Frauen sind nachts in Regensburg immer unsicherer: So will die Stadt gegensteuern

Erstmals seit rund drei Jahren kam am Dienstagabend der Sicherheitsbeirat der Stadt Regensburg zusammen. Dabei stellte Sandra Gretschel von der Gleichstellungsstelle der Stadt Maßnahmen vor, mit denen sich Frauen sicherer im Nachtleben bewegen sollen.
Gretschel betonte, dass die Sicherheit von Frauen nach Einbruch der Dunkelheit zusehends gefährdeter sei. Das beruht unter anderem auf der Wahrnehmung des Kommunalen Ordnungsservice (KOS). Dagegen möchte die Stadtverwaltung nun vorgehen.
• Stadtrat soll entscheiden: Taxigutscheine für Frauen?
Die Stadtverwaltung hat dabei einen Vorschlag der Grünen-Fraktion aufgegriffen. Die hatte vor längerem sogenannte Frauen-Taxis ins Spiel gebracht. Ein ähnliches Projekt gibt es bereits in München. Im Moment arbeite die Gleichstellungsbehörde an einem Vorschlag für ein Konzept. Dabei sollen laut Gretschel Gutscheine an Frauen ausgegeben werden. Damit seien die Kosten besser kontrollierbar. Man rechne mit Ausgaben in einem unteren sechsstelligen Bereich. Die Taxizentrale sei der Idee gegenüber aufgeschlossen. Spannend sei die Idee „Frauen fahren Frauen“ – man müsse allerdings schauen, ob es dafür genug Taxifahrerinnen gibt. Das Konzept soll dem Stadtrat noch vor der Sommerpause vorgelegt werden. In München lief das Frauentaxi zunächst schleppend an, bis die Stadt den Gutscheinbetrag erhöhte. Frauen können dort täglich bis zu drei Rabattscheine über jeweils zehn Euro abholen. Seit der Erhöhung ist die Nachfrage größer – so groß, dass die Stadt die Ausgabe derzeit gestoppt hat. Das Angebot richtet sich in München auch an Bewohnerinnen des Landkreises und Touristinnen. Das sei in Regensburg nicht geplant.
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• Sicherheit per Telefon: Nummer für den Heimweg
Darüber hinaus arbeitet die Gleichstellungsstelle laut Gretschel gerade an einem Heimwegtelefon für Regensburg. Die Idee: Wer sich nachts unsicher fühlt, kann dort anrufen. Ehrenamtliche sprechen dann mit den Menschen auf dem Heimweg und könne diese bei Gefahr orten. Das Problem: Das Personal muss erstmal gefunden, in der Folge geschult werden und mit entsprechender Technik ausgestattet werden.
• „Ist Luisa da?“ Schulungen für Barpersonal
Auch das Konzept „Ist Luisa da?“ werde derzeit für Regensburg geprüft, sagte Gretschel. Das geschehe auf Anregung des KOS, sagte Gretschel. Dabei geht es darum, das Personal in Diskotheken und Bars zu schulen. Wenn sich Frauen bedroht oder unwohl fühlen, können sie sich mit dem Spruch „Ist Luisa hier?“ an das Personal wenden. Dann werden sie in einen sicheren Raum gebracht. In der Folge werde dafür gesorgt, dass die Frauen sicher nach Hause kommen – zum Beispiel mit dem Heimwegtelefon oder einem Frauentaxi. Sie persönlich habe das Projekt bisweilen kritisch gesehen, sagte Gretschel. „Die Frau muss nach Hause gehen, während der Mann weiterfeiert.“ Dennoch sei es ein wichtiger Baustein. Das Projekt soll mit dem Frauennotruf umgesetzt werden. Dafür müssen allerdings Beratungskapazitäten vorhanden sein.
• Weitere Ideen: Schutzräume und Kampagnen
Die Gleichstellungsbehörde beschäftigt sich außerdem mit Schutzräumen für Frauen, also sogenannten „safe Spaces“. Diese könnten beispielsweise auf dem Bürgerfest oder auf der Dult entstehen. Darüber hinaus sei vorstellbar, mit weiteren Kampagnen auf verschiedene Sicherheitsaspekte hinzuweisen. Als Beispiel führte Gretschel das Thema K.o.-Tropfen an. Ein wiederkehrendes Problem in Regensburg. Zuletzt habe das Kollektiv „eben.widerspruch“ Ende vergangenen Jahres kostenlose Teststreifen für solche Tropfen verteilt. „Auch hier würden wir gerne noch mehr aktiv werden“, betonte Gretschel. Weitere denkbare Maßnahmen seien beispielsweise Aktionen, um auf Sexismus im öffentlichen Raum aufmerksam zu machen, das sogenannte „Catcalling“.
• Mehr Schutz durch Zusammenarbeit
Eine neue Arbeitsgruppe zu gründen, sei sicherlich wenig sinnvoll, sagte Gretschel. Schließlich gebe es schon zahlreiche Formate, um über das Thema zu sprechen. Sie plädiere allerdings für mehr Sicherheit durch Zusammenarbeit – zum Beispiel mit „Fair feiern“, dem Jugendbeirat – oder eben auch dem Sicherheitsbeirat.