Mann (32) aus Regensburg gesteht Waffen- und Drogendeals mit der Kripo

Von André Baumgarten · 4. März 2025 um 19:00

Verdeckte Ermittler müssen vor Gericht aussagen – unter besonderen Vorkehrungen. Denn sie sind wohl noch immer im Einsatz gegen die Organisierte Kriminalität. Der Hauptangeklagte hat im Prozess einen Deal gemacht.

Ein 32-Jähriger hat in Regensburg Waffen und Drogen verkauft – und flog auf. Denn seine vermeintlichen Geschäftspartner waren Verdeckte Ermittler der Polizei. Im Prozess hat der Türke das gestern so gestanden – zuvor jedoch einen Deal gemacht. Das Landgericht hatte dem Regensburger für Details zur Rolle der drei Mitangeklagten eine niedrigere Haftstrafe in Aussicht gestellt. Statt bis zu neun Jahren drohen dem Mann jetzt sechs Jahre und vier Monate. Er packte aus, nahm die Hauptschuld aber voll und ganz auf sich.

Dem angeklagten Quartett, dessen Kopf Sinan B. (Name geändert) gewesen sein soll, werden Einfuhr und Handeltreiben mit Waffen und Drogen in nicht geringen Mengen vorgeworfen. Im Juli waren sie beim Zugriff der Kripo verhaftet worden, nachdem sie einem Verdeckten Ermittler eine scharfe Schusswaffe sowie fast 1,2 Kilo Heroin, Kokain und Crystal Meth verkaufen wollten. Dasselbe passierte bereits im Mai, wie B. nun gestand. Auch weitere Deals seien die Wahrheit.

Geständnis wird nur stumm abgenickt

Der 32-Jährige nickte das alles ab, flüsterte nur mit seinen Anwälten, den beiden Strafverteidigern Shervin Ameri und Lea Matner. Die gaben für ihn eine Erklärung ab und gingen dabei – wie vom Gericht gewünscht – auch auf die drei Mitangeklagten ein. Ein 27-Jähriger aus Kelheim habe nur als Kurier fungiert, hieß es. Ein 28-Jähriger aus Regensburg habe Sinan B. aus Freundschaft und ohne Geld zu Treffen mit den Verdeckten Ermittlern gefahren. Chef des Ganzen sei der 32-Jährige selbst gewesen, und zwar allein. Nicht, wie es die Anklage vermuten lässt, auf derselben Ebene mit dem Ältesten im Quartett, einem 49-Jährigen aus Langquaid.

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Die Rolle genau dieses Mannes wurde im Geständnis aber etwas anders dargestellt: Der hatte zuvor über seinen Anwalt erklären lassen, unschuldig vor Gericht zu sitzen und gar nichts von kriminellen Geschäften gewusst zu haben. Sinan B. ließ Strafverteidiger Ameri dagegen erklären, dass der 49-Jährige gewusst haben dürfte, dass sein Geld für nichts Legales genutzt werde. Zumal er geholfen habe, als die zuletzt geschmuggelte Pistole samt Drogen aus einem Autoreifen geschnitten wurde. Danach habe der Mitangeklagte Sinan B. samt der heißen Ware zudem nach Regensburg gefahren. Aber er sei wohl „not amused“ gewesen, als er die Lieferung damals gesehen habe.

Auch der mutmaßliche Kurier und der Mann, der Sinan B. als Freundschaftsdienst gefahren haben soll, wollen sich nun erklären. Das ließen die Verteidiger Urs Erös und Christoph Treml klar durchblicken. Erste Grundlagen dafür wurden gestern vorbesprochen, auch eine mögliche Höhe des Strafmaßes steht im Raum. Dazu will das Gericht für den 28-Jährigen am nächsten Prozesstag ein konkretes Angebot vorlegen. Noch lagen die Vorstellungen von Staatsanwaltschaft und Verteidigung zu weit auseinander.

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Der erste Punkt der Anklage, der Auslöser der Ermittlungen war, dürfte wohl wegfallen. Das ist Teil des Deals gewesen, den der Hauptangeklagte geschlossen hatte. Auf B. kam die Kripo nämlich durch einen Drogenpaten aus dem Raum Augsburg. Es war offenbar nicht sein ersten Geschäft in der Region, wie ein anderen Prozess offenbarte. Dieser Pate hatte bei dem 32-Jährigen Waffen in rauen Mengen ordern wollen – so ist es in abgehörten Telefonaten zu hören. Weil der Mann mit Beziehung zur Russen-Mafia aber Ende Dezember 2023 verhaftet wurde, kam es gar nicht mehr zum Geschäft mit bis zu 30 Makarows. Danach hefteten sich die zwei Verdeckten Ermittler an B.s Fersen.

Videoschalte von einem geheimen Ort geplant

Und die sollen und müssen im Regensburger Prozess aussagen, wie die achte Strafkammer des Landgerichts gestern beschloss. Allerdings unter besonderen Vorkehrungen, wie der Vorsitzende Richter Oliver Wagner verkündete. Um deren Identität zu schützen, werden sie nur per Video in den Gerichtssaal geschaltet – von einem geheimen Ort, zudem unkenntlich gemacht, nur mit verfremdeter Stimme und unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Denn, so die aktuelle Auskunft des Innenministeriums, sie sind noch immer „in verschiedene Ermittlungsverfahren eingebunden“, also laufende, verdeckte Operationen der bayerischen Kriminalpolizei.

Auch zwei Mitangeklagte, die als Kurier und als Fahrer fungiert haben sollen, ließen ihre Anwälte (Urs Erös, r., und Christoph Treml, 2.v.r.) Geständnisse ankündigen. Foto: Baumgarten