Burglengenfelds Bürgermeister glaubt fest an den Windpark – und Entlastung vor Gericht

Von Thomas Rieke · 3. Januar 2025 um 19:00

Aus Sicht von Bürgermeister Thomas Gesche (CSU) war 2024 für Burglengenfeld ein durchaus erfolgreiches Jahr. 2025 soll nahtlos daran anknüpfen. Im Gespräch mit der MZ sprühte der scheidende Rathauschef geradezu vor Zuversicht.

Herr Bürgermeister, wie sind Sie ins neue Jahr gerutscht?

Thomas Gesche: Es war angenehm. Ich hatte wieder ein paar Freunde zu einer kleinen Feier eingeladen, und um den Hund meines Vaters habe ich mich auch gekümmert. Gegen Mitternacht haben wir natürlich kurz auf den Marktplatz geschaut.

Wie war die Stimmung?

Gesche: Es war relativ ruhig. Gegen 0.45 Uhr habe ich vom Leiter des Ordnungsamts, Wolfgang Weiß, die Nachricht erhalten, dass es zu keinen Zwischenfällen kam. Daraufhin habe ich entschieden, dass die Security, die wir extra engagiert hatten, wieder abziehen durfte.

Jeder zieht zum Jahreswechsel Bilanz. Wie ist sie für Sie persönlich ausgefallen?

Gesche: Was die Gesundheit betrifft, so bin ich ganz zufrieden. Meine Sehstärke hat zumindest nicht weiter nachgelassen. Sie liegt unverändert bei drei Prozent.

Im Herbst hat die Landesanwaltschaft eine Entscheidung getroffen, die Sie nicht gefreut haben dürfte. Wegen des Förderschadens, der durch den vorzeitigen Baubeginn zweier Betreuungseinrichtungen entstanden ist, wird Ihnen grob fahrlässiges Handeln zur Last gelegt. Vor dem Verwaltungsgericht wurde Disziplinarklage erhoben.

Gesche: Ich darf betonen, dass es nach wie vor kein Urteil gibt und wir uns in einem laufenden Verfahren befinden. Anstand und Respekt gegenüber dem Gericht gebieten es, dass man in so einer Phase nicht laufend Wasserstandsmeldungen abgibt. Aber ich bin nach wie vor optimistisch, ja absolut überzeugt, dass am Ende der Vorwurf der Fahrlässigkeit fallen gelassen wird.

Aktuell ist ein Gerichtstermin noch überhaupt nicht absehbar. Es könnte sein, dass er erst nach Beendigung Ihrer Amtszeit angesetzt wird.

Gesche: Wenn man die Belastung der Gerichte sieht, ist in der Tat keine Prognose möglich. Ich bin aber relativ entspannt. Bis über die Schadenersatzklage im Zuge des KPMG-Gutachtens entschieden wurde, hat es sieben Jahre gedauert. Der Ausgang ist bekannt. Ich wurde komplett entlastet.

Wie fällt die Bilanz 2024 für die Stadt aus?

Gesche: Besonders freut es mich, dass wir das Grundschulprojekt abschließen konnten. Die Mensa ist in Betrieb gegangen, das Team ist nun eingespielt. Außerdem haben wir für die frühkindliche Betreuung wichtige Weichen gestellt. So haben wir entschieden, wie viele neue Kindergarten- und Krippenplätze entstehen sollen. Wir wissen nun auch, wo die neuen Einrichtungen gebaut werden sollen – und durch wen. Mit der Stadtbau sind wir hier bestens aufgestellt.

Der Standort im Baugebiet Hussitenweg ist aber nicht unumstritten. Anlieger sehen sich von der Stadt getäuscht.

Gesche: Fakt ist, dass es für das Grundstück, wo jetzt ein neues Kinderhaus geplant ist, noch keine anderen Pläne gegeben hatte. Wir werden die Bedenken in das laufende Verfahren einfließen lassen. Ich halte es aber für sehr wahrscheinlich, dass sie keinen Hinderungsgrund darstellen.

Wie geht es also weiter?

Gesche: Wir werden die Bauleitverfahren für beide Kinderhäuser zügig zum Abschluss bringen, so dass noch heuer der Spatenstich für die Erschließung erfolgen könnte. 2026 sollen dann die Gebäude errichtet werden.

Lassen Sie uns einen Blick auf weitere Projekte werfen, die 2024 für Schlagzeilen sorgten. Wie steht es um den Windpark, an dem ja auch die Stadtwerke beteiligt sind?

Gesche: Ich bin hier äußerst zuversichtlich, dass der Windpark gebaut werden darf.

Sie glauben also nicht, dass „militärische Belange“ das Vorhaben noch scheitern lassen könnten?

Gesche: (lacht) Ich habe berechtigten Grund zur Hoffnung. Mehr darf ich nicht sagen.

Was können Sie zur Batteriespeicherfabrik sagen, die auf einem Gelände von Heidelberg Materials geplant ist?

Gesche: Auch hier bin ich zuversichtlich. Im Dezember hat sich der Projektentwickler an uns gewandt, weil er sich über den Stand des Verfahrens schlau machen wollte. Er bat um Zusendung der Unterlagen zur Vorlage an einen Investor, den er jetzt offenbar an der Hand hat.

Stichwort Steinbruch-Erweiterung. Hier scheint es in Burglengenfeld zwei Lager zu geben. Wie stehen Sie dazu?

Gesche: Zum einen bin ich dafür, dass die Erweiterung gelingt. Denn damit würde die Zukunft des Zementwerks gesichert. Wir dürfen nicht vergessen, dass dieses Unternehmen über viele Generationen hinweg Arbeitsplätze geboten hat. Auch heute sind dort noch rund 180 Menschen beschäftigt. Ich habe aber immer auch betont, dass ich die Ängste und Bedenken der Bürger aus dem nördlichen Umland für berechtigt halte. Heidelberg Materials sollte ihnen deshalb soweit wie möglich entgegenkommen.

Wie könnte das konkret aussehen?

Gesche: Zum einen muss der Konzern die Kosten für die Beweissicherung komplett übernehmen. Schließlich verdient er ja in Burglengenfeld gutes Geld. Auch wünschte ich mir einen Kompromiss beim Genehmigungszeitraum. Bis 2066 ist mir zu lang. Auch wenn die Genehmigung nur bis 2055 erteilt wird, müsste dies dem Unternehmen ausreichend Planungssicherheit bieten. Als Drittes würde ich mir wünschen, dass die Abstandsflächen zu den Anwesen nicht ausgereizt werden.

Zurück zu Ihrer Person: Mitte 2024 haben Sie bekannt gegeben, dass Sie auf eine weitere Kandidatur verzichten werden. Haben Sie diese Entscheidung zwischenzeitlich schon Mal bereut?

Gesche: Nein. Es gab dafür gute, gesundheitliche Gründe.

Haben Sie mittlerweile eine Idee, was sie nach Ihrem Ausscheiden aus dem Amt machen?

Gesche: Nein. Ich lasse das auf mich zukommen. Vorerst möchte ich mich voll auf die Zeit konzentrieren, die ich noch Bürgermeister bin. Ich möchte für Burglengenfeld gute Arbeit abliefern.

Mit Michael Schaller hat die CSU bereits einen potenziellen Nachfolger bestimmt. Welche Chancen räumen Sie ihm ein?

Gesche: Natürlich hat er gute Aussichten. Schaller ist ein echter Burglengenfelder, er ist gut vernetzt und bringt als geschäftsleitender Beamter vor allem fachlich große Expertise mit. Andererseits muss man auch sehen, dass die SPD mit Martin Antretter einen Kandidaten aufbietet, der denselben Beruf ausübt, wenn auch in einer kleineren Gemeinde.

Viele dachten ja, für die SPD würde wieder Michael Hitzek in den Ring steigen. Er tut es nicht. Hat Sie das nicht auch überrascht?

Gesche: Aus Hitzeks Umfeld hatte ich Signale vernommen, dass er verzichtet. Seitdem hatte ich durchaus schon Herrn Antretter im Visier.

Es gibt eine weitere Personalie, die uns sehr beschäftigt: Die Leitung der Bauverwaltung ist seit Monaten vakant. Unseres Wissens ist es sehr schwierig die Lücke zu kompensieren.

Gesche: Sie werden verstehen, dass ich einzelne Personalfälle nicht kommentieren darf. Aber es ist tatsächlich so, dass ich mir in den nächsten Tagen verschärft Gedanken machen werde. Durch die Vakanz darf kein Schaden entstehen. Daher sieht es danach aus, dass ich die Stelle neu besetzen muss.

Lassen Sie uns noch einen Blick in die Zukunft werfen. Welche Projekte werden neben den bereits genannten 2025 ebenfalls eine Rolle spielen?

Gesche: Im alten Naabtalcenter wird sich was tun. Bis zum Sommer wollen wir das Bauleitverfahren abschließen, so dass heuer mit dem Abbruch des ehemaligen Baumarkts begonnen werden könnte. 2026 wird dann vermutlich neu gebaut. Nach unseren Informationen gibt es bereits Zusagen für vier bis fünf Fachmärkte. Das NAC wird also eine riesige Attraktivitätssteigerung erleben, was freilich auch nötig ist.

Gibt es auch Neues zur Lell-Immobilie?

Gesche: Auch hier sind wir auf einem guten Weg. Wie Sie wissen, favorisieren wir an dieser Top-Lage einen gesunden Mix aus Wohnen und Gewerbe.

Zu den Finanzen. 2024 wurde beschlossen, den Hebesatz für die Grundsteuer B zu senken. Glauben Sie, dass Burglengenfeld das durchhalten kann? Andere Kommunen stöhnen unter Mehrbelastungen und unternehmen sehr wohl den Versuch, durch die Grundsteuer an mehr Geld zu kommen.

Gesche: Nach allem, was wir wissen, ist die Einnahmensituation der Stadt Burglengenfeld mindestens stabil. Ich halte es daher nach wie vor für richtig, dass wir den Hebesatz reduziert haben, um den Bürgern so weit wie möglich entgegenzukommen.

Das Gespräch führte Thomas Rieke.