Waffendeals angeklagt: Gericht macht Mann (32) aus Regensburg ein „Angebot“

Von André Baumgarten · 4. Februar 2025 um 17:00

Richter deutet höheren Strafnachlass an, wenn mutmaßlicher Waffendealer auch zu den Mitangeklagten etwas sagt. Der 32-Jährige soll Drogen, Pistolen und einen Revolver an verdeckte Ermittler der Kripo verkauft haben.

Kriegswaffen sowie Sprengstoff und Rauschgift soll ein 32-jähriger Regensburger verkauft haben – aus seiner Sicht leider an die Falschen. Er machte seine Deals wohl nämlich mit verdeckten Ermittlern der Kripo. o steht es in der Anklage gegen den jungen Türken und drei mutmaßliche Mittäter. Im Prozess vor dem Regensburger Landgericht hatten ihre Verteidiger versucht, eine Verständigung zu erzielen, also mildere Strafen für Geständnisse zu kriegen. Dazu kam es zunächst nicht – ein Mitangeklagter des mutmaßlichen Waffendealers hat jetzt doch geredet.

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Sinan B. (Name geändert), der als Kopf des angeklagten Quartetts gilt, soll einem mittlerweile verurteilten Drogenpaten aus dem Raum Dillingen (Schwaben) scharfe Waffen angeboten haben. Der hatte 20 bis 30 Makarov, halbautomatische Pistolen aus russischer Herstellung, bestellen wollen. Was keiner von beiden wusste: Der Pate war da längst im Visier der Augsburger Kripo. Gut zehntausend Telefonate wurden abgehört, das Lager der Bande an einem See observiert, Kurierfahrer per GPS überwacht. Durch drei dieser Telefonate kamen die Ermittler auf den Regensburger. Andere Beamten übernahmen dann.

Kripo setzte verdeckt Ermittler in Regensburg ein

B. war schon früher polizeilich aufgefallen. Die falschen Daten seines Mobilfunkvertrages auf das Alias eines Franz Mayer aus Regensburg führten schnell zu dem 32-Jährigen. Die Nummer war „in Polizeisystemen“ nämlich mit dem Türken „verknüpft“. So schilderte es einer der Ermittler gestern als Zeuge vor Gericht. Um den mutmaßlichen Waffendealer aus Regensburg dingfest machen zu können, kamen die verdeckten Ermittler zum Einsatz. Also Polizeibeamte, die vorgeben, etwas kaufen zu wollen. Rechtlich ist das dünnes Eis, wie zuletzt auch eine aktuelle politische Diskussion um neue Regelungen für deren Einsatz zeigt.

Schon jetzt dürfen verdeckte Ermittler in keinem Fall selbst Straftaten begehen oder womöglich andere dazu animieren. Heißt: Sie dürfen sich zwar Illegales anbieten lassen, aber es nie selbst bestellen. Sonst wären die Ergebnisse ihrer Ermittlungen vor Gericht nicht verwertbar. Bisher stehen solche Vorwürfe im aktuellen Fall nicht im Raum. Es wurden keine Bedenken gegen die Methoden der Ermittler geäußert.

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Laut Anklage verkaufte Sinan B. mehr als einmal Waffen und Drogen direkt an die Polizei. Am 10. Mai sollen zwei Schusswaffen, zwei Monate später eine weitere Pistole und gut ein Kilo Crystal Meth, Kokain und vermeintliches Heroin übergeben worden sein – jeweils an verdeckte Ermittler der Kriminalpolizei. Beim zweiten Deal griffen die Beamten schließlich zu. Auswertungen von Handys brachten daraufhin neue Vorwürfe ans Licht: Zwei Kilo Kokain, zu deren Kauf es allerdings nie kam, und 350 Gramm Crystal Meth und Amphetamin, das an andere Abnehmer verkauft worden sein soll.

„Der Wert eines Geständnisses wäre deutlich höher, wenn eine Tatbeteiligung von anderen Personen hier Thema wäre.“

Oliver Wagner, Vorsitzender Richter, 8. Strafkammer

Seit 21. Januar stehen B. und drei Männer vor Gericht: Neben dem Türken sitzen ein 27-Jähriger aus Kelheim, ein 28-Jähriger aus Regensburg sowie ein 49-Jähriger aus Langquaid auf der Anklagebank. Ihnen wird die Einfuhr und das Handeltreiben mit Schusswaffen und Betäubungsmitteln in nicht geringen Mengen vorgeworfen. Geäußert hatten sich die Angeklagten bislang nicht. Sie schweigen allesamt – bis der Älteste, laut Ermittlern der Finanzier der Waffen- und Drogendeals, seinen Verteidiger jetzt eine Erklärung abgeben ließ. Er sei unschuldig, habe mit B. nur eine Reinigungsfirma und später eine Discothek eröffnen wollen. Als im Juli 2024 „ein Päckchen“ (voller Drogen) und „die Waffe“ aus einem Autoreifen (das Schmuggelversteck) geschnitten werden, will er damit nicht zu tun haben, und das auch so gesagt haben.

Packt Sinan B. am nächsten Prozesstag doch aus?

Der Anwalt von B., Strafverteidiger Shervin Ameri, hatte zuvor erneut sein Interesse daran bekundet, doch noch eine Verständigung zu erzielen. Was statt der, von der Anklage in den Raum gestellten, neun Jahre mit einem Geständnis am Ende stehen könnte, sagte Vorsitzender Richter Wagner nicht. Nur soviel: Der Wert eines Geständnisses „wäre deutlich höher“, wenn Angaben zu den übrigen Beteiligten kämen. Heißt: Packt der 32-Jährige aus und hängt die anderen hin, käme er besser davon als ohne einen Deal.

Wie sich B. entscheidet, wird sich spätestens am 20. Februar zeigen. Das Landgericht hat bis jetzt weitere Prozesstermine bis Ende April vorgesehen. Bis dahin dürfte ein weiterer Fall in Hemau, der ebenfalls Bezüge zum Drogenpaten mit dem Seegrundstück haben soll, längst beendet sein. Hier sagte zuletzt einen Augsburger Richterin aus, nachdem ein Zeuge kalte Füße bekam – weil im Hintergrund die Russen-Mafia am Werk sein soll.

Einer der Angeklagten (re.) hat im Prozess seinen Anwalt Günter Reisinger (2.v.re.) eine Erklärung verlesen lassen. Foto: Baumgarten