Paukenschlag in Burglengenfeld: Bürgermeister Thomas Gesche kündigt Rückzug an

Burglengenfelds Bürgermeister Thomas Gesche (Landkreis Schwandorf) erklärte sichtlich bewegt, er werde für eine weitere Kandidatur nicht zur Verfügung stehen. Und: Mit CSU-Fraktionschef Michael Schaller steht ein potenzieller Nachfolger bereits Gewehr bei Fuß.
Mit einer „Weichenstellung für die Kommunalwahl 2026“ hatte CSU-Ortsvorsitzender Peter Singerer den Besuchern der Mitgliederversammlung am Dienstag im Gasthaus Zu den3Kronen nicht zu viel versprochen. Gleich zwei Personalien wurden bekannt.
Dass sich Thomas Gesche mit Abschiedsgedanken befasst, war längst kein Geheimnis mehr. Neben dem fast kompletten Verlust des Augenlichts hat der 39-Jährige nach eigenen Angaben gesundheitlich mit einigen weiteren Baustellen zu kämpfen. Die daraus resultierende Belastung ließ ihn nach reiflicher Überlegung zu dem Schluss kommen, dass es besser sei, auf eine erneute Kandidatur zu verzichten – obwohl „das Amt des Bürgermeisters wunderbar ist, große Freude bereitet und es eine große Ehre ist, in der tollsten Stadt der Welt regieren zu dürfen“.
Vor rund 25 Mitgliedern machte Gesche außerdem klar, dass er sich auch nicht um ein Mandat im Stadtrat bewerben werde, denn ein ehemaliger Rathauschef „gehört nicht in dieses Gremium“.
Gesche ist noch bis zum 30. April 2026 im Amt
Gesche wird also nur noch bis 30. April 2026 die Geschicke der Stadt lenken. Bis dahin wolle er „umso mehr mit vollem Einsatz“ bei der Sache sein, versicherte er. Unterstützung kündigte er auch dem Ortsverein an, damit große Geschlossenheit herrsche und die „besten Leute“ für eine Kandidatur gewonnen werden, die die Wähler mit den „besten Inhalten überzeugen“. Ziel sei es, für die Stadtratsfraktion mindestens ein zusätzliches Mandat hinzuzugewinnen und einen hervorragenden Bürgermeisterkandidaten ins Rennen zu schicken, der die Wahl 2026 gewinne.
Gesche zeigte sich während seiner Rede mehrmals sichtlich bewegt. Die Anwesenden quittierten seine Worte mit lang anhaltendem, herzlichen Applaus.
Vorsitzender Singerer skizzierte, was zuletzt hinter den Kulissen gelaufen war: Gesche habe vor rund vier Wochen den Kontakt zu ihm und dem Fraktionsvorsitzenden gesucht und sie eingeweiht. Daraufhin habe man beraten und eine Vorstandssitzung einberufen. Dort habe man bereits einen konkreten Vorschlag unterbreitet, wer für die CSU 2026 als neuer Bürgermeisterkandidat in den Ring steigen sollte. Der Vorschlag sei einstimmig begrüßt worden.
Damit ließ der Vorsitzende auch die zweite Katze aus dem Sack: Der neue Hoffnungsträger heißt Michael Schaller. Bevor der Verwaltungsexperte (Schaller ist in Sinzing der geschäftsleitende Beamte) Werbung in eigener Sache machte, würdigte er Gesche in höchsten Tönen. Gesche sei 2013 mit größtem Elan in den Ring gestiegen und habe alle Mitstreiter „irrsinnig mitgerissen“. Nur so sei es gelungen, eine jahrzehntelange SPD-Vorherrschaft in Burglengenfeld zu brechen.
Hohe Verschuldung und fehlende Mehrheit im Stadtrat
Angesichts der hohen Verschuldung der Stadt und einer fehlenden Mehrheit im Rat seien für Gesche die Voraussetzungen als Verwaltungschef beim Amtsantritt äußerst schwierig gewesen. Er habe einen Job übernommen, „der in Bayern seines Gleichen suchte“. Trotzdem sei es ihm gelungen, in nur zehn Jahren die wesentlichen Probleme der Kommune zu lösen – zum Beispiel die Finanzierung des Bulmare.
Was ihn selbst betrifft, so betonte Schaller, sei er noch nur ein Vorschlag des Vorstands. Er bitte aber um Vertrauen und Unterstützung, dann werde es gelingen, die gesteckten Ziele zu erreichen. Nach einer erfolgreichen Periode für die Stadt wäre es schade, das Zepter wieder aus der Hand zu geben.
„Schaller wird es genau so gut machen wie Gesche“, zeigte sich Peter Singerer überzeugt. Der Ortsverein habe sich zu einer intakten Familie entwickelt. Deshalb sollte es „kein Problem sein, 2026 erneut zu gewinnen“.
Am Tag nach der Versammlung stellte sich Bürgermeister Gesche den Fragen der MZ. Er wirkte dabei, als sei eine große Last von ihm gefallen. Das Interview lesen Sie hier.
Landrat Thomas Ebeling (CSU) erinnerte an den ersten Wahlkampf, den er mit Gesche geführt, und die erste Wahlparty, die er mit ihm gefeiert habe. Dabei seien Freundschaften entstanden. Die Zusammenarbeit bezeichnete Ebeling als hervorragend. Gesches Leistungsbilanz nötige ihm „größten Respekt“ ab.
Viel Lob für den scheidenden Rathauschef
2. Bürgermeister Josef Gruber erklärte, Gesche habe als junger Kandidat schnell politisches Talent bewiesen und dadurch Zweifel an seiner Eignung für das Amt beseitigt. Er verfüge über ein „Gespür für den richtigen Ton“ und über die Gabe, „Dinge richtig anzupacken“. Außerdem gelinge es ihm, Menschen für sich zu gewinnen. Im Amt habe er rasch das Klima im Rat deutlich entspannt und sukzessive die Finanzlage der Kommune verbessert.
Spätestens seit der Beinahe-Erblindung erbringe Gesche eine „gigantische Leistung“, sagte Gruber. Dafür bewundere er ihn.
(Anmerkung: In der ursprünglichen Version dieses Textes wurde Josef Gruber aus Versehen zum 3. Bürgermeister degradiert. Er ist aber seit 2020 erster Stellvertreter von Thomas Gesche. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen. 3. Bürgermeister ist Sebastian Bösl, SPD.)