 5300 Diebstähle. Schwerpunkte gibt es in den Arcaden, dem DEZ – und im Bahnhofsgebäude.

Der Regensburger Bahnhof bleibt ein Kriminalitätshotspot

Ein kleiner Rückblick: 2023 explodierte die Kriminalität rund um den Bahnhof förmlich. Die Zahl der Straftaten ist inzwischen von rund 1080 auf etwa 770 gesunken, sagte Markus Fuchs, Leiter der Polizeiinspektion Regensburg Süd. Nur: Das liegt vor allem daran, dass es aufgrund der Teil-Legalisierung von Cannabis weniger Drogen-Delikte gibt. Die Zahl der Rohheitsdelikte – dazu zählen Raub und Körperverletzung – ist stabil auf einem hohen Niveau. Um dem entgegenzuwirken haben die Behörden eine Reihe von Maßnahmen auf den Weg gebracht. Seit einigen Monaten läuft rund um die Uhr eine Videokamera und nachts wird der Bereich rund um das Schwammerl ausgeleuchtet. Darüber hinaus zeigt die Polizei weiterhin Präsenz.

Regensburg und Drogen: Ein Problem seit Jahren

Das Geheimnis hinter der sinkenden Zahl von Straftaten liegt auch abseits vom Bahnhof in der Rauschgiftkriminalität. 2024 gab es knapp 40 Prozent weniger entsprechende Delikte, eben wegen der Teil-Legalisierung. Dennoch bleibt Gras ein Problem. Etwas weniger als die Hälfte aller Drogen-Delikte dreht sich um Cannabis. Dahinter folgen schon Kokain – und Crack. Eine Droge, die aus Kokainsalz und Natron hergestellt wird und gerade in Deutschland auf dem Vormarsch ist. Solche Trends kämen früher oder später immer in Regensburg an, sagte Kripo-Chef Robert Fuchs. Heroin, in früheren Jahren die Droge schlechthin, ist inzwischen weniger gefragt – das zeigt zumindest der Blick auf die Deliktszahlen.

Fazit: Wie sicher ist Regensburg wirklich?

Blickt man nur auf die große Zahl, muss man sagen: Ja, Regensburg ist sicherer geworden. Nur: Blickt man hinter die Zahlen, fällt die Antwort differenzierter aus. In manchen Bereichen ist Regensburg sogar unsicherer geworden. Und das ist die schlechte Nachricht.